Krebs: Lebensstil als Risikofaktor

1. Februar 2013, 09:12
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Innsbrucker Team liefert wichtige Hinweise für die Effekte des Metabolischen Syndroms auf die Tumorentstehung

Innsbruck - Krebs ist eine komplexe Erkrankung, die von vielen Faktoren, wie familiärer Disposition, Alter, karzinogenen Substanzen, Virusinfektionen und/oder Lebensführung verursacht werden kann. Metabolische Risikofaktoren (Fettleibigkeit, Bluthochdruck, veränderte Blutfettwerte, Insulinresistenz) wurden im Zusammenhang mit Herz- Kreislauferkrankungen bereits gut untersucht. Über mögliche Korrelationen mit Krebserkrankungen gibt es bis heute jedoch nur wenige signifikante Belege. Ein seit 2006 etabliertes europäisches Forschungsprojekt mit Beteiligung der Medizinischen Universität Innsbruck wirkt diesem Informationsdefizit entgegen.

Im Rahmen des Me-Can (Metabolic syndrome and Cancer)-Projektes analysieren Forscher um Hanno Ulmer, interimistischer Leiter des Departments für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Norwegen und Schweden seit 2006 systematisch relevante Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und der Entstehung von Tumoren. Die statistischen Analysen basieren auf Daten von über 550.000 Erwachsenen die in den Jahren von 1972 bis 2006 in Österreich, Schweden und Norwegen gesammelt wurden. Der österreichische Datenbeitrag stammt dabei aus den vom Arbeitskreis für Vorsorge-Sozialmedizin im Rahmen des Vorarlberg Health Monitoring and Promotion Programmes (VHM&PP) seit über 20 Jahren systematisch dokumentierten Gesundenuntersuchungen.

Krebsrelevanter Faktor

In zwei kürzlich abgeschlossenen und veröffentlichten Arbeiten untersuchten die Innsbrucker Forscher Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und der Mortalität beim Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhaut, Anm.Red.) sowie zwischen dem Cholesterinspiegel und verschiedenen Krebserkrankungen.

"Die Lebensweise spielt eine wichtige Rolle bei der Mortalität des Endometriumkarzinoms", so der klinische Epidemiologe Michael Edlinger MSc.MSc vom Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie. In dieser Studie wurde der Zusammenhang verschiedener Lebensstil-Variablen wie Body-Mass-Index und Blutdruck mit dem Überleben beim Karzinom der Gebärmutterschleimhaut überprüft. Die Lebensstilfaktoren Body-Mass-Index und Gamma-Glutamyltransferase (GGT), ein im Blut messbarer Biomarker der Leber, konnten bereits in vorangegangenen Studien als signifikante Indikatoren für die Entstehung des Endometriumkarzinoms entlarvt werden.

Die aktuelle Studie liefert nun Belege, dass die GGT, nicht aber der Body-Mass-Index, auch mit dem Überleben zusammenhängt. "Neben bekannten Indikatoren wie Alter und histologischem Befund wurde darüber hinaus eine signifikante Assoziation des Überlebens der Krebspatientinnen mit dem Parameter GGT gefunden. Der Biomarker GGT kann - vor allem in Zusammenhang mit erhöhtem Alkoholkonsum bzw. Lebererkrankungen - als Lebensstil-Parameter interpretiert werden und war in der neuen Studie deutlich mit der Sterblichkeit assoziiert", sagt der korrespondierende Autor Georg Göbel.

Cholesterin und Krebs

Das Ziel der zweiten, im Rahmen des Me-Can-Projektes entstandenen Arbeit war es, einen möglichen Zusammenhang zwischen Cholesterinspiegel und Krebsentstehung zu untersuchen. Positiv signifikante Zusammenhänge von Cholesterin mit dem Auftreten von Krebserkrankungen konnten jedoch nicht beobachtet werden. Ein niedriger Cholesterinspiegel war allerdings mit einem signifikant höheren Risiko für Leberkrebs, Gallenblasenkrebs, Blutkrebs sowie Brustkrebs verbunden.

Dieser statistische Zusammenhang muss allerdings richtig interpretiert werden: "Ein Großteil der konstatierten negativen Zusammenhänge kann mit "reverse causation" erklärt werden. Das heißt: Cholesterin wird wahrscheinlich durch eine beginnende Krebserkrankung gesenkt, ist aber nicht auslösender Faktor einer Krebserkrankung", erklärt Ulmer.

Auch in früheren Analysen lieferte das Innsbrucker Team wichtige Hinweise für die Effekte des Metabolischen Syndroms auf die Tumorentstehung. "Personen, die die Faktoren Fettleibigkeit, Bluthochdruck, veränderte Blutfettwerte und Insulinresistenz in ihrem Krankheitsbild vereinen, zeigen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Nieren- und Leberkrebs sowie von gynäkologischen Tumoren", bestätigt Ulmer. Beim Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs sind es vor allem erhöhte Blutzuckerwerte, die zu diesen Erkrankungen führen können. Beim Darmkrebs und beim Endometriumkrebs ist es eher das Übergewicht, während für die Entstehung von Tumoren der Niere der Faktor Hypertonie relevant zu sein scheint.

"In Anbetracht zunehmender, auf der Basis groß angelegter Studien erbrachter, Nachweise von krebsrelevanten Zusammenhängen gewinnen Lebensstilfaktoren nicht nur für die Prognose, sondern auch für die Therapie an Bedeutung", erklärt Ulmer. Bewegung und Sport wirken sich dabei als Komponenten in Therapieprogrammen positiv auf den Krankheitsverlauf aus. (red, derStandard.at, 1.2.2013)

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