"Nicht irgendeine Werbung auf den Balkon hängen"

Interview3. Februar 2013, 17:56
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Reinhold Zitz, Direktor der Organisation und also dafür zuständig, dass die WM tatsächlich die beste aller bisherigen Zeiten wird und dem Skiverband einen Gewinn beschert, beantwortet die Fragen von Benno Zelsacher.

Standard: Sie haben den schlichten Auftrag, die beste WM aller bisherigen Zeiten zu organisieren. Was wird bei dieser WM besser als bei den vorangegangenen?

Zitz: Das beginnt bei der Infrastruktur. Sei es beim Zielstadion, in das 28.000 Leute passen. So etwas habe ich bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften noch nie gesehen. Einen Fan Circle wie hier hat es auch noch nicht gegeben. An den Tagen mit den sportlichen Highlights erwarten wir bis zu 35.000 Fans in der Stadt. Wir haben uns auch sehr bemüht, die Bevölkerung einzuschwören auf dieses Event.

Standard: Nicht alle sind glücklich mit der WM, man hört auch sehr kritische Stimmen.

Zitz: Das ist normal bei einem Großevent. Mit der Kritik muss man leben. Wenn sie berechtigt ist, musst du was ändern, wenn sie nicht berechtigt ist, dann schreibst du höflich deine Meinung zurück.

Standard: Bei der letzten Heim-WM 2001 in St. Anton waren Horden von Betrunkenen unterwegs. Das blieb vielen Beobachtern mit Grausen in Erinnerung, war nicht gut fürs Image. Wie steuern Sie da gegen?

Zitz: Es hat ja in St. Anton kaum ein Rahmenprogramm gegeben. Bei uns hat auch die Kultur einen großen Stellenwert. Das Fan-Zelt befindet sich außerhalb der Medal Plaza, es ist weg von den Veranstaltungszentren Sport. Die ganz Lustigen bleiben also draußen. Eine Familie mit ihren Kindern sollte auf der Medal Plaza kein Problem haben. Wir arbeiten auch mit dem Stadtmarketing zusammen. Die Gastronomen, mit denen wir Verträge haben, haben sich verpflichtet, keinen hochprozentigen Alkohol auszuschenken.

Standard: Muss jeder in der Stadt mit dem ÖSV einen Vertrag haben?

Zitz: Jeder, der einen offiziellen Gastrostand hat. Er muss sich auch an die Preise halten, und die sind bodenständig. Und er muss sich an die offiziellen Sponsoren halten, darf nicht irgendein Bier verkaufen. Drinnen kann natürlich jeder machen, was er will.

Standard: Wie ist die Schutzzone für die Sponsoren definiert?

Zitz: Das betrifft das Zielstadion und die Medal Plaza. Die Gemeinde hat sich verpflichtet, unerlaubte Sponsorenplatzierungen, Ambush-Marketing, zu vermeiden. Wir haben die Anrainer darauf aufmerksam gemacht, dass man nicht irgendeine Werbung auf den Balkon hängen kann.

Standard: Wer schreitet bei Zuwiderhandeln ein?

Zitz: Wir haben einen Anwalt, Christian Flick, der auf Ambush-Marketing spezialisiert ist.

Standard: Der ist auch Kolumnist beim ÖSV-Medienpartner "Kronen Zeitung" .

Zitz: Ja. Und er hat die Unterstützung seitens der Kobra, Es gibt eine mobile Einsatztruppe, die unerlaubte Werbung auf der Stelle entfernen kann - so können wir unsere Sponsoren schützen.

Standard: Wie läuft der Ticketverkauf?

Zitz: Gut. Schladming ist durch den Nachtslalom auch dafür bekannt, noch Tagestickets bereitzustellen. Es gibt 20 Ticketcontainer.

Standard: Gibt es auch entlang der Strecke Platz für Zuschauer?

Zitz: Bei Herren-Abfahrt und Super-G gibt es zusätzlich 5000 Plätze auf der Strecke. Auf der Damenstrecke erlaubt es das Gelände nicht. Beim letzten Bewerb, dem Herren-Slalom, ist die Damenstrecke nicht mehr in Betrieb. Dann machen wir links von der Rennstrecke auch Naturtribünen. Das wird wie beim Night Race.

Standard: Am Tag halt.

Zitz: Normal muss man jedes Skirennen in der Nacht machen. Die Show ist einzigartig.

Standard: Aber dann überträgt nur noch der ORF. Und vor allem die Deutschen übertragen die Show nicht. Ist das gut für eine WM?

Zitz: Wenn den Deutschen gewisse Sachen wichtiger sind als eine Ski-WM, muss man das zur Kenntnis nehmen. Aber natürlich müssen wir alles daran setzen, dass die WM in die Welt hinausgeht.

Standard: Haben Sie auch viel daran gesetzt, die Umgebung für die WM zu begeistern?

Zitz: Wir haben viele Kinder eingeladen. Wir waren in Kindergärten, wo der Hopsi der große Star war, und in Oberstufengymnasien, wo wir uns mit kritischen Fragen auseinandergesetzt haben.

Standard: Zum Beispiel?

Zitz: Nachhaltigkeit, Umwelt, Energieverbrauch, Sinnhaftigkeit von Großveranstaltungen.

Standard: Durch diese Aktion sind also schon viele Tickets weg.

Zitz: Natürlich, wir generieren da auch keine großen Einnahmen. Viel verdient man durch den VIP-Verkauf. Aber wir wollen auch für die normalen Leut' etwas schaffen.

Standard: Priorität für den ÖSV ist es aber schon, dass die WM ein Geschäft wird?

Zitz: Sicher, deshalb sind wir auch so erpicht darauf, alle zehn, zwölf Jahre eine WM zu veranstalten. Den Gewinn investieren wir in die Jugend. Der Hirscher oder die Schild können sich selbst erhalten, aber der Nachwuchsfahrer braucht die Kohle.

Standard: Wie hoch ist das Veranstaltungsbudget?

Zitz: Rund 40 Millionen Euro.

Standard: Wie viele Menschen sind beschäftigt?

Zitz: Rund 500, die mehr oder weniger viel Geld kriegen. Dazu 1000 Freiwillige, die bekommen das Gewand, Kost und Logis.

Standard: Was kann schiefgehen?

Zitz: Das ganze Leben ist ein Risiko. Wir haben Risikokataloge. Da steht auch drinnen, was zu tun ist, wenn 600 Leute im VIP-Zelt eine Salmonellenvergiftung haben. (Benno Zelsacher, DER STANDARD; 04.02.2013)

 

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    Es gibt eine mobile Einsatztruppe, die unerlaubte Werbung auf der Stelle entfernen kann.

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