Kopf voran ist tabu

8. Februar 2013, 20:00
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Helm tragen, richtig bremsen, beim Hinaufgehen die Außenkurven meiden: Eine Sicherheitsexpertin erklärt, worauf man beim Rodeln achten sollte

Den Wind im Gesicht, den Schnee unter den Kufen, das Vergnügen der Geschwindigkeit spüren - Rodeln macht einfach Spaß. Und ist leider nicht ganz ungefährlich. In den letzten fünf Jahren verletzten sich laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit auf hiesigen Hängen und Rodelbahnen 5.100 Menschen - offiziell. Die Dunkelziffer dürfte freilich höher sein. In der Wintersaison 2011/2012 war in Tirol sogar ein Todesopfer zu beklagen.

Helm ist Pflicht

Die Hälfte der Verletzungen beim Rodeln sind Knochenbrüche, davon betrifft ein knappes Viertel die unteren Extremitäten, also etwa Knie, Fußgelenk, Ober- und Unterschenkel. "Gehirnerschütterungen machen zehn Prozent der Verletzungen aus", sagt Alexandra Kühnelt-Leddihn, Projektleiterin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). "Darum ist ein Helm Pflicht - vor allem bei Kindern." 

Generell ließen sich mindestens 60 Prozent der unfallbedingten Verletzungen durch vorbeugende Maßnahmen vermeiden. Welche Gedanken sollte sich also machen, wer mit Kindern rodeln gehen möchte?

Je steiler, desto Rodel

Die Entscheidung, ob man den Berg mit Bob oder Rodel bezwingt, sollte vom Gebiet abhängen, sagt Alexandra Kühnelt-Leddihn. Die Formel lautet: Je steiler, desto Rodel. "Bei flachen Hängen sind Bobs in Ordnung. Auf Rodelstrecken sollte man Rodeln nehmen, weil die durch die Kufen Führung haben, da greifen Bobs nicht." Runde Rodelteller sind überhaupt nur bei ganz flachen Hängen zu empfehlen, weil damit das Lenken praktisch unmöglich ist.

Unabhängig vom Gefährt sollten Kinder, die noch nicht stabil sitzen können, keinesfalls alleine hinunterfahren. "Bei kleineren Kindern und auf Rodelbahnen sollte eine erwachsene Person hinter dem Kind sitzen, die über das Kind hinweg steuern kann", sagt Kühnelt-Leddihn. "Denn Kinder nehmen sehr viel schneller Fahrt auf. Bei Rodelhängen ist daher wichtig, dass es unten viel Platz und viel Auslauf gibt."

Bremsen mit dem ganzen Fuß

Kinder sollten niemals mit dem Kopf voran auf der Rodel liegen, denn aus dieser Position ist das Bremsen fast unmöglich. Für wirkungsvolles Bremsen und Lenken sind feste Schuhe mit gutem Profil ein Muss. "Bremsen sollte man aber nicht mit den Fersen, sondern mit den gesamten Fußsohlen", so Kühnelt-Leddihn. "Damit erzeugt man mehr Reibung."

Vor allem mit kleineren Kindern sind Rodelstrecken ideal, bei denen Abfahrt und Aufstieg nicht auf derselben Strecke verlaufen. So kommt man dem Gegenverkehr nicht in die Quere. "Lässt sich das nicht vermeiden, sollte man vor allem beim Aufstieg in den Kurven an der Innenseite gehen", rät die Sicherheitsexpertin. "So vermeidet man Zusammenstöße mit herabfahrenden Rodlern, die es weit in die Kurve hineintreibt." (red, derStandard.at 4.2.2013)

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