Im Rausch von vielen großen Stimmen

30. Jänner 2013, 17:00
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Das Festival Polifonica bringt von 19. bis 25. Februar Chöre und Sänger aus vielerlei Richtungen ins Festspielhaus St. Pölten. Darüber hinaus gastieren dort Dee Dee Bridgewater, Juan Carlos Cáceres und Jane Birkin

Ende Februar glühen und vibrieren im Festspielhaus St. Pölten wieder die Stimmbänder. Im Rahmen der dritten Auflage des Festivals Polifonica psalmodieren und tirilieren, singen und scatten Vokalkünstler aus aller Welt.

Wie der Festivalname suggeriert, steht mehrstimmiger Gesang im Zentrum. Das bedeutet: Chorgesang. Mit der Domkantorei St. Pölten und dem Chor Ad Libitum sind etablierte regionale Vokalensembles zu Gast: Letzteres interpretiert gemeinsam mit dem Ensemble Sonare Linz Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten, als Solisten treten Maria Erlacher (Sopran), Daniel Johannsen (Tenor) und Josef Wagner (Bass) in Erscheinung (23. 2. ).

Glockenhell bis Tieftenor

Die Domkantorei St. Pölten wird hingegen Werke von Heinrich Schütz, Johann Christian Bach und Johann Michael Bach zu Gehör bringen (24. 2). Orthodoxe Kirchenmusik und bulgarische Volkslieder stehen beim Konzert von The Bulgarian Voices - Angelite auf dem Programm. Seit 1987 beeindruckt der Frauenchor mit seinen glockenhellen Stimmen, die zuweilen bis in tiefe Tenorlagen hinuntersteigen, mit zugleich archaisch und modern anmutenden Gesängen (21. 2.).

Mit Gianmaria Testa, Edson Cordeiro und Alegre Corrêa sind zudem drei Solisten zu Gast. Besonderes Vergnügen verspricht dabei das Konzert von Gianmaria Testa, dessen warmer, rauchiger Bariton, irgendwo zwischen Paolo Conte und Fabrizio de André anzusiedeln, sich hierzulande längst in die Gehörgänge des Publikums eingeschmeichelt hat. Charisma und stimmliche Präsenz sowie Wachheit gegenüber Politik und Alltag zeichnen den 55-jährigen Sänger-Poeten aus: Im Rahmen des aktuellen Programms Vitamia lässt Testa Eindrücke aus den 18.000 Tagen seines Lebens Revue passieren (22. 2.).

Zwei Tage davor wird der Brasilianer Edson Cordeiro, der in seiner Heimat einst durch die Interpretation der Arie der Königin der Nacht berühmt wurde, zugange sein: Mit Pianist Broder Kühne gibt der Mann mit der Vier-Oktaven-Stimme das Programm The Woman's Voice zum Besten und zollt damit Diven von Zarah Leander bis Madonna Tribut (20. 2.).

Der lange Jahre in Wien beheimatete Landsmann und Gitarrist Alegre Corrêa wird nonchalant ins Programm von Polifonica eingereiht. In St. Pölten gastiert Corrêa gemeinsam mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Christian Muthspiel sowie arrivierten Jazzerkollegen wie Gerald Preinfalk (Saxofon) und Alune Wade (Bass). Auf dem musikalischen Speiseplan steht das Programm Saudades do Brasil, neben Kompositionen Corrêas erklingen solche von Darius Milhaud (25. 2.).

Auch außerhalb des Polifonica-Festivals finden indessen hochkarätige Vokalisten unterschiedlichster Stilprovenienz ihren Weg in die niederösterreichische Kapitale. Am 1. Juni beehrt mit Dee Dee Bridgewater eine der wichtigsten Jazzsängerinnen der Gegenwart das Festspielhaus, um ihre 2010 veröffentlichte Billie-Holiday-Hommage Eleonora Fagan - To Billie With Love zum Besten zu geben.

Kurz davor reist der in Paris lebende argentinische Sänger-Pianist Juan Carlos Cáceres an, der seit vielen Jahren den afrikanischen Wurzeln von Tango und Milonga nachspürt (29. Mai). Am 6. Mai interpretiert die argentinisch-slowenische Mezzosopranistin Bernarda Fink mit dem Tonkünstler-Orchester Gustav Mahlers Kindertotenlieder.

Und schon am 1. Februar gibt die auch mit 66 noch juvenil wirkende Jane Birkin ihr den Opfern des Seebebens 2011 gewidmetes Programm Via Japan zum Besten. Inhalt: Neudeutungen der Lieder ihres berühmten Ex-Gesponses Serge Gainsbourg. (Andreas Felber, Spezial, DER STANDARD, 31.1.2013)

Spezial Festspielhaus St. Pölten.
Mit finanzieller Unterstützung des Festspielhauses St. Pölten.

www.festspielhaus.at

  • Alegre Corrêa führt den Zauber des Grammy vor, den er 2010 
mit The Zawinul Syndicate erhielt. Der Gitarrist, Perkussionist und 
Sänger hat auch eine Stimme im Festival Polifonica.
    foto: corrêa

    Alegre Corrêa führt den Zauber des Grammy vor, den er 2010 mit The Zawinul Syndicate erhielt. Der Gitarrist, Perkussionist und Sänger hat auch eine Stimme im Festival Polifonica.

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