Der Wiener Beitrag zu E=mc2

30. Jänner 2013, 18:24
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Zwei US-Physiker beschreiben Beitrag des Physikers Fritz Hasenöhrl auf dem Weg zu Einsteins berühmtester Formel

Wien - Wir alle verbinden heute die Formel E=mc2 mit Albert Einstein, dem Schöpfer der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie. Zwei US-Physiker beschreiben nun in einer Studie den Beitrag des österreichischen Physikers Friedrich Hasenöhrl (1874- 1915) auf dem Weg zu Einsteins Erkenntnis, dass Energie (E) und Masse (m) zwei Seiten ein und derselben Medaille sind.

Der heute wenig bekannte Hasenöhrl wurde 1906 zunächst a.o. Professor an der Technischen Hochschule Wien, der heutigen TU. Als im selben Jahr Ludwig Boltzmann starb, folgte er seinem Lehrer als Ordinarius für Theoretische Physik an der Uni Wien nach und wurde seinerseits zum Lehrer von Erwin Schrödinger und Hans Thirring, ehe er im Alter von nur 40 Jahren 1915 an der Isonzo-Front starb.

Dass Energie und Masse zusammenhängen, hatten bereits einige Physiker vor Hasenöhrl und Einstein gezeigt, beginnend mit Joseph John Thomson 1881 oder Henri Poincaré. Sie alle gingen davon aus, dass ein elektrodynamisches Feld Energie und einen Impuls besitzt. Und sie konnten zeigen, dass ein solches Feld deshalb auch eine träge Masse haben muss.

Noch bevor Hasenöhrl Professor wurde, veröffentlichte er 1904/05 drei Arbeiten über die "Theorie der Strahlung in bewegten Körpern". Und darin erweiterte er die Überlegungen von Thomson und anderen durch die Frage " Welche Masse hat die Schwarzkörperstrahlung?", schreibt nun Stephen Boughn vom Haverford College in Pensylvannia in The European Physical Journal H.

Hasenöhrl hat in seinen Arbeiten letztlich gezeigt, dass die Strahlung in einem Hohlraum einen Beitrag zur trägen Masse dieses Hohlraums liefert, wenn dieser beschleunigt oder abgebremst wird. Sein Gedankenexperiment resultierte zunächst in der Formel E=3/8mc2, die er dann auf E=3/4mc2 korrigierte - eine Formel, die der Gleichung Einsteins schon sehr ähnelt.

Umfassender als Einstein

Der Wiener Physikhistoriker Wolfgang Reiter sagt zu Hasenöhrls Gedankenexperiment, dass dieses in gewisser Weise sogar umfassender war als das Einstein. Nur habe sich Hasenöhrl dabei "ein wenig verrechnet". Reiter weist aber auch auf einen weiteren möglichen Grund hin, warum die Rolle Hasenöhrls nach 1945 in Vergessenheit geriet: Der antisemitische Physiker Philipp Lenard, ein Vordenker der "Deutschen Physik", hatte Einstein nämlich vorgeworfen, bei Hasenöhrl abgeschrieben zu haben.

"Das stimmt so natürlich nicht", sagt Reiter. Lenards Vorwurf sollte indes auch nicht daran hindern, Hasenöhrls unterschätze Bedeutung zu würdigen. (tasch, APA, DER STANDARD, 31.01.2013)


Abstracts

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Fritz Hasenöhrl (grauer Kreis) und Albert Einstein (zweiter von rechts) bei der ersten Solvay-Konferenz 1911.
    foto: benjamin couprie

    Fritz Hasenöhrl (grauer Kreis) und Albert Einstein (zweiter von rechts) bei der ersten Solvay-Konferenz 1911.

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