Argentinien rechnet Inflation und BIP schön

4. Februar 2013, 09:41
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Die Inflationsdaten, die Argentinien an den IWF liefere, seien erheblich geringer, als Statistiken unabhängiger Experten, tadelt der IWF

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Argentinien wegen der Weitergabe nicht korrekter Wirtschaftsdaten gerügt. Die Regierung des lateinamerikanischen Landes solle bis spätestens September die Erhebung der Statistiken über Inflation und Wirtschaftswachstum anpassen, hieß es in einem offiziellen Tadel ("declaration of censure"), den der IWF am Freitag in Washington veröffentlichte.

Es handle sich um die erste Mahnung dieser Art, teilte ein Sprecher zuvor mit. Die Inflationsdaten, die Argentinien an den IWF liefere, seien etwa um ein Drittel geringer als Statistiken, die unabhängige Experten errechneten, erlautete in Washington. Die Regierung in Buenos Aires und der IWF liegen seit längerem im Streit. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte sich bereits im vergangenen Jahr verärgert geäußert, nachdem der IWF mit einer entsprechenden Rüge gedroht hatte. Argentinien lässt seit längerem keine IWF-Mitarbeiter zur Prüfung der Daten ins Land.

Alter Konflikt

Der Konflikt um die Wirtschaftsdaten geht auf das Jahr 2007 zurück. Der damalige argentinische Präsident Nestor Kirchner hatte zu jener Zeit einen Umbau im Statistikamt vorgenommen. Seither weichen die offiziellen Wirtschaftsdaten der Regierung zum Teil deutlich von jenen unabhängiger Institute ab. Im Falle der Inflationsdaten beträgt die Differenz laut IWF immerhin ein Drittel. Tatsächlich könnte sie sogar noch höher sein. Während die Regierung die Inflation im letzten Jahr auf 11 Prozent oder weniger schätzte, haben private Institute bis zu 25 Prozent errechnet.

Jetzt reicht es dem Währungsfonds: Mit der offiziellen Rüge schafft er einen Präzedenzfall. Im Extremfall könnte die nun in Gang gesetzte Prozedur sogar zu einem Ausschluss Argentiniens aus dem IWF führen. Im November will der Währungsfonds erneut über den Fall beraten. Ob Argentinien sein Zahlenwerk anpassen wird oder weiter auf Konfrontation geht, bleibt abzuwarten. Vorerst reagierte Buenos Aires, wie so oft, uneinsichtig. Die Kritik des IMF an Argentinien sei ein Beispiel für die ungleiche Behandlung einiger Mitgliedsstaaten, ließ Wirtschaftsminister Hernán Lorenzino verlauten. (rb, derStandard.at, 4.2.2013)

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    Argentinier, die gegen die steigenden Preise protestieren - alles nicht so schlimm, rechnen die nationalen Statistiker vor.

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