Bruderduell und Hühnerleid

2. Februar 2013, 21:16
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San Francisco 49ers und Baltimore Ravens spielen im NFL-Finale - Trainer sind die Geschwister Jim und John Harbaugh - Eltern plädieren für ein Unentschieden

Jack und Jackie Harbaugh hatten den Saal voll im Griff. Da, wo normalerweise die wichtigsten Football-Spieler und Trainer von den Journalisten mehr oder weniger kritisch befragt werden, gab das rüstige Ehepaar deutlich den Ton an. "Weeeeeer hat es besser als wir?", rief Jack in die überraschte Meute. "Nieeeeeemaaand!", erwiderte Jacki und gab sich erst zufrieden, als alle brav mitschrien.

Jack und Jackie, beide in den Siebzigern, sind die Eltern von John und Jim Harbaugh. Die Trainer der San Francisco 49ers (Jim) und Baltimore Ravens (John) werden in der Super Bowl der amerikanischen Profiliga NFL in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr, live Sat 1 und Puls 4) mit dem ersten Bruderduell an der Seitenlinie Geschichte schreiben. Für die US-Medien sind Jack, Jackie, John, Jim und auch Tochter Joani freilich ein gefundenes Fressen.

Längst ist die Super Bowl die "Bro-Bowl oder "Har-Bowl", US-Kolumnist Steve Politi twitterte schon nach den Conference-Finale: "Hi, ist da Jack Harbaugh? Ja, hier sind die Medien - alle 10.000 von uns. Können wir vorbeikommen und eure Familienalben sehen?"

Die Brüder spielen den Zweikampf, der früher nur im Kinderzimmer stattfand, herunter. "Ich denke, es wird schon ein bisschen emotionaler sein", sagte John: "Nach dem Spiel können wir dazu mehr sagen." Die vor Stolz platzende Mutter Jackie hatte schon in den vergangenen Wochen eine Regeländerung angeregt. "Ich finde, wenn es am Ende unentschieden steht, sollte es einfach so bleiben."

Die Quoten

Ein Team aber muss und wird auch im Superdome von New Orleans gewinnen. Wer, darüber streiten sich naturgemäß Millionen Experten. Für den Sportwettenanbieter Bwin sind die 49ers mit einer Quote von 16:10 der Favorit im Duell gegen den 2000er-Champion aus dem Bundesstaat Maryland (24:10). San Francisco will mit aller Macht an die erfolgreiche Zeit der eigenen Legenden aus den 1980er und 90er Jahren anknüpfen und vertraut beim Griff nach dem sechsten Titel auf Quarterback-Shootingstar Colin Kaerpernick, der auf dem besten Weg ist, einen neuen, laufintensiveren Stil der Spielmacher populär zu machen. Baltimores Linebacker-Legende Ray Lewis wird im letzten Spiel seiner Karriere alles dafür tun, damit Kaerpernick so selten wie möglich auf den Beinen steht.

Lewis' Laufbahn schien nach einem Riss der Trizepssehne im Oktober bereits beendet. Nach einer Wunderheilung, bei der ihm der Gebrauch einer von der NFL verbotenen Substanz vorgeworfen wurde, lief der 37-jährige Linebacker in der K.-o.-Phase noch einmal zur Höchstform auf. 44 Tackles - kein Spieler hat den Gegner im Playoff öfter zu Boden gebracht als der unumstrittene Chef der Ravens-Defense.

Lewis reagierte auf die aufgewärmten Dopingvorwürfe mit einem seligen Lächeln. "Warum ich grinse? Weil diese Geschichte so absurd und lustig ist. Ich habe nie etwas genommen. Die wollen mein Team und mich nur aus dem Tritt bringen. Das ist ein Trick des Teufels. Der Trick ist zu töten, zu stehlen und zu zerstören. Er kommt, um dich von allem abzuhalten, was du erreichen willst. Aber der Trick misslingt."

Die Stimme

Fast ein Politikum ist der Auftritt von Pop-Diva Beyonce Knowles. Die 31-Jährige erklärte zuletzt, dass sie "absolut live" singen wird, wenn sie in der legendären Halbzeit-Show auftritt. "Ich bin geboren, um live zu singen", sagte sie. Wegen des NFL-Finales hatte sogar der Präsident das Nachsehen.

Bei der Amtseinführung von Barack Obama am 21. Jänner kam Beyonces Stimme vom Band. Sie konnte sich vorher nicht ausreichend vorbereiten, " ich musste für die Super Bowl üben", sagte sie zur Rechtfertigung. Das Popsternchen wird auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass in der Pause noch mehr als die für das eigentliche Spiel erwarteten 180 Millionen Zuschauer den Fernseher einschalten. Entsprechend teuer sind die Werbespots während des Weltereignisses: 30 Sekunden kosten die rund 30 Marken umgerechnet je 2,7 Millionen Euro.

Jennifer Hudson (31) wird gemeinsam mit Schülern der Sandy Hook Volksschule aus Newtown auftreten. Bei einem Amoklauf an der Schule waren im vergangenen Dezember 20 Kinder und sechs Erwachsene getötet worden. Hudson wird den patriotischen Song "America the Beautiful" singen, die Schüler bilden den Chor. Geplant ist, dass Hudson in der Show vor dem Spiel auftritt, kurz bevor Alicia Keys die US-Nationalhymne intoniert.

Der Konsum

Die Super Bowl ist traditionell eine grausige Veranstaltung für Hühner. Das "National Chicken Council", frei übersetzt der Rat der Henderln (so etwas gibt es tatsächlich), versprach für das Wochenende 1,2 Milliarden (!) Chicken Wings - vier Stück für jeden US-Bürger. (sid, red, DER STANDARD, 2./3.2.2013)

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    Die Gebrüder Harbaugh, John und Jim, coachen die Finalteams

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