Türkischer US-Botschafts-Attentäter lebte in Deutschland

3. Februar 2013, 16:59
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Ecevit Sanli war Behörden als Extremist bekannt

Ankara/Berlin/Washington - Wenige Tage nach dem Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara mehren sich Hinweise auf eine Verbindung des Attentäters nach Deutschland. Der Mann habe länger in Deutschland gelebt und sei den hiesigen Behörden als Extremist bekannt gewesen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Sonntag vorab unter Berufung auf Sicherheitsexperten. Er sei zum Verlassen des Landes aufgefordert worden und daraufhin untergetaucht.

Türkischen Medienberichten zufolge reiste der Attentäter von Deutschland aus in die Türkei. Die dortige Linksextremisten-Gruppe DHKP-C erklärte, ihr Mitglied Ecevit Alisan Sanli habe den Anschlag verübt. Die Behörden bestätigten nach einem DNA-Test die Identität des Täters.

Der Mann sei nach einer 2001 in der Türkei verbüßten Haft nach Deutschland gekommen, berichtete die "SZ" weiter. Er habe hier um politisches Asyl gebeten. Dies sei aber abgelehnt worden, weil er kein Opfer politischer Verfolgung gewesen sei. Auch habe man von seinem Engagement für die linksextreme Gruppe "Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front" (DHKP-C) gewusst und ihn zum Verlassen des Landes aufgefordert. Er sei in Deutschland nicht von Sicherheitsdiensten überwacht worden, weil er nicht als ein sogenannter Gefährder eingestuft war. Als Gefährder gelten Extremisten, denen man zutraut, Anschläge zu verüben oder zu organisieren.

Einreise mit falschen Papieren

Berichte von Medien, der Mann sei aus Deutschland in die Türkei gekommen, werden dem deutschen Innenministerium zufolge geprüft. Der türkische Innenminister Muammer Güler erklärte, der Attentäter sei mit falschen Papieren ins Land eingereist. Türkische Behörden lieferten andere Angaben zu den Aufenthaltsorten von Sanli als die "Süddeutsche Zeitung". Demnach wurde der 1973 geborene Sanli 2002 zu lebenslanger Haft verurteilt und floh ein Jahr später aus der Türkei. Schon 1997 sei er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Als er während eines Hungerstreiks aber krank wurde, habe man ihn freigelassen und nicht wieder inhaftiert. Er wurde polizeilich gesucht.

Einem Bericht des amtlichen Fernsehsenders TRT zufolge wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag am Samstag drei Personen festgenommen. Der Selbstmordattentäter hatte sich am Freitag in einem Nebengebäude der US-Botschaft in die Luft gesprengt und einen türkischen Wachmann mit in den Tod gerissen. Eine Journalistin, die auf dem Weg zum US-Botschafter war, wurde schwer verletzt. Die DHKP-C wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrorgruppe eingestuft.

Die Extremisten warfen den USA Völkermord vor. Dabei benutze die Supermacht die Türkei als ihren "Sklaven". Ministerpräsident Tayyip Erdogan sei eine US-Marionette und müsse deshalb selbst mit einem Anschlag rechnen, heißt es in einer Erklärung. Zudem forderte die DHKP-C (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi) den Abzug von US-Patriot-Raketen au der Türkei, die von Montag an zum Schutz des Nato-Landes gegen Übergriffe aus dem benachbarten Syrien zum Einsatz kommen sollten. Auch Deutschland und die Niederlande beteiligen sich an dem Einsatz von Patriot-Abwehrraketen.

Auslandsvertretungen der USA wurden bereits häufiger Ziel von Angriffen, etwa im September vergangenen Jahres im ostlibyschen Benghazi, wo der US-Botschafter und drei andere Amerikaner getötet wurden, als islamistische Extremisten das dortige Konsulat stürmten. 1998 starben Hunderte bei Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania. (APA/Reuters, 3.2.2013)

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