Asteroid "2012 DA14" wird mit dem Fernglas zu sehen sein

1. Februar 2013, 16:46
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"Rekord-Annäherung" am 15. Februar - Astronomen sehen keine Kollisionsgefahr

Wien - Es ist eine "Rekord-Annäherung", sagt Don Yeomans vom Near Earth Object Program der US-Weltraumagentur NASA. Am 15. Februar wird ein rund 45 Meter großer Asteroid in einer Entfernung von mindestens 21.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen. Das ist deutlich näher als die Satelliten im geostationären Orbit. Die Astronomen versichern aber, dass keine Gefahr einer Kollision mit dem Asteroiden "2012 DA14" besteht.

"Seit Beginn der regelmäßigen Himmelsdurchmusterung in den 1990er Jahren haben wir nie ein Objekt dieser Größe gesehen, das der Erde so nahe kommt", so Yeomans in einer NASA-Aussendung. Immerhin beträgt seine Distanz zur Erde nur knapp ein Zehntel der Entfernung Erde-Mond. Er wird damit zwischen den geostationären Satelliten und jenen, die im "Low Earth Orbit" zwischen 200 und 1.500 Kilometern die Erde umkreisen, hindurch zischen.

Umlaufbahn und Masse

Der am 23. Februar 2012 entdeckte Asteroid wird nach Angaben von Thomas Posch vom Institut für Astrophysik der Universität Wien mit rund sechs Kilometern pro Sekunde (etwa 22.000 km/h) Relativgeschwindigkeit zur Erde an dieser vorbeiziehen. Er kreist auf einem der Erdbahn ähnlichen Orbit in etwas mehr als einem Jahr um die Sonne.

Posch geht davon aus, dass der Asteroid aus Silikatgestein besteht und eine Masse von rund 130.000 Tonnen haben dürfte. "Spannend wäre es, den Asteroiden während seiner bevorstehenden Erdnähe spektroskopisch genauer zu untersuchen und so mehr Informationen über seine mineralogische Zusammensetzung zu erhalten", so Posch.

Apollo-Asteroiden

"2012 DA14" zählt zu den sogenannten Apollo-Asteroiden, das sind jene erdnahen Objekte, die die Erdbahn kreuzen können. Ursprünglich stammt er mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, wo mehr als 400.000 solcher Objekte erfasst sind. Durch Kollisionen und den Schwerkrafteinfluss der Planeten können einzelne Gesteinsbrocken aus diesem Gürtel in eine andere Umlaufbahn um die Sonne katapultiert werden.

Die Astronomen sehen keine Gefahr für eine Kollision des Asteroiden mit der Erde: Man kenne seine Bahn gut genug, um dies auszuschließen. Allerdings wird der Einfluss der Erdanziehungskraft die Bahn von "2012 DA14" deutlich verändern und etwa seine Umlaufzeit um die Sonne von derzeit 366 Tagen auf 317 Tage verkürzen, so Rudolf Dvorak vom Wiener Astronomieinstitut.

NASA-Experte Yeomans schätzt, dass ein derartiger Asteroid im Schnitt alle 40 Jahre an der Erde vorbei fliegt und durchschnittlich nur alle 1.200 Jahre auf der Erde ein derartiges Objekt einschlägt. Ein Himmelskörper dieser Größe würde in der Erdatmosphäre nicht mehr verglühen und beim Einschlag voraussichtlich einen Krater von 300 bis 500 Metern Durchmesser erzeugen, sagte Posch. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass beim sogenannten "Tunguska-Ereignis" im Jahr 1908 ein Asteroid etwa in der Größe von "2012 DA14" knapp über dem Erdboden in Sibirien explodiert ist und auf Hunderten Quadratkilometern Bäume umgeknickt hat.

Beobachtungsmöglichkeit

Am Abend des 15. Februars wird man den Asteroiden sogar mit einem Fernglas verfolgen können. Laut Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) wird das Objekt nach derzeitigen Bahndaten von Wien aus gesehen um etwa 20.38 Uhr im Ostsüdosten aufgehen und sich zunächst sehr rasch durch die Sternbilder Jungfrau und Haar der Berenike bewegen. Die Astronomen erwarten eine Helligkeit, die in etwa jener des Planeten Neptun entspricht. "2012 DA 14" wird sich sehr schnell über den Nachthimmel bewegen - immerhin pro Minute um etwa den eineinhalbfachen Vollmonddurchmesser - und damit gut vor dem Sternenhintergrund erkennbar sein. Er wandert durch das Sternbild der Jagdhunde nach Norden in den Großen Bären, wo er nach 23 Uhr langsam wieder entschwindet.

Weitere Annäherungen

Am 13. April wird ein Asteroid namens 2010 GM23 der Erde etwas näher kommen als der Mond. Entwarnung gibt es auch für die für das Jahr 2029 ursprünglich gefürchtete Kollision der Erde mit dem Asteroiden "(99942) Apophis". Die NASA hat kürzlich neue Berechnungen vorgelegt, wonach die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes unter eins zu einer Million liege. Der immerhin 325 Meter große Apophis werde voraussichtlich in einer Entfernung von 30.000 bis 22.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen. (APA/red, derStandard.at, 1.2.2013)


Link
2012 DA14 - Earth Impact Risk Summary

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Programm

Die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie bietet am 15. Februar einen Vortragsabend mit Beobachtungsmöglichkeit bei Schönwetter, nur nach Anmeldung. Informationen und weitere Infos unter www.waa.at.

Im Rahmen einer vom Institut für Astrophysik und dem Institut francais de Vienne organisierten Astromomie-Vortragsreihe wird am 11. April um 19 Uhr Daniel Hestroffer vom Observatoire de Paris zum Thema "Gefahr für die Erde: Asteroiden, die uns nahe kommen", am Institut francais de Vienne referieren. Das gesamte Programm der Reihe unter: www.astronomie2013.at

  • Asteroid "2012 DA14" erreicht am 15. Februar seine größte Annäherung an die Erde. Kollisionsgefahr besteht keine.
    grafik: nasa

    Asteroid "2012 DA14" erreicht am 15. Februar seine größte Annäherung an die Erde. Kollisionsgefahr besteht keine.

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