Sitzkrieger auf Töchterpirsch

1. Februar 2013, 18:05
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Lustig: "Habe die Ehre" im Wiener Theater Nestroyhof

Wien - Der aus Syrien stammende Dramatiker Ibrahim Amir, ein angehender Mediziner, hat den Theaterkünsten eine neue Gattung geschenkt. Sein zum Brüllen komisches Stück Habe die Ehre nennt sich im Untertitel eine " Ehrenmordkomödie". Nicht auszudenken, wenn das im koproduzierenden Theater Hamakom uraufgeführte Beispiel Schule machte. Der heimische Theaterbetrieb würde sich vor Beschneidungsfarcen und Steinigungsschwänken kaum noch retten können.

Die Idee, aus der parallelgesellschaftlichen Lebenswelt einen Komödienstoff zu gewinnen, ist jedoch bestrickend. Das Team der "Wiener Wortstaetten" hat eine Sitcom-Landschaft in den Nestroyhof hineingebaut. Vor einem Prospektstreifen aus rotem Leder (Bühne: Renato Uz) haben sich Angehörige zweier Muslimfamilien wie trauernde Hinterbliebene versammelt. Die ins Hinterzimmer verbannte Tochter des Hauses war mit ihrem Liebhaber durchgebrannt. Der gehörnte Gemahl (Marcel Mohab) und sein femininer Schwager (Boris Popovic) geben vor, den Nebenbuhler ordnungsgemäß ins Jenseits befördert zu haben. Der rückenkranke Vater (Michael Smulik) würgt an seiner Schande herum wie an einer verdorbenen Nuss.

Papa beweist aber auch untrügliches Gespür für praktisches Handeln. " Also los, du wirst sie umbringen!", bedeutet er dem Sohn die Notwendigkeit, den Stein des Anstoßes - die missratene Tochter - aus der Welt zu schaffen. Die Frau Mama (Tania Golden), eine in zermürbenden Ehejahren aufsässig gewordene Sitzkriegerin, flennt los. Das Schwungrad der Komödie beginnt durchzudrehen. Die Pistole wandert als heiße Kartoffel zwischen den Beteiligten herum, zu allem Überdruss macht die Wiener Polizei ihre charmante Aufwartung.

Regisseur Hans Escher hat sich aus guten Gründen dazu entschlossen, Amirs frechem Komödienmachwerk keinen Rabatt einzuräumen. Das interkulturelle Anliegen besteht gerade darin, die übliche Betroffenheitsheuchelei beiseite zu wischen. Klappt vorzüglich. Der in den Unterlagen genannte Quentin Tarantino aber ist weit und breit nirgends zu sehen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 2./3.2013)

2., 6. bis 9., 13. bis 16.2.

www.wortstaetten.at

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