"Brauchen mehr Role-Models"

3. Februar 2013, 18:40
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"Klug wie Papa" und "hübsch wie Mama": Hochrangige Frauen diskutierten in Davos, wo Stereotype kleben und wie sie aufzulösen sind

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben Frauen in den vergangenen Jahren in kleinen Nebenräumlichkeiten Gender-Themen erörtert, heuer gehörten ihnen die Hauptbühnen. Der große Saal war zwar nicht gesteckt voll, aber gut gefüllt, als einige Spitzenrepräsentantinnen über die Frage diskutierten, wie es mehr Frauen in Führungspositionen schaffen. " Normalerweise bekommen Frauen solche Jobs, wenn es verlorene Fälle sind, jemand Pleite gemacht hat oder gedacht wird, hier werde ohnehin nur für den Papierkorb gearbeitet", sagte Christine Lagarde. Ob sie damit eigene Erfahrungen wiedergibt, darauf ging die Chefin des Internationalen Währungsfonds nicht ein.

Dabei sparten Lagarde und die anderen Diskussionsteilnehmerinnen nicht mit sehr persönlichen Erfahrungsberichten und gaben praktische Ratschläge: Als ihre Kinder klein gewesen seien, habe sie sich als Anwältin entgegen den Vorgaben ihrer Kanzlei an Mittwochnachmittagen freigenommen, weil da die französischen Schulen geschlossen gewesen seien. "Raten Sie einmal, wer sich beschwert hat: niemand. Weil ich meine Aufgaben trotzdem pünktlich erledigt habe."

Auch Facebook-Chefin Sheryl Sandberg erzählte, sie verlasse, seit sie ihr erstes Kind bekommen habe, fast jeden Tag um 17.30 Uhr das Büro. " Ich gehe einfach."

Nach Ansicht der Vizepräsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, müsse es mehr "Role-Models" geben, und sie verlangte Applaus für Lagarde - der prompt folgte. Die Luxemburgerin verteidigte ihr auf den Weg gebrachtes Gesetz, das Unternehmen in der EU vorschreibt, Frauen bei gleicher Qualifikation in Führungsetagen aufzunehmen, bis ein Anteil von 40 Prozent erreicht sei. Seither bewege sich etwas. Als sie nur appellierte, sei nichts passiert.

Die Ziele erneut verfehlt

Die Veranstalter in Davos bemühen sich, das selbstgesteckte Ziel von 25 Prozent Frauenanteil zu erfüllen - heuer allerdings wieder vergeblich. Nur 17 Prozent der Teilnehmer sind weiblich, der gleiche Wert wie im Vorjahr. Dabei bekommen Unternehmen eine Eintrittskarte gratis, wenn sie nach vier Männern auch eine Frau für das Forum nominieren.

Reding geht davon aus, dass wegen der rasch alternden Bevölkerung mehr junge Universitätsabsolventinnen eine Chance bekommen, weil sie die entstehende Lücke schließen können. Es liege aber auch an den Frauen, sich stärker einzubringen, meint Sandberg. Sie schilderte ihre Erfahrungen an der Spitze von Facebook, dass immer wieder Männer zu ihr kämen und nach einem neuen Job verlangten. Frauen kämen gar nicht. Und wenn sie eine Kollegin wegen einer neuen Aufgabe direkt anspreche, sei die Antwort meist: Eigentlich möge sie ihren jetzigen Job. "Meine Antwort ist dann: Sag das nie, nie wieder."

Vieles liege an den Stereotypen, meinte Sandberg und schilderte T-Shirts, die in den USA verkauft werden: "Klug wie Papa" und "Hübsch wie Mama" stehe drauf. "Gegen diese Stereotype müssen wir offensiv ankämpfen", forderte Sandberg.

EU-Kommissarin Redings Hoffnung für die Zukunft: "Es geht nicht mehr darum, wie Frauen in Führungsposition aussehen, sondern was sie tun." (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, 2./3.2.2013)

  • Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde.
    foto: wef/swiss-image

    Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde.

  • Facebook-Chefin Sheryl Sandberg.
    foto: wef/swiss-image

    Facebook-Chefin Sheryl Sandberg.

  • Viviane Reding, Vizepräsidentin der EU-Kommission.
    foto: wef/swiss-image

    Viviane Reding, Vizepräsidentin der EU-Kommission.

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