Meinl-Gutachter wird von "Plagiatsjäger" kritisiert

30. Jänner 2013, 11:12
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Weber hält Vorwürfe gegen Gutachter Martin Geyