"Anleitung zum Unglücklichsein": Luxusprobleme und andere Wehwehs

30. Jänner 2013, 17:25
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Sherry Hormann Berliner Liebeskomödie "Anleitung zum Unglücklichsein" und die weiteren Filmstarts der Woche

"Glück ist nicht mehr als die Abwesenheit von Langeweile. - Schopenhauer, dieser Pessimist." Der alte Paul, der jeden Tag im Feinkostladen von Tiffany (Johanna Wokalek) vorbeischaut, ist das Gewissen dieses Films, immerhin kommentiert er die Weisheiten in den Glückskeksen an der Theke und trägt denselben Vornamen wie Paul Watzlawick.

Dessen "Anleitung zum Unglücklichsein" hat die Regisseurin Sherry Hormann (Wüstenblume) als Inspirationsquelle für eine Berliner Liebeskomödie verwendet, in der sich die Heldin mit ihrer neurotischen Krämerseele, möglicherweise interessanten Männern und ihrer toten Mutter (Iris Berben) herumschlagen muss.

Das funktioniert als ironisch gebrochene Momentaufnahme eines überforderten Großstadtsingle mit Luxusproblemen in Kreuzberg, steht aber einem ernsthaften Interesse an Tiffanys psychologischen Wehwehs nicht weniger im Weg als sie sich selbst. So ist das eben mit den Anleitungen von Antiratgebern: Wer sie verfilmt, muss aufpassen, sie nicht zugleich zu befolgen. Ob Schopenhauer mit diesem Film glücklich gewesen wäre, weiß man nicht - zum Glück.

Arnie, Caesar und Bin Laden
Die weiteren Filmstarts der Woche

Die Jagd auf Osama Bin Laden als Sache einer Frau (Jessica Chastain), die ihre Arbeit immer obsessiver ausführt: Kathryn Bigelow hat mit "Zero Dark Thirty" ein nüchternes Filmdrama über die USA nach 9/11 gedreht. Arnold Schwarzenegger versucht als Sheriff in "The Last Stand" seine Filmkarriere wieder in Gang zu bringen - inszeniert hat der Koreaner Kim Ji-woon.

Die Regiebrüder Paolo & Vittorio Taviani haben Shakespeares "Julius Caesar" mit Gefängnisinsassen adaptiert - 2012 gab es für "Cäsar muss sterben" den Goldenen Bären. Außerdem: das Tsunami-Drama "The Impossible", die Catherine-Frot-Komödie "Willkommen in der Bretagne" und der Kinderfilm "Fünf Freunde 2". (pek, kam, DER STANDARD, 31.1.2013)

  • Johanna Wokalek als versponnene Berlinerin in "Anleitung zum Unglücklichsein".
    foto: filmladen

    Johanna Wokalek als versponnene Berlinerin in "Anleitung zum Unglücklichsein".

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