Was hat neben iOS und Android noch Platz?

2. Februar 2013, 13:05
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Neue Betriebssysteme wie Sailfish oder Firefox OS haben einen harten Kampf vor sich - iOS-User würden eher zu Android wechseln

Betrachtet man sich die Verteilung der mobilen Betriebssysteme im Moment an, könnte man annehmen, dass neben Android und iOS kaum noch Platz für Neues ist. 2012 alleine hatte Android weltweit einen Marktanteil von 68,4 Prozent. Samsung war dabei der größte Produzent an Android-Geräten. Apples iOS-Plattform hingegen hatte laut Strategy Analytics einen weltweiten Marktanteil von 19,4 Prozent. 12,2 Prozent entfallen auf alle anderen Plattformen.

Androids Siegeszug

Erstaunlich ist das Wachstum vor allem von Android, das in den letzten Jahren massiv zugenommen hat. Dies lässt sich unter anderem durch die massive Bandbreite an Smartphones und die damit unterschiedlichen Preiskategorien erklären. Zahlreiche Hersteller wie Samsung, HTC, LG oder Sony setzen seit Jahren auf das Google-Betriebssystem. Ihre Produktpalette für Android-Smartphones ist in den meisten Fällen so umfangreich, dass es für fast alle Anforderungen und Use Cases ein passendes Handy gibt. Zwar soll Android nicht mehr in dem Ausmaß steigen, in denen das Wachstum in den letzten Jahren verzeichnet werden konnte, doch die Spitze der Smartphone-Charts wird das Betriebssystem wohl noch einige Zeit lang halten. 

iOS schlägt sich gut

iOS hingegen hat sich seit 2007 am Markt gehalten, wurde jedoch nach und nach von Android-Geräten verdrängt. Doch obwohl "nur" etwa jedes fünfte Smartphone auf der Welt ein iPhone ist, hat sich der Technologiekonzern aus Cupertino gut geschlagen, wenn man bedenkt, dass die Produktpalette eine deutlich kleinere ist. In den USA hat Apple jüngst sogar die Verkaufszahlen von Samsung-Telefonen überholt.

Anforderungen zu 90 Prozent erfüllt

Smartphone-User haben verschiedene Ansprüche an Betriebssysteme. Es gibt diejenigen, die ein einfaches, komfortabel zu bedienendes Smartphone bevorzugen. Auf der anderen Seite ist es Usern wichtig, ein offenes System zu haben, mit denen sie viele Möglichkeiten haben. Dazwischen gibt es noch eine Bandbreite an anderen Anforderungen, die ein Smartphone-User an ein Betriebssystem hat - ähnlich wie bei Desktop-Systemen. Es scheint, als ob Android und iOS diese Anforderungen in fast 90 Prozent der Fälle abdecken. 

iOS und Android am Vormarsch

iOS-User schätzen die Benutzerfreundlichkeit der Geräte und die schnellen Updates. Die Geräte sind zwar vergleichsweise teuer, im jüngsten Vergleich mit High-End-Androiden jedoch konkurrenzfähig. Die User der Google-Plattform schätzen vor allem die Offenheit des Systems und die Vielfalt an technischen Spezifikationen. Wechselt der User die Plattform, so passiert das auch oft innerhalb dieser beiden Systeme. Wie kann es unter solchen Voraussetzungen überhaupt möglich sein, ein neues Betriebssystem auf diesem von Apple und Google dominierten Markt zu etablieren?

Beide Systeme mit dem "Will-haben-Effekt"

Um diese Frage zu beantworten, sollte man auf die Einführung von iOS und Android zurückblicken und fragen, was damals passiert ist. Das iPhone kam zu einer Zeit, als sich "Internet-Handys" langsam anfingen zu etablieren. Handynutzer wusste, dass es möglich war, E-Mails am Handy zu lesen oder Internetseiten - die noch keine mobile Strategie hatten - anzusurfen. Mit dem iPhone kam etwas völlig Neuartiges: Ein Handy, das ohne Tasten auskommt, auf Berührung reagiert und auch noch mit "Apps" läuft - dies geschah dann 2008. Anwendungen, die in einem eigenen Store heruntergeladen werden konnten, haben den User dazu verleitet, nicht nur Geld auszugeben, aber sein Smartphone vor allem individuell auf seine Bedürfnisse anzupassen. Als Google mit dem Android-System auf den Markt ging, waren die Reaktionen ähnliche. Zwar gab es das Konzept der Touch-Telefone schon, doch ein so offenes Smartphone-System wie bei Google gab es noch nicht. Apples iPhone war für viele zu "verschlossen", zu sehr von Apples Politik dominiert und angetrieben. Die Leute wollten eigene Tools auf ihre Smartphones installieren, sie wollten sich nicht vorgeben lassen, wie sie mit ihrem Handy umgehen sollten und wie es zu funktionieren hat. 

