Tanz der fabelhaften Zauberwesen

30. Jänner 2013, 17:00
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Michael Keegan-Dolan, Hofesh Shechter, Michael Clark & Doris Uhlich

Auf den vielversprechenden Namen Fabulous Beast hört die Dance-Theatre-Company des irischen Choreografen Michael Keegan-Dolan. Der Dubliner bringt eine lyrische Arbeit mit heiterem, nachdenklich anmutendem Tanz und der Musik von Liam Ó Maonlaí, der als einer der beliebtesten Folk-Rocker Irlands gilt, nach St. Pölten. Die Verbindung zwischen diesem und Keegan-Dolan ist eng, daher heißt dieses Ballett Rian, wie ein Album des Musikers, der im Stück auch live auftritt und singt.

Mit Rian treibt das Festspielhaus am 9. März tänzerisch den Winter aus. Noch davor, im Februar, bringt Hofesh Shechter seine Political Mother mit (16. 2.), und am 17. 2. kommt die österreichische Choreografin Doris Uhlich mit vier ehemaligen Tänzern aus der Wiener Staats- und Volksoper, die sie zu einem Come Back eingeladen hat. Beide Arbeiten stellen Fragen, denen nicht ausgewichen werden sollte.

Denn Uhlichs Tänzer sind bereits pensioniert, obwohl sie, wie in Come Back zu sehen ist, noch wunderbar tanzen. In einem System, das auf solche Potenziale verzichtet, ist noch einiges zu verbessern. Das jedenfalls scheinen die Beteiligten an dem beim Steirischen Herbst 2012 uraufgeführten Stück zu sagen.

Politik der Mutter

Der aus Jerusalem stammende Hofesh Shechter, geboren 1975 in Jerusalem, tanzte bei der israelischen Batsheva Dance Company und danach unter anderem bei Wim Vandekeybus, bevor er sich 2002 in London niederließ und dort unter den Fittichen von Sadler's Wells zu einem anerkannten Choreografen wurde. Political Mother aus dem Jahr 2010 ist sein erstes abendfüllendes Stück.

Das "Private" scheint hier das Politische zu sein. Zwischenmenschliche und gesellschaftliche Verhältnisse und Konflikte werden auf der Bühne ausgetanzt. Spannung liegt in der Luft, und es wird richtig laut. Wie Keegan-Dolans Rian wird auch Political Mother von Livemusik begleitet.

Auf Rian übrigens folgt am 15. und 17. März das zauberische Stück Die Freckles, ein Familienstück in der Regie von Grayson Millwood als Uraufführung. Die Choreografie stammt von Laurie Young, Gabriel Galindez Cruz und einem Überraschungsgast.

Magisch ist die Atmosphäre auch bei Desh, einem Solo des in England lebenden Choreografen Akram Khan, dessen Eltern aus Bangladesch stammen. Eine Verletzung des Künstlers verhinderte, dass Desh, entstanden 2011, bereits im Vorjahr ins Festspielhaus St. Pölten kommen konnte. Am 6. April ist es nun so weit.

Ein Abend wie ein Traum

"Ich habe immer versucht, Solostücke zu vermeiden", sagt Khan, angesprochen auf diese Arbeit. Jetzt hat er sich überwunden, und das gleich abendfüllend. Herausgekommen ist ein sensibles Stück. Khan: "Je länger ich arbeite, desto mehr komme ich auf meine Schwächen." Was seinem Tanz noch mehr Tiefe verleiht.

In Desh, nicht zu verwechseln mit Anne Teresa De Keersmaekers und Salva Sanchis' gleichnamigem Werk aus dem Jahr 2005, zaubert Khan das Land seiner Herkunft in magischen Bildern auf die von Tim Yip designte Bühne und sich selbst mit all den ihn umtreibenden Fragen nach Identität und Heimat mitten hinein.

Ein Ausblick in den Mai: Da kommt ein Hero der Eighties nach St. Pölten - Michael Clark mit come, been and gone (4. 5.). Der Hit Heroes von David Bowie ist auch der Ausgangspunkt für diesen coolen Mix aus Ballett, Modern Dance und Rockmusik - ein Abend wie ein Rausch aus Tanz, Licht und Musik. (Helmut Ploebst, Spezial, DER STANDARD, 31.1.2013)

Spezial Festspielhaus St. Pölten.
Mit finanzieller Unterstützung des Festspielhauses St. Pölten.

www.festspielhaus.at

  • Akram Khan auf der Suche nach den Bildern seiner Identität: "Desh" 
ist Khans erstes abendfüllendes Solo.
    foto: richard haughton

    Akram Khan auf der Suche nach den Bildern seiner Identität: "Desh" ist Khans erstes abendfüllendes Solo.

  • Michel Keegan-Dolan lässt in "Rian" wunderbare Fabelbiester zu 
lyrischem Irland-Folk rocken.
    foto: ros kavanagh

    Michel Keegan-Dolan lässt in "Rian" wunderbare Fabelbiester zu lyrischem Irland-Folk rocken.

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