Der Heimvorteil schwindet

Blog3. Februar 2013, 16:16
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In der Erste Bank Eishockey Liga gibt es immer weniger Heimsiege. Gleichzeitig wächst die Bedeutung des ersten Tores in einem Spiel

Fünf Runden oder 30 Partien trennen die Erste Bank Eishockey Liga noch vom Start der Play-Offs. Wenn nach der Länderspielpause am 13. Februar der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, haben - dem Modus mit der Zwischenrunde sei Dank - noch alle Teams die rechnerische Chance, sich für die KO-Phase der Meisterschaft zu qualifizieren.

An der Tabellenspitze liegen seit 28. Dezember durchgehend die Vienna Capitals, die sich bereits einen Respektabstand zur Konkurrenz erarbeitet haben und aus den verbleibenden fünf Spielen nur noch einen Zähler benötigen, um sich das Heimrecht im Viertelfinale zu sichern. Schlüssel zum Wiener Erfolg war im bisherigen Saisonverlauf neben der überragenden Defensive auch die wiedergefundene Heimstärke: Das Team von Trainer Tommy Samuelsson hat 19 seiner 24 Spiele in der Albert Schultz-Halle gewonnen und damit seine Erfolgsquote in Heimspielen von im Vorjahr lediglich 48,2 Prozent auf aktuell 79,2 Prozent massiv gesteigert.

Immer weniger Heimsiege

Damit stellen sich die Capitals deutlich gegen den ligaweiten Trend, denn in der EBEL sank der Anteil der von den Gastgebern gewonnenen Spiele im Vergleich zum Vorjahr erneut und erreicht in der laufenden Saison einen historischen Tiefstand. In nur noch 57,5 Prozent der Partien setzt sich 2012/13 die jeweilige Heimmannschaft durch, innerhalb der letzten fünf Jahre sank deren Erfolgsquote um gut 8,7 Prozent (siehe Grafik).
Geschuldet ist dies einerseits dem Paradoxon, dass die Liga trotz radikal unterschiedlicher wirtschaftlicher Voraussetzungen der einzelnen Klubs sportlich immer ausgeglichener wird, wie eine Studie des Weltverbands IIHF aus dem Jahr 2011 belegt, welche die EBEL in Sachen sportlicher Balance als Nummer drei in Europa reiht. Andererseits trägt auch die fortschreitende Professionalisierung vor allem kleinerer Vereine in der Liga dazu bei, dass der Heimvorteil stetig kleiner wird: Statt mit nach stundenlangen Busfahrten schweren Beinen in ein Gastspiel zu starten, reisen immer mehr Teams schon am Vortag zu Spielen an oder begeben sich im Falle mehrerer Auswärtspartien am Stück überhaupt auf "Roadtrip" ohne dazwischen nach Hause zurückzukehren.

Das wichtige erste Tor

Während der Heimvorteil in der Erste Bank Eishockey Liga also eine zunehmend untergeordnete Rolle spielt, tritt eine andere statistische Auffälligkeit immer stärker in den Vordergrund. In der laufenden Spielzeit wurden 203 der bisher ausgetragenen 294 Begegnungen - gut 69 Prozent - von jenem Team gewonnen, das mit 1:0 in Führung ging.
Wie wichtig es ist, den ersten Treffer einer Partie zu erzielen, weiß man nicht zuletzt beim Tabellenführer aus Wien, die Capitals gewannen 23 der 29 Spiele (79,2 Prozent), in denen sie als erstes Team anschreiben konnten. Gerät eine Mannschaft jedoch mit 0:1 in Rückstand, biegt sie damit in der Mehrzahl der Fälle schon früh in einer Partie auf die Verliererstraße ein: Kein einziges EBEL-Team konnte nach einem 0:1 mehr Siege feiern als es Niederlagen hinnehmen musste.

Am eindeutigsten ausgeprägt ist der spielentscheidende Charakter des ersten Tores - wenig überraschend - in Begegnungen mit Beteiligung des Tabellennachzüglers HC Innsbruck: 83,7 Prozent der Spiele, in welche die Tiroler involviert sind, gewinnt jene Mannschaft, die das 1:0 erzielt. Aber auch in mehr als drei Viertel der Partien von Székesfehérvár (77,6 Prozent), Salzburg und Znojmo (je 75,5) hat der Eröffnungstreffer spiel(vor)entscheidende Bedeutung. Exemplarisch die Werte des Millionenteams von Red Bull: 18 Siege und sechs Niederlagen wenn 1:0 in Führung, sechs Siege und 19 Niederlagen wenn 0:1 in Rückstand.

Kleines Minus bei den Zuschauerzahlen

69 Prozent der Spiele in der Erste Bank Eishockey Liga werden von jener Mannschaft gewonnen, die das 1:0 erzielt, in nur noch 57,5% der Partien setzt sich der Gastgeber durch. Parallel zum schwindenden Heimvorteil sanken 2012/13 bisher auch die Zuschauerzahlen leicht. Zwar konnte bereits Ende Januar in Runde 47 der einmillionste Hallenbesucher in der EBEL begrüßt werden, der Schnitt pro Spiel liegt derzeit (3.587) aber ein knappes Prozent unter jenem des letztjährigen Grunddurchgangs. Sechs der zehn Teams, die schon im Vorjahr dabei waren, konnten ihren Zuschauerschnitt steigern, damit den mäßigen Zuspruch der Fans an den neuen Standorten Dornbirn (2.348) und Innsbruck (1.721) jedoch nicht kompensieren. Die größte Steigerung verzeichnen, wesentlich begünstigt durch das Kurzzeit-Engagement von Thomas Vanek, die Graz 99ers (plus 47,6 Prozent). Am meisten Fans verloren hat mit einem Minus von knapp acht Prozent Medveščak Zagreb, wenngleich der Zuschauerschnitt der Kroaten (8.132) unverändert das Maß aller Dinge in der Liga darstellt. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 3.2.2013)

  • Der Anteil an Heimsiegen erreichte in der bisherigen Saison 2012/13 einen neuen Tiefpunkt.
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Der Anteil an Heimsiegen erreichte in der bisherigen Saison 2012/13 einen neuen Tiefpunkt.

  • Klub für Klub: Anteil der gewonnenen Spiele nach einer 1:0-Führung
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Klub für Klub: Anteil der gewonnenen Spiele nach einer 1:0-Führung

  • Klub für Klub: Anteil der verlorenen Spiele nach einem 0:1-Rückstand
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Klub für Klub: Anteil der verlorenen Spiele nach einem 0:1-Rückstand

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