Musikrundschau, gelungen quengelig

31. Jänner 2013, 18:22
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Neue Alben von Sweet William van Ghost und der Supergroup Tomahawk

SWEET WILLIAM VAN GHOST
For God And Christoph Marek (Konkord)
Die Ballade gilt als Königsdisziplin im Pop. Bewegt sie sich doch auf dem schmalen Grad zwischen Dramatik und Banalität. Sweet William van Ghost kugeln genialische Balladen scheint's nur so aus dem Handgelenk. Dabei umschifft er souverän die handelsüblichen Herzschmerzschablonen, kredenzt stattdessen Texte, die so abenteuerlich und verwegen sind wie dieses Album. Mit "I might be the father of punk music / but I'm not the father of your child" eröffnet er diese Exkursion in ein Labyrinth erfüllter und unerfüllter Obsessionen.

Er halluziniert sich durch einen Ausflug mit Bjoerkins Flex, die dort natürlich von keinem der dämlichen Studenten erkannt wird. Er stellt Kids an die Wand und singt über Drogen ohne Fremdschamalarm auszulösen. Dabei wechselt er die Sprachen fließend, wie es der Song halt braucht. Gespickt mit Anspielungen und Zitaten aus der Pophistorie und dem menschlichen "Evergreen Sex" schleicht van Ghost durch die Stücke. Seine Stimme vereint in sich das Beste von Stuart Staples (Tindersticks) und Antony Hegarty - ohne dass diese als übermächtige Schatten Copyright fordern würden.

Zwei, drei Songs mehr wie das gottvolle "She's The Music" würde man sich wünschen. Schließlich erlaubt van Ghost sich hier ein gepflegt swingendes Midtempo, das ihm gut ansteht. Aber man soll nicht immer jammern. Wurde schon gesagt, dass die Texte großartig sind? Dann ist's gut. Für alle, die es nur mit Baseballschläger verstehen: Ein Meisterwerk!

TOMAHAWK
Oddfellows (Ipecac / Trost)
Hier handelt es sich um die Wiederkehr einer Supergroup. Diese besteht aus Mike Patton, Duane Denison John Stanier und Trevor Dunn, Namen, die man von Bands wie The Jesus Lizard, Mr. Bungle, Battles, Helmet oder Faith No More kennt. Als Tomahawk ist dies das dritte Album nach neunjähriger Pause und einem Vorgänger, über den man lieber schweigt. "Oddfellows" betört und fordert hingegen wieder mit quengelndem Noiserock und auf den Punkt gespielten Attacken, die eine wiedergefundene Angriffslust der Band erkennen lassen. Lässig. (flu, Rondo, DER STANDARD, 1.2.2013)

 

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