Des Drecksepp Hassliebe aufs Leben

30. Jänner 2013, 18:29
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Werner Schwabs "Mein Hundemund" im Schwarzen Salon des Wiener Volkstheaters

Wien - Man möchte gar nicht aufhören, den Hundsmaulsepp zu zitieren. Nicht weil ihn sein Schöpfer Werner Schwab so schöne Wortgebilde sagen lässt, sondern weil diese Sprache - das Feuilleton erfand einst den Begriff "Schwabisch" dafür - in ihrer sprengenden, verrenkenden Kraft weder Regeln noch Gesetze einhalten kann und will. Sie schafft Eigenes. Wie auch der in Graz geborene Quergeist Schwab in der Literaturgeschichte allein dasteht mit seiner Art, Stücke zu schreiben. Anfang der 90er-Jahre erlebte der Selbstzerstörer einen plötzlichen Erfolg und wurde zum meistgespielten Dramatiker im deutschsprachigen Raum. Er hatte wenig Zeit: In der Silvesternacht auf 1994 soff er sich 35-jährig zu Tode.

Der Nachwelt, die Schwab viel zu selten auf die Bühne bringt, hinterließ er unter anderem das zu den "Fäkaliendramen" gehörende Stück Mein Hundemund, das Regisseurin Helene Vogel nun unterm Dach des Wiener Volkstheaters, im Schwarzen Salon, zurückhaltend, mit voller Konzentration auf die Sprache in Szene setzt.

Philipp Rubner hat den Bühnenraum mit drei Sesselreihen karg eingerichtet und in fahles Licht getaucht. Zwei namenlose Menschen, die Frau (Susa Meyer) und der Sohn (Jan Sabo) sitzen da mit gesenkten Köpfen. Von der Seite hinkt der Hundsmaulsepp (Rainer Frieb) mit einer Schnapsflasche in der Hand herbei, setzt sich vor seine Familie und hebt einen Monolog an, der beim stinkenden Bauch beginnt und über das "Allesmenschliche" und die "Gottesbeuschlsuppe" bei Rolfi, dem Hund, endet.

Ab und zu wird der patriarchale Trinkervater unterbrochen: von der Frau, die sich um dessen Selbstzüchtigung sorgt und vom Sohn, der um seinen Autovergaser klagt. Die drei Schauspieler, in bäuerliche Sonntagskleidung gesteckt, agieren als verzweifelte und existenzialistische Gestalten eindringlich, herausragend Frieb als "Drecksepp".

Die Regie hat den 70 Minuten um Fleisch, Weltpräsident, Blutrausch und Endsieg einen allzu ernsthaften Gestus gegeben, gepaart mit aggressiver Energie. Da Schwab alles und nichts nicht ernst nahm, bleibt die Ironie, das Lachen aus Verzweiflung, auf der Strecke. Sprachgewaltig. Großer Applaus. (Sebastian Gilli, DER STANDARD, 31.1.2013)

Termine: 31. 1.; 9., 25., 27. 2.

  •  Jan Sabo, Rainer Frieb und Susa Meyer in "Mein Hundemund".
    foto: volkstheater / marko lipuš

     Jan Sabo, Rainer Frieb und Susa Meyer in "Mein Hundemund".

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