Ein Botticelli für den Living Room

1. Februar 2013, 18:11
posten

Versierte Sammler und Kuratoren haben andere Ansprüche als neureiche Kunstjunkies - weltweit und auch in New York

Nicht immer hält, was auch versprochen wird: Sei es das Mehr an Sitzkomfort in der Business-Class, mit dem sich eine heimische Fluglinie gerne brüstet, oder auch der schöne und teils unberührte Zustand eines Kunstwerkes, das ein Auktionshaus in Aussicht stellte. Das eine entpuppte sich für Johann Kräftner eher als Pritschenliga, das andere über eine jüngere Restaurierung als allzu geschniegelt. Und zumindest in letzterem Fall kennt der Kurator der Liechtenstein-Sammlung kein Pardon.

Nach der Begutachtung von Pompeo Batonis Gemälde Susanna und die beiden Alten, das bis 1991 die Sammlung Harrach schmückte, revidierte er sowohl seine Preisprognose (bis zu 30 Millionen Dollar womöglich) als auch sein ursprüngliches Interesse. 1992 war das Meisterwerk mit dem Segen des Bundesdenkmalamts für etwa 40 Millionen Schilling (circa 2,9 Mio. Euro) in eine europäische Privatsammlung gewechselt. Nun buhlte es im Zuge der Altmeister-Auktion bei Sotheby's um die Gunst des Publikums. Dieses hielt sich in der Nacht auf Freitag jedoch dahingehend in Grenzen, als sich lediglich zwei Bieter dafür interessierten. Immerhin trieben diese den Wert in acht Minuten von 4,5 auf 10,1 Millionen Dollar, bei 11,39 (8,4 Mio. Euro) fiel der Hammer zugunsten eines anonymen Privatkäufers, der damit das Zehnfache des bisherigen Künstlerweltrekords bewilligte.

Anspruchsvolle Gelüste

In den Tagen davor hatte Christie's seine Köder ausgelegt, und zumindest an einem zappelte kurzfristig auch Kräftner: an einem 1574 von Scipione Pulzone gemalten Porträt, das zum Leidwesen des Kurators weit über die angesetzte Taxe von 1,5 bis 2,5 Millionen bis auf 7,58 Millionen Dollar getrieben wurde.

Der Rest hatte in ihm gar nicht erst Besitzergelüste geweckt, er habe, lässt er durchblicken, eben andere Ansprüche - als Hedgefondmanager, die nun ihre Boni verprassen, oder auch neureiche Kunstjunkies, möchte man ergänzen. Ein Botticelli für den Living Room und ein Fra Bartolommeo für den Salon? Kein Problem, Christie's hielt solche Trophäen in einer auf die Kunst der Renaissance fokussierten Sonderauktion bereit: Botticellis Andachtsbild, entsprechend seinem legendären Vorbesitzer auch " Rockefeller-Madonna" genannt, generierte Interesse seitens nordamerikanischer, asiatischer und europäischer (in diesem Fall russischer) Klientel, wie Nicolas Hall, Ko-Chairman des Altmeister-Departments im Anschluss an die Auktion resümierte.

440.000 Dollar hatte der jetzige Einbringer Christie's 1992 für das Gemälde gezahlt, aktuell hatte man die Erwartungen mit höchstens sieben Millionen beziffert. Für etwa die Hälfte, plaudert Kräftner aus dem Nähkästchen eines Brancheninsiders, habe Simon Dickinson, der in London ansässige Altmeisterhändler, dieses Werk zuletzt vergeblich offeriert. Mit 10,44 Millionen Dollar rangiert es nun an der Spitze der bislang in der Auktionsbranche verzeichneten Botticelli-Preise. Den höchsten Zuschlag des Abends notierte Christie's bei 12,96 Millionen für Fra Bartolommeos Tondo Madonna und Kind. (kron, Album, DER STANDARD, 2./3.2013)

  • Seit 1999 gelangten nur sieben Gemälde von Baccio della Porta, genannt Fra 
Bartolommeo, über Auktionen auf den Markt. Das achte, dieses Tondo mit Madonna 
und Kind, markiert mit 12,96 Millionen Dollar nun den neuen Künstlerweltrekord.
    foto: christie's

    Seit 1999 gelangten nur sieben Gemälde von Baccio della Porta, genannt Fra Bartolommeo, über Auktionen auf den Markt. Das achte, dieses Tondo mit Madonna und Kind, markiert mit 12,96 Millionen Dollar nun den neuen Künstlerweltrekord.

Share if you care.