Big-Mac-Index: Das Burger-Orakel

26. Februar 2013, 10:10
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Der Big Mac ist eines der wenigen Produkte, die weltweit zu haben sind. Die Preise schwanken heftig und sagen einiges über Wechselkurse aus

Für viele ist er der fleischgewordene Traum. Mehr als das. Denn egal, in welchem der 140 Länder man den Big Mac der US-Fastfoodkette McDonald's ordert, er besteht immer aus Weizenbrötchen mit Sesam, 100 Prozent faschiertem Rindfleisch, Zwiebeln, Salzgurkenscheiben, Eisbergsalat, Cheddar-Schmelzkäse und Big-Mac-Sauce. Sieht also immer gleich aus und schmeckt auch so. Außer in Indien. In dem Land, in dem die Kuh heilig ist, wird statt Rindfleisch Hühnerfleisch kredenzt.

Eigentlich bietet sich der international streng genormte Doppeldecker geradezu als Wirtschaftsindikator an. Dachte sich zumindest das britische Wirtschaftsmagazin The Economist und erstellte im Jahr 1986 zum ersten Mal - ursprünglich augenzwinkernd - den Big-Mac-Index. Ein im Vergleich zu anderen Statistiken etwas abgespeckter Ansatz, um die weltweiten Kaufkraftunterschiede nachzuzeichnen. Bei der jährlich erscheinenden Studie werden die Preise für den Kult-Imbiss zunächst in unterschiedlichen Ländern in der jeweiligen Währung erhoben. Durch die Umrechnung zu dem zur Zeit herrschenden Wechselkurs in US-Dollar werden sie dann vergleichbar gemacht.

Die Theorie dahinter besagt, dass sich der Preis eines einzelnen Produktes weltweit angleicht und daher überall gleich sein sollte. Dadurch lässt sich aus dem Index leicht erkennen, wie sich Währungen langfristig entwickeln. Die praktische Übung dahinter: Schwankende Wechselkurse können Anleger nutzen. Denn kostet ein Big Mac in einem Land (in US-Dollar) mehr als in den USA gilt die entsprechende Währung als überbewertet.

1:0 für die Briten

Kleiner Exkurs: Von so manchem belächelt - zu simplifizierend, unnütz für den Kleinanleger - lehrte der Index 1999, im Jahr der Einführung des Euro, renommierte Ökonomen eines Besseren. Letztere meinten nämlich zu wissen, dass der Euro gegenüber dem Dollar zulegen würde. Der Big-Mac-Index hingegen wies eindeutig in die Gegenrichtung. Nämlich, dass die europäische Gemeinschaftswährung bereits überbewertet sei. Und die Briten behielten Recht - zumindest bis 2002.

Doch ans Eingemachte: Wie viele ganze Burger-Brötchen respektive Burger-Bröseln, kann man gemessen am US-Dollar in den unterschiedlichen Ländern kaufen?

Beim aktuellen Wechselkurs (Stand Juli 2012) kostet ein Big Mac in den USA 4,33 Dollar, während er in Russland bereits um 2,29 Dollar (75 Rubel) über die Theke geht. Zwei Burger und ein paar Zerquetschte sind im USA-Vergleich in Sri Lanka (2,21 Dollar je Stück) drin. Am günstigsten ist der pfundige Happen in Indien. Unter dem Namen Maharaja Mac und mit einem Preis von 1,58 Dollar ist die Rupie zu 63 Prozent unterbewertet, wie aus dem Index hervorgeht.

Am teuersten ist der Big Mac derzeit in Venezuela. Laut Index kostet er hier stolze 7,92 Dollar, der Bolivar gilt somit um 83 Prozent überbewertet. Auch Norwegen-Touristen müssen gesalzene Preise zahlen: 43 Kronen, umgerechnet 7,06 Dollar. Im August 2011 toppte der Preis für den US-Verkaufsschlager hier mit 8,31 Dollar (45 Kronen) sogar alle anderen Länder. Dass Dollars schneller schmelzen als Kalorien, zeigt sich auch in der Schweiz: Das wabbelige Brötchen ist mit umgerechnet 6,94 Dollar schon fast ein Luxusgut - der Schweizer Franken massiv überbewertet, nämlich um 52 Prozent.

Verzehrung durch Einheitsbrei

Freilich ist der Big Mac nur ein sehr grober Indikator und keineswegs der perfekte Warenkorb. Die Preise können durch Handelsbarrieren, Steuern, unterschiedliche Gewinnspannen, Personalkosten sowie Kosten für Immobilien verfälscht sein. Wettbewerbsverhältnisse werden überhaupt nicht berücksichtigt, ebenso wenig das Konsumverhalten. Denn es liegt nahe, dass der Burger in den USA deutlich beliebter ist als in vielen anderen Ländern, dass er für einen Teil der Menschheit Gebrauchsgut, für einen andern Luxus ist.

Zurück zum Zahlensalat: Im Schnitt kostet der Hamburger in Europa 3,58 Euro, umgerechnet 4,34 Dollar. Das entspricht fast punktgenau dem Preis in einer x-beliebigen US-McDonald's-Filiale. Überraschend sind die Daten aus Großbritannien: Hier ist das gute Stück mit 4,16 Dollar (2,69 Britische Pfund) günstiger als im Heimatland USA - die Kaufkraft des US-Dollars damit auf der Insel höher. Auffallend ist auch, dass die Big-Mac-Preise in den Emerging Markets deutlich unter dem Preis in den USA liegen, in China beispielsweise bei 2,45 Dollar. Der Yuan ist mit 43 Prozent demnach besonders unterbewertet und lässt seit Jahren die Rufe von US-Politikern nach einer Aufwertung lauter werden.

Gastspiel bei Starbucks

Günstig ist das gebratene Laberl im Brötchen auch für Reisende nach Hong Kong (2,13 Dollar), Südafrika (2,36 Dollar), Indonesien (2,55 Dollar), Mexiko (2,70 Dollar) oder Ungarn (3,48 Dollar). Und in Österreich? Hier konnten Konsumenten zum "nicht kartellierten unverbindlichen Richtpreis um 3,19 Euro" in einen Big Mac beißen, wie es auf derStandard.at-Anfrage bei McDonald's hieß.

Es gibt natürlich zuhauf wissenschaftliche Artikel, die die Tauglichkeit des Big-Mac-Index akribisch unter die Lupe nehmen und nehmen werden. Vermutlich gibt es inzwischen mehr Meinungen als Autoren. Tatsache ist, dass sich der Index als eine der einfachsten Methoden, die jeweilige Inlandskaufkraft von Währungen miteinander zu vergleichen, gehalten hat. Anders als das Gastspiel bei Starbucks. The Economist versuchte im Jahr 2004 die Preise für einen großen Milchkaffee zu vergleichen. Doch der "Tall latte index" als neues Wechselkursbarometer funktionierte nicht die Bohne.

Das Kaffee-Imperium aus Seattle existierte zur damaligen Zeit in nur 32 Ländern (heute sind es 50). Somit bleibt der Big-Mac-Index das Maß aller Währungen.

Aller Währungen, wohl gemerkt. Denn der Big-Mac-Index (BMI) sollte nicht mit dem Body-Mass-Index verwechselt werden. Immerhin verstecken sich im Big Mac rund 500 Kalorien. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 26.2.2012)

  • Big-Mac-Index Juli 2012

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  • Ein Biss sagt mehr als 1000 Worte. Der Big-Mac-Index bereitet schwer verdauliche Konzepte wie Kaufkraftparität und Währungsüberbewertung vereinfacht auf.
    foto: reuters/keith srakocic

    Ein Biss sagt mehr als 1000 Worte. Der Big-Mac-Index bereitet schwer verdauliche Konzepte wie Kaufkraftparität und Währungsüberbewertung vereinfacht auf.

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