Proteste gegen Akademikerball: Wo der Spaß aufhört

Kommentar3. Februar 2013, 17:50
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Die Polizei für Demonstrationen gegen den umstrittenen Ball verantwortlich zu machen, ist ein Symptom blinder Wut

Nein, es ist nicht lustig, mit einem Farbbeutel beworfen zu werden - auch nicht dann, wenn das Opfer politisch in einer Partei beheimatet ist, dessen Chef früher einmal bei Wehrsportübungen mit Paintball-Waffen selbst Kleckser hinterlassen hat. Andreas Mölzer, Delegationsleiter der freiheitlichen EU-Delegation, der vergangenen Freitag auf dem Weg zum blauen Akademikerball in der Wiener Hofburg rote Farbe abbekommen hat, ist also zu Recht sauer.

Die Polizei, allen voran den Wiener Landespolizeipräsidenten Gerhard Pürstl, für Demonstrationen gegen den umstrittenen Ball verantwortlich zu machen, ist allerdings ein Symptom blinder Wut. Denn in Wahrheit gab es heuer so wenig schwere Zwischenfälle wie noch nie bei Protesten gegen rechte Burschen. Zum Teil auch deswegen, weil die Polizei mit einem Riesenaufgebot an Beamten unterwegs war und Bereiche der Innenstadt völlig abriegelte. Mehr geht nicht, und Pürstl verweist zu Recht darauf, dass schon jetzt durch den Aufwand eine "nicht unbeträchtliche Belastung für den Steuerzahler" entsteht.

Und das zum Schutz eines Balls, dessen Veranstalter (bis 2012 war das der Wiener Korporationsring) selbst immer wieder mit Einladungen an den rechtsradikalen Rand Europas das Gesetz ausreizen. Beim Aufmarsch der deutschen NPD oder - wie heuer - der rechtspopulistischen Schwedendemokraten in der Hofburg hört der Spaß echt auf. (Michael Simoner, DER STANDARD, 4.2.2013)

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