Saul-Leiter-Retrospektive im Kunsthaus Wien

30. Jänner 2013, 14:15
posten

Farb-affiner Chronist des Alltagsleben im New Yorker East Village

 Wien -  Die Entdeckung eines 89-jährigen Pioniers der Farbfotografie feiert das Kunsthaus Wien mit seiner neuen Ausstellung: In einer umfassenden Retrospektive (31.1. bis 26.5.) beleuchtet das Haus den US-Fotografen und Malers Saul Leiter, dessen Werk im vergangenen Jahr im Haus der Photographie in den Deitchtorhallen Hamburg erstmals umfassend gewürdigt wurde. Der dortige Kurator, Ingo Taubhorn, der auch für die Schau in Wien verantwortlich zeichnet, würdigte in einer Pressekonferenz Leiters "hohe Sensibilität, Farbe mit Energie aufzuladen".

Saul Leiter selbst konnte die Reise nach Wien altersbedingt nicht antreten, wird jedoch mit einigen Videos sowie einer Skype-Schaltung am Eröffnungsabend (30.1., 19:00) präsent sein. Am 24. April findet im Jüdischen Museum Wien die Aufführung der Film-Doku "In No Great Hurry - 13 Lessons in Life with Saul Leiter" von Tomas Leach statt.

Es ist die "entwaffnende Neugier" Leiters, die sich in seinem mehr als sechs Jahrzehnte umfassenden Werk spiegelt, die das Kuratorenteam Taubhorn und Brigitte Woischnik auf den zurückgezogen im New Yorker East Village lebenden Fotografen und Maler aufmerksam machte. Fernab des großen Kunstbetriebs spürt Leiter in seiner Nachbarschaft mit der Kamera Alltagssituationen auf, die sich durch seine Linse geheimnisvoll verändern. Charakteristisch sind die großen, meist dunklen Flächen im Bildvordergrund, die wahre Aktion versteckt sich in den im Hintergrund abgebildeten Details. Vor allem der Blick durch beschlagene, verschmutzte oder von Regen benetzte Scheiben findet sich als immer wiederkehrendes Motiv.

Pionier der "New Color Photography"

Die frühe Verwendung von Farbfotografie ist es auch, die Taubhorn zum Anlass nimmt, die "Geschichte der Farbfotografie" anlässlich der "Entdeckung" Saul Leiters neu zu schreiben, wie er auf der Pressekonferenz sagte. Dieser habe weit vor den Vertretern der "New Color Photography" der 1970er Jahre - vertreten durch Künstler wie William Eggleston und Stephen Shore - die neue Technik für sich entdeckt und von Beginn an eine charakteristische Handschrift verfolgt.

Das Kunsthaus Wien zeigt die Ausstellung aus den Deichtorhallen nun auf zwei Ebenen und gewährt in Kapiteln wie "Street Photography", "Übermalte Aktfotografien", "Modefotografien", "Abstrakte Malerei" oder "Figurative Malerei" Einblick in das Schaffen Leiters. Auch neuere - digitale - Arbeiten führen die bekannten Sujets fort, der stilistische Bruch ist jedoch unverkennbar.

Durch die Fotografie habe sich Saul Leiter zunächst nur seine große Leidenschaft - die Malerei - finanzieren wollen, so die Kuratoren. Auf diese Art und Weise entwickelte er jedoch zwei eigenständige Werk-Stränge, die auch unabhängig voneinander Bestand haben. Während die zahllosen Straßenansichten der Fotos oft Intimität im öffentlichen Raum abbilden, ohne jedoch voyeuristisch zu sein, zeigt Leiter in seiner figurativen Malerei in oft grellen Tönen sich bewusst in Szene setzende Menschen, die sich ansonsten nur in seiner Modefotografie als explizite Protagonisten der Bilder zeigen.  (APA, 30.1.2013)

  • Saul Leiter: "Taxi" (Foto, um 1957).
    foto: kunsthaus wien / howard greenberg gallery, new york

    Saul Leiter: "Taxi" (Foto, um 1957).

Share if you care.