Doppelte Weltmeisterin auf der Suche

3. Februar 2013, 18:25
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Elisabeth Görgl sang vor zwei Jahren bei der Eröffnungsfeier in Garmisch den WM-Song und dominierte danach die Speed-Bewerbe. Vor dem Auftakt in Schladming steckt die Steirerin in einer bitteren Formkrise.

Schladming - Am Wochenende hat er in Schladming wirklich noch nicht gesteppt, der Bär. Da hätten die Athleten des Österreichischen Ski-Teams auch in den Hotels gegenüber des imposanten Zielstadions und der Après-Ski-Lokale schlafen können, sie hätten viel Ruhe vor dem Sturm vorgefunden. Stattdessen bekamen die Herren und Damen noch einmal eine Heimschläfer-Erlaubnis, das hat auch eine gewisse Logik.

Am Sonntagnachmittag rückten die ersten Teams im ÖSV-Quartier Pichlmayrgut ein, das ist bewusst gut acht Kilometer vom Trubel entfernt, der mit der Eröffnungsfeier heute, Montag, in Schladming einfallen wird. Die schwedische Mannschaft sieht die Sache entspannter, sie schläft im von schwedischen Besitzern geführten Hotel Planai, die riesigen Stahlrohre der Tribünen direkt vor Augen. Wer von den Schweden in den nächsten Tagen nicht Andreas Gabaliers WM-Song Go for Gold auswendig mitträllern will, muss starke Schlafmittel mitgebracht haben.

Vor zwei Jahren bei der WM in Garmisch-Partenkirchen hieß der WM-Song You're The Hero (between Heaven and Hell). Gesungen haben ihn Lizz&Crizz. Hinter Crizz versteckte sich Musikproduzent Christian Geisler, Lizz stand für Elisabeth Görgl. Für die talentierte Hobbysängerin Görgl war der Auftritt bei der WM-Eröffnung insofern nervenaufreibend, als sie wenige Stunden später den Super-G zu bestreiten hatte. Die gebürtige Steirerin, die in Kapfenberg-Parschlug aufwuchs, gewann Gold - und krönte sich mit dem Triumph in der Abfahrt zum Star der Bewerbe.

Von der einstigen Lockerheit der 31-Jährigen ist vor dem morgigen Super-G, dem Auftakt der WM-Bewerbe, nichts zu spüren. Österreichs Sportlerin des Jahres 2011 wirkt verunsichert, als bestes Super-G-Resultat im Weltcup steht in dieser Saison ein zwölfter Platz zu Buche.

Die aktuelle Formkrise erreichte Mitte Jänner 2013 in St. Anton ihren Höhepunkt, als Görgl nach der Absage des zweiten Trainings auf die Abfahrt verzichtete. "Ich fühle mich nicht wohl, fühle nicht den Schwung, wie er gehört. Derzeit habe ich keinen Spaß", sagte sie damals.

Stephan Görgl lässt die Formschwäche seiner Schwester vor der Heim-WM " nicht kalt. Gerade in Schladming ist um sie als Doppelweltmeisterin ein Hype. Wenn man sich da nicht raushalten kann, schlägt man ein Radl", sagte er dem Standard.

Stephan, Elisabeths 34-jähriger Bruder und Sieger von zwei Weltcuprennen, hat erst im Dezember 2012 seine Karriere beendet, um sich Freeride-Projekten zu widmen. Seine Schwester kenne er als penible Tüftlerin, da seien sich die Geschwister trotz vieler Unterschiede nicht unähnlich. "Sie hadert, sie kämpft", sagt Stephan. "Elisabeth liebt das Herumdoktern. Mit dem neuen Material ist sie aber noch nicht eins."

Keine Ausreden

Im Frühling 2012 ließ sich Elisabeth Görgl zudem an beiden Knien operieren, sie konnte ihr geplantes Saison-Vorbereitungsprogramm nicht umsetzen. Als Ausrede will das die Siegerin von vier Weltcuprennen aber nicht gelten lassen. "Ich hatte vor zwei Jahren eine Innenbandverletzung und habe drei Monate vor Garmisch nur Therapie gemacht. Das war nicht so ideal", sagte sie. Auch vor Garmisch hätte sie eine Phase gehabt, "wo ich mich nicht wohlgefühlt habe".

Eine innere Ausgeglichenheit ist für Görgl Grundvoraussetzung, um auch sportliche Erfolge feiern zu können. Sie setzt auf Mentalbetreuer Helmut Zangerl als Vertrauensperson, arbeitet mit ihm seit fast zehn Jahren zusammen. Görgl, die im März 2000 im Weltcup debütierte, feierte erst acht Jahre später beim Riesentorlauf von Maribor ihren Premierensieg. Im Jänner 2012 gewann die Tochter von Traudl Hecher-Görgl, die bei den Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley und 1964 in Innsbruck jeweils Bronze in der Abfahrt geholt hatte, in Bad Kleinkirchheim ihre erste Weltcup-Abfahrt. Da war Görgl schon fast ein Jahr lang Weltmeisterin in dieser Disziplin.

Abschreiben würde Stephan seine Schwester vor dem WM-Auftakt in Schladming "auf keinen Fall". Fraglich ist, wie sie mit dem Druck umgeht. "Das Rennen vor dem Rennen ist das kräfteraubendste." (David Krutzler, DER STANDARD 04.02.2013)

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    Von Lockerheit ist bei Görgl derzeit keine Spur. Fehlendes Fahrgefühl bringt sie zum Grübeln.

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