Das Land am Nil bangt wieder um seine Touristen

2. Februar 2013, 12:00
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Wegen der Unruhen in Kairo und anderen Städten steht die ägyptische Tourismusbranche erneut massiv unter Druck

Vor allem am Roten Meer hofft man aber auf eine Erholung der bisher sehr schlechten Buchungslage - denn dort ist es ruhig.

Die ägyptischen Medien beschreiben dieser Tage die Folgen der Unruhen auf die Tourismusindustrie des Landes gern mit knackigen Schlagworten wie "klinisch tot" oder "Beerdigung". Zur prekären Lage passend hat der zuständige Minister die Bekanntgabe der Zahlen für das vergangene Jahr auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Prognosen für das laufende Jahr hätte er wohl kräftig nach unten revidieren müssen. Bisher war für 2013 mit ähnlichen Werten wie im Rekordjahr 2010 gerechnet worden, als 14,1 Millionen Gäste für umgerechnet 9,2 Milliarden Euro an Einnahmen sorgten. Für 2012 liegen die Schätzung bei elf Millionen Touristen und 7,4 Milliarden Euro an Deviseneinnahmen.

In den vergangenen Tagen hatten Kriminelle zwei große Luxushotels in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo überfallen und teilweise geplündert; die Gäste wurden evakuiert und der Betrieb vorübergehend eingestellt.

Mittlerweile, so berichten Medien, sind viele Touristen aus Ägypten vorzeitig abgereist oder stornieren ihre Trips. Damit hat die Gefahr eine neue wirtschaftliche Qualität erreicht, die mit politischen Protesten nichts zu tun hat. Schon bisher ließ die Auslastung von Hotels der gehobenen Klasse zu wünschen übrig: Sie habe in den zwei Jahren seit der Revolution nie mehr als 30 Prozent betragen, erklärte ein Hotelmanager einer ägyptischen Zeitung. Etliche Regierungen und Firmen warnen vor Reisen nach Kairo. Das österreichische Außenministerium weist auf ein "hohes Sicherheitsrisiko" hin - was noch nicht einer generellen Reisewarnung entspricht.

Neben der Hauptstadt leiden insbesondere die Touristenorte entlang des Nil-Flusses unter der Touristenflaute. Die Hotels in Luxor und Assuan sind teilweise nur zu fünf Prozent belegt. Manche haben den Betrieb gar eingestellt.

Von einem "klinischen Tod" will der Chef einer internationalen Hotelkette aber nicht sprechen. "Ein Strandurlaub in Ägypten kostet für Europäer nur die Hälfte einer Thailandreise", argumentiert er. Zudem hätten die Veranstalter inzwischen erkannt, dass es am Roten Meer ruhig sei. Die neuesten Berichte und Bilder aus Kairo und anderen Städte würden kaum zu Stornierungen von Strandurlauben führen. Das Problem sei vielmehr, dass Neubuchungen ausbleiben würden. Aber Reiseplanungen würden heutzutage ohnehin vermehrt nicht mehr Monate, sondern bloß Wochen oder gar Tage vor Urlaubsbeginn erfolgen. Das mache allerdings die Planung für die Tourismusbranche schwierig.

Das ägyptische Arbeitsrecht macht Entlassungen in der Branche fast unmöglich - und wenn, dann sind sie teuer. Daher kam es auch bisher kaum zu Kündigungen von festangestellten Mitarbeitern. Geschmälert sind allerdings deren Gehälter - und die Trinkgelder bleiben mancherorts überhaupt aus. Der Staat hat bisher kaum direkt geholfen, sieht man von Werbekampagnen und subventionierten Charter-Flügen ab. (Astrid Frefel aus Kairo/DER STANDARD, 2.2.2013)

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    Der Sphinx von Giza wird von immer weniger Touristen geküsst.

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    Kutscher und Händler von Souvenirs warten seit Tagen oft vergeblich auf Touristen. Die Lage in Kairo gilt als gefährlich.

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