Serbiens Premier gesteht Mafia-Kontakte

3. Februar 2013, 18:34
113 Postings

Dacic musste zugeben, vor vier Jahren einen Drogenboss getroffen zu haben - Vizepremier Vucic soll auf baldige Neuwahlen spekulieren

Fast täglich werden in Serbien neue Korruptionsaffären aufgerollt. Einst unantastbare Geschäftsleute befinden sich hinter Gittern, Politiker werden reihenweise auf Korruption untersucht. Nun ist selbst Ministerpräsident und Innenminister Ivica Dacic ins Kreuzfeuer geraten.

Serbische Medien hatten zunächst seinen früheren Bürochef mit der Drogen-Mafia in Verbindung gebracht. Als Dacic dementierte, sickerten Beweise durch, dass er sich vor vier Jahren als Innenminister selbst mehrmals mit Rodoljub Radulovic getroffen hatte. Radulovic ist einer der Bosse des berüchtigten Narco-Clans des seit Jahren untergetauchten Darko Šaric. Mit dem Rücken zur Wand gab Dacic die Kontakte am Samstag zu. Er beteuerte aber, nicht gewusst zu haben, dass es sich um einen Mafia-Boss handelte.

"Mit den Attacken auf den Premier will man die Regierung zu Fall bringen. Man will zeigen, dass ich untauglich sei, das Amt des Premiers auszuüben", sagte Dacic. Er machte die Kriminalpolizei dafür verantwortlich, ihn als Innenminister nicht vor Kontakt mit Verdächtigen bewahrt zu haben, denn: "Wie hätte ich sonst wissen sollen, mit wem ich es zu tun hatte?" Die Bande von Šaric soll während des serbischen Privatisiungsprozesses Milliarden an Drogengeldern gewaschen haben.

Hinter den peinlichen Enthüllungen, die Dacic in die Nähe eines der einst mächtigsten Narco-Clans bringen, wird Aleksandar Vucic vermutet. Der junge und gefürchtete Vizepremier ist als Koordinator der Sicherheitsdienste für den Kampf gegen Korruption und das organisierte Verbrechen zuständig. Vucic macht keinen Hehl daraus, dass er neben den Geheimdiensten auch die Kontrolle über die Kriminalpolizei haben möchte. Er konnte sich mit Dacic aber nicht über den neuen Direktor der Kriminalpolizei einigen.

Ein halbes Jahr nach der Regierungsbildung hat sich Vucic das Image des mutigen, unbestech lichen Politikers zugelegt, der sein eigenes Leben für das Wohler gehen Serbiens riskiert und es kompromisslos mit den gefährlichsten Leuten aufnimmt. Beobachter meinen aber auch, dass Vucic in Serbien eine "Stimmung des Schreckens" schüre, in der niemand weiß, wo er zuschlagen wird, und dass seine Aktionen auch gegen politische Gegner gerichtet seien. Laut Umfragen ist er jedenfalls mit Abstand der populärste Politiker in Serbien, seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) kommt dank seiner Aktivitäten gegen Korruption auf über 40 Prozent. Die Opposition ist zerstritten und in völliger Defensive.

In dieser Situation bringt die SNS als Seniorpartner in der serbischen Koalitionsregierung immer wieder Neuwahlen als Druckmittel ins Spiel. Vucic, so meinen Beobachter, würde nach einem plausiblen Anlass dafür suchen - Dacics Verbindung zur Drogenmafia könnte das durchaus sein. (Andrej Ivanji aus Belgrad /DER STANDARD, 4.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dacic, hier auf einem Wahlplakat, sieht sich als Opfer einer Schmutzkübel-Kampagne.

Share if you care.