Serbien droht Alpine mit Vertragsende

3. Februar 2013, 17:51
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Wegen Verzögerungen beim Bau der Umfahrung um Dimitrovgrad droht Serbien dem Salzburger Baukonzern mit Neuausschreibung

Wegen Verzögerungen beim Bau der Umfahrung um die Stadt Dimitrovgrad droht der serbische Staatsbetrieb "Korridor Serbien" dem Salzburger Baukonzern Alpine mit Neuausschreibung

 

Belgrad/Zagreb - Der Streit zwischen dem Salzburger Unternehmen Alpine und dem serbischen Staat geht in eine neue Runde. "Die Österreicher wollen mehr Geld - Serbien könnte den Autobahn-Deal fallen lassen", titelten serbische Medien in den vergangenen Tagen. Tatsächlich hatte der Direktor des staatlichen Unternehmens "Korridor Serbien", Dmitar Djurovic, dem Bauunternehmen Alpine mit dem Ende des Vertrags für den Bau der Autobahnumfahrung von Dimitrovgrad gedroht, falls diese "nicht ihre Bauarbeiten bis spätestens Mitte März fortsetzt".

Djurovics Angaben zufolge verlangt die Alpine statt der veranschlagten 60 Mio. Euro 74 Mio. Euro für den Bau des Teilstücks des paneuropäischen Korridors Zehn. Dabei geht es insgesamt um 20 Kilometer Autobahn, die auch von Pirot nach Dimitrovgrad an der Grenze zu Bulgarien führen soll. Alpine würde nun für "unvorhergesehene Arbeiten" mehr Geld verlangen. Der Konzern - gestern, Sonntag, konnte keine neue Stellungnahme eingeholt werden - wiederum betont, dass sich die Bauarbeiten wegen Protesten gegen Landenteignungen von Anrainern und wegen eines großen Erdrutsches verzögert hätten. Darüber habe man im Vorfeld nicht Bescheid gewusst.

Kein Grund für Kündigung

Alpine kündigte an, die Arbeiten zu Beginn der Bausaison wieder aufzunehmen. Es gäbe jedenfalls keinen Grund für eine Auflösung des Vertrags. Vor einiger Zeit hatte "Korridor Serbien" der Alpine bereits eine Frist bis 10. Februar gesetzt, bis zu der diese einen Plan über weitere Bauarbeiten vorlegen sollte. Djurovic kündigte nun an, den Auftrag für die Ringautobahn nötigenfalls neu auszuschreiben. Alle Firmen, die nicht ihre Verpflichtungen erfüllen würden, sollten bestraft werden. Auch die Weltbank würde einen Kredit zurückziehen, wenn die Deadline ausgelaufen sei.

Laut Djurovic hat Alpine etwa 75 Prozent der Arbeiten erledigt, die Umfahrung sollte aber seit eineinhalb Jahren fertiggestellt sein.

Die Streitigkeiten zwischen der Alpine und Serbien sind nicht neu. Alpine hat Serbien wegen der Beendigung der Konzession für den Betrieb des Autobahnstücks zwischen Horgos und Pozega geklagt. Die Vertragsauflösung wird vor dem Schiedsgericht in Paris abgehandelt. Alpine fordert 71 Mio. Euro Schadenersatz. Auch wegen der strittigen Kosten einer neuen Donaubrücke droht ein Schiedsverfahren. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 4.2.2013)

  • Alpine hat den Auftrag, die längste Donaubrücke (Beska) bei Novi Sad zu 
sanieren und neu zu bauen. Sie verlangt dafür 102 Mio. Euro, Serbien 
bietet aber nur 62.
    foto: alpine

    Alpine hat den Auftrag, die längste Donaubrücke (Beska) bei Novi Sad zu sanieren und neu zu bauen. Sie verlangt dafür 102 Mio. Euro, Serbien bietet aber nur 62.

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