Französische Armee fliegt Luftangriffe nördlich von Kidal

3. Februar 2013, 14:28
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Bamako/Paris/Wien - Die französische Armee hat in der Nacht auf Sonntag nach eigenen Angaben umfangreiche Luftangriffe im Norden der malischen Stadt Kidal geflogen. Die Bombenangriffe zielten auf logistische Einrichtungen und Ausbildungsstätten der Islamisten, wird ein Sprecher der Armee von französischen Medien zitiert. An der Aktion sollen 30 Flugzeuge beteiligt gewesen sein.

Der Flughafen von Kidal im Nordosten Malis war vor wenigen Tagen von der französischen Armee aus der Hand der Rebellen zurückerobert worden. Davon war die malische Seite nach eigenen Angaben nicht informiert. Am Samstag kämpften malische Einheiten nach den Angaben in der Stadt gegen die Islamisten. Frankreich kämpft zusammen mit malischen Regierungstruppen seit drei Wochen gegen Islamisten im Norden den Landes.

Der malische Außenminister Tieman Hubert Coulibaly erklärte in einem Interview mit dem "Journal du Dimanche", seine Regierung wünsche eine Fortsetzung des französischen Militäreinsatzes. Nachdem das Voranschreiten der "Terroristen" gestoppt und drei große Städte im Norden befreit worden seien, werde die "Operation Serval" den Vormarsch malischer und afrikanischer Truppen in das Gebiet ermöglichen, sagte Coulibaly.

Kurzbesuch

Der französische Präsident Francois Hollande hat seinen siegreichen Truppen in Mali einen Kurzbesuch ab und wurde dabei von Tausenden Menschen in Timbuktu als Befreier gefeiert. Die historische Wüstenstadt war erst vor einer Woche von französischen und malischen Truppen aus der Hand islamischer Extremisten zurückerobert worden. Hollande betonte während des eintägigen Aufenthalts am Samstag, Frankreich wolle Mali auch künftig beistehen. "Wir sind an Ihrer Seite", sagte der Präsident in der Hauptstadt Bamako. Der Einsatz der französischen Armee sei eine Verpflichtung gewesen, um "Menschlichkeit, Integrität und Stärke" in dem Land wiederherzustellen.

Gleichzeitig bekräftigte Hollande, Frankreich wolle nicht in Mali bleiben. Der Einsatz werde noch ein paar Wochen dauern. Ziel sei es aber, die Aufgabe an afrikanische Streitkräfte zu übergeben. Aktuell kämpfen rund 3.500 Soldaten zusammen mit malischen Regierungstruppen seit drei Wochen gegen Islamisten im Norden den Landes. Der Staatschef warnte vor Übergriffen nach einem Erfolg gegen die Islamisten. Es gehe um "Gerechtigkeit, nicht um Rache". Der malische Übergangspräsidenten Dioncounda Traore nannte das Verhalten seiner Armee "bis jetzt quasi beispielhaft". Mali werde Verstöße gegen Kries- oder Menschenrechte kompromisslos ahnden: "Keine Entgleisung, keine Repressalien, kein Missbrauch."

Deutsche wollen Flugzeuge entsenden

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen zum Schutz vor Völkermord, Adama Dieng, ist nach eigenen Angaben "tief besorgt über die Gefahr von Übergriffen gegen Tuareg und arabische Bevölkerung". Dieser Teil der malischen Bevölkerung fürchtet Racheakte der Armee. Gemeinsam mit Traore traf Hollande französische und malische Soldaten. Außerdem besuchte der Präsident kulturelle Zentren in Timbuktu, die von Rebellen beim Abzug zerstört worden waren. In Bamako traf sich Hollande mit Traore zu Gesprächen. Damit sollte nach dem Kampf gegen Terrorismus auch der politische Dialog vorangehen.

In Timbuktu signalisierte die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa Unterstützung der für Kultur zuständigen UN-Organisation. "Wir müssen jetzt schnell handeln, um das Land wieder aufzubauen und das einzigartige kulturellen Erbe zu bewahren", sagte Bokowa. Deutschland will rund 40 Militärausbilder nach Mali schicken. Das Kabinett werde die Beteiligung an der geplanten EU-Ausbildungsmission am 19. Februar beschließen, kündigte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) am Samstag an. Der Bundestag soll Ende Februar laut de Maiziere auch über die von Frankreich gewünschte Bereitstellung von Tankflugzeugen entscheiden. (APA, 3.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    François Hollande in Mali.

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