Kein Killer-Feature

Zusätzlich gab es auf beiden Plattformen Apps und Funktionen, die es auf dem anderen nicht gab. Auf dem einen waren es Spiele, auf dem anderen Systemanwendungen oder Google-Dienste. Die Welt war, wenn es nach Smartphones geht, zweigeteilt. Das Problem für die anderen großen Technologiekonzerne wie Microsoft, RIM oder Nokia war: Sie haben den Anschluss verpasst, zu lange gewartet. Die Zyklen der Produkte wurden immer kleiner, die User wollten schneller immer bessere, schnellere, leichtere Geräte. Als Änfänger in dieser Branche hatte man zu diesem Zeitpunkt vorweg ein schlechtes Standbein. "Besser spät als nie" sagt das Sprichwort, doch das Hauptproblem neben der zu langen Wartezeit ist für die anderen Systeme nach wie vor der Mangel an einem Killer-Feature.

Die Kernfrage

Microsoft hat mit Windows Phone 8 gezeigt, dass die Benutzeroberfläche sich nicht den Regeln von Google und Apple fügen muss. Smartphones wurden endlich wieder bunt, Fonts endlich wieder groß und die Verbindung von Microsoft-Diensten funktionierte einwandfrei. Doch die Kernfrage, die man sich hier stellen musste, war: Was bewegt einen iOS- oder Android-User, auf Windows Phone 8 umzusteigen? Diese Frage mag zwar für einzelne einfach zu beantworten sein, doch in der Masse sprechen die Zahlen für sich: Windows Phone 8 hat es mindestens genauso schwer, sich auf dem Markt zu etablieren, wie all seine neuen Konkurrenten. 

Der Kampf ums Überleben

BlackBerrys neuer Versuch, einen Fuß am Markt zu fassen, wird von dieser Frage ebenfalls geprägt sein. Zwar gab es die "Business-Smartphones" vor etlichen Jahren schon - mit Tastatur und eigenen Messaging-Diensten, die Berufstätigen schon in Zeiten vor dem iPhone gute Dienste geleistet haben. Der Aufstieg der Betriebssystem-Giganten iOS und Android konnte aber auch durch Versuche, die Business-Kunden zu halten, nicht verhindert werden. BlackBerry10 hat in den ersten Tests gute Noten bekommen. Das System hat eine neue Herangehensweise der Bedienung, doch es fehlt der entscheidende "Muss-ich-haben-Effekt", der oft von iPhone und Android ausgelöst wurde. Die Börse reagierte trotz guter Kritiken in Tech-Blogs negativ auf das neue System: Die Aktie ist erneut gesunken.

Immer schwieriger

Auch neue, offene Systeme wie Sailfish oder Firefox OS wollen sich behaupten. Dass diese gerade bei Freunden von Open Source Software gut ankommen werden, ist anzunehmen. Aber ob die Systeme für die Masse das liefern können, was schon Riesen wie Microsoft und BlackBerry schwer schaffen, ist fraglich. 

Glaubenskrieg

Der WebStandard hat iOS- und Android-User in einer kleinen Facebook-Umfrage gefragt, auf welche Plattform sie umsteigen würden, wenn sie es müssten. Von 170 Teilnehmern haben 65 teilnehmende iOS-User eher zu einem Wechsel zu Android tendiert, sofern es von ihnen verlangt würde. Erst danach würden iPhone-User zu Windows Phone greifen. Android-User hingegen, von denen 105 die Frage beantwortet haben, würden eher zu Windows Phone greifen. Erst an zweiter Stelle kommt hier iOS. Diese Gruppe würde aber auch eher zu Firefox OS oder Jolla greifen als die Gruppe der iOS-User. Wie man sieht, gibt es für andere Systeme also noch deutlich Spielraum. Diesen zu nutzen wird die nächste Aufgabe sein. Ob sich die Marktverteilung signifikant ändert, bleibt in den nächsten Monaten - oder Jahren - abzuwarten. Einige der Android-User geben an, nicht auf iOS umsteigen zu wollen, weil sie auf Apple "allergische Reaktionen" bekämen. Wie man sieht, ist der Smartphone-Krieg nicht nur unter den Konzernen ein großes Thema. Die Nutzung der Betriebssysteme ist mittlerweile auch ein Glaubenskrieg, der von Apple und Android deutlich dominiert wird. (iw, derStandard.at, 2.2.2013)

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    Android soweit das Auge reicht: Das Google-Betriebssystem führt nach wie vor die Spitze der Smartphone-Charts an

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