Lichtkonzepte für mehr "Wohnbefinden"

6. Februar 2013, 17:00
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Mit ein paar Kniffen und den passenden Leuchtmitteln kann im Nu für mehr Wohlfühl-Atmosphäre im Wohnraum gesorgt werden.

Geht es nach der Bibel, wurde gleich nachdem Himmel und Erde erschaffen wurden, das Licht erfunden. Tag und Nacht, Licht und Finsternis spielen von je her eine große Rolle in unserem Leben. Dem Licht wird eher ein Gefühl des Wohlbefindens zugeschrieben, der Dunkelheit eher Ungewissheit. Das Wohlbefinden, das wir mit Licht empfinden, wird uns vor allem im Winter bewusst, wenn es in unseren Breitengraden zu wenig davon gibt. Ein Grund mehr in unseren eigenen vier Wänden mit der "richtigen" Beleuchtung ein Wohlgefühl zu schaffen.

Licht verändert den Raum

Licht erfüllt nicht nur den Zweck unsere Räume zu erhellen, mit Beleuchtung kann man gestalten und Atmosphäre schaffen. "Sehr helle Räume schafft man durch ein klares zentrales Licht, das in alle Richtungen abstrahlt. Dadurch wird eine Grundhelligkeit erreicht, aber auch Helligkeitsunterschiede ausgeglichen. Schöne Stimmungen hingegen, werden durch eine Beleuchtung erreicht, die indirekt bzw. dezentral aufgestellt ist.", erläutert Lichtdesigner Florian Radon.

Radon ist überzeugt, dass man mit einer harmonischen Beleuchtung gute Sehbedingungen und ein Gefühl von Behaglichkeit schaffen kann. Dafür platziert er Lichtquellen genau dort, wo sie zum Arbeiten, zum Lesen oder zum Essen benötigt werden. Gleichzeitig empfiehlt er, Akzente beispielsweise in Regalen oder an den Wänden zu setzen. Auf das Gesamtbild aller Leuchten, sowie Farben, Formen und Stile kommt es an.

Die Lichtfarbe ist entscheidend

Selbstverständlich spielt auch das Design der Lampe eine Rolle für das Gesamtbild eines Raumes. Die Entscheidung über Material, Farbe und Form des Lampenschirms würde Florian Radon als wesentlichen Faktor für die Wahl der Beleuchtung bezeichnen. Funktionalität und Lichtfarbe sollten die Wahl eines Leuchtkörpers in gleichem Maße beeinflussen. Die Lichtfarbe ist es nämlich, die stark in unser Unterbewusstsein wirkt. "Eine Dreibanden-Tageslichtleuchte, die besonders im Winter empfehlenswert ist, wenn die Tage grau und dunkel sind, kann für einen festgelegten Zeitraum für Wohlbefinden im gesundheitlichen Sinn sorgen." so Radon.

Die Lichtfarbe ist eine Eigenschaft, die viel mit persönlichem Geschmack und Empfindung zu tun hat. Der Wert der Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben. Man unterscheidet warm-weiß (2.700-4.000 K), neutralweiß (4.000-6.500 K) und kalt-weiß (ab 6.500 K). Üblicherweise wird warm-weiße Lichtfarbe laut Radon in unseren Breitengraden für Wohnräume verwendet. "Kalt-weißes Licht ist eher für Flure, Arbeitsräume, Garagen und Keller geeignet."

Auch kulturelle Einflüsse spielen bei der Wahl der Lichtfarbe eine Rolle: Während im Norden eher warm-weißes Licht eingesetzt wird, bevorzugt man in südlicheren, wärmeren Gegenden kalt-weißes Licht, da es kühler wirkt.

Tageslicht ist essentiell

Für den Wohlfühleffekt in Wohnräumen, betont Radon, ist das Tageslicht ein ganz besonders wichtiger Faktor. "Nichts steigert das Wohlbefinden so effektiv wie die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Das ist der Moment, der über den gesamten Tag wirken kann." meint Radon. Richtig gemacht hat man es, wenn man den gesamten Wohnbereich wenn nötig auch abends so hell ausleuchten kann, dass die Stimmung eines Sommertages noch verlängert wird.

LEDs, künstliches Tageslicht und Luster

In puncto Style spielt die sich im Vormarsch befindende LED-Beleuchtung eine große Rolle. Mit immer besserer Lichtqualität und geringerer Hitzeentwicklung findet sie sich bis zur Stimmungsbeleuchtung in den Wohnräumen wieder.

"LEDs erzeugen jede erdenkliche Farbe sowie dynamische Effekte, die mit einer konventionellen Beleuchtung einfach nicht realisierbar sind." so Martha Salaquarda von Philips Lightning. Die Vorteile liegen in der hohen Wirtschaftlichkeit, dem niedrigen Energieverbrauch (LEDs brauchen rund ein Fünftel weniger Strom als andere Leuchtmittel), und der langen Lebensdauer. Auch Farben können durch LEDs vielseitig in die Beleuchtung eingebaut werden.

"Menschen reagieren grundsätzlich sensibel auf Farb- und Lichtstimmungen. So wirkt kühles Licht beispielsweise anregend und aktivierend, warmes eher entspannend. Weiß ausgeleuchtete Räume empfinden wir als sachlich, nüchtern, puristisch. Je höher der Rotanteil, desto wärmer erscheint uns das Licht. Umgekehrt wirkt bläuliches Licht eher kühl. So empfinden wir einen blau gestrichenen Raum sogar um bis zu zwei Grad kühler als einen weißen." meint Salaquarda.

Auch das Thema verbaute Beleuchtung gewinnt durch LEDs an Bedeutung. "Es ist möglich, mit geringem technischen Aufwand sehr viel Licht über Zwischendecken in den Raum zu liefern." erklärt Florian Radon. Dazu werden in die Zwischendecken künstliche Tageslichtöffnungen eingezogen, die nahtlos in Wände und Decken eingelassen werden können. So eine verbaute Beleuchtung ist in verschiedene Farbtemperaturen (von 2700 - 6500 Kelvin) eingeteilt und auf den Tagesablauf abgestimmt. Bedienen kann man sie über eine zentrale Lichtsteuerung, z.B. mittels Smartphone-Apps.

Radon weist weiters darauf hin, dass beim Einsatz von LED-Lampen auf die Luftzufuhr geachtet werden sollte: diese kann nämlich die Lebensdauer des Leuchtkörpers positiv (genügend Luft) oder negativ (unzureichende Belüftung) beeinflussen.

Auch der klassische Luster bleibt, so der Lichtdesigner, weiterhin ein Thema. "Er wird sich jedoch verändern und neue Formen annehmen." (Madeleine Harbich, derStandard.at, 6.2.2013)

Florian Radon gehört zu den führenden Beleuchtungsexperten Österreichs. Er arbeitete jahrelang als Bühnen- und Lichttechniker auf Konzert- und Theaterbühnen in Amerika, unterrichtete an der TU Wien "Inszeniertes Licht in der Architektur" und arbeitet seit einigen Jahre im Bereich Visual Design.
www.florianradon.com

  • Licht erhellt nicht nur, es schafft auch Atmosphäre in Räumen.
    foto: philips lighting

    Licht erhellt nicht nur, es schafft auch Atmosphäre in Räumen.

  • Warmes Licht, wie es herkömmliche Glühbirnen spenden, entsteht durch einen hohen Rotanteil und wirkt besonders entspannend.
    foto: reuters/rehle

    Warmes Licht, wie es herkömmliche Glühbirnen spenden, entsteht durch einen hohen Rotanteil und wirkt besonders entspannend.

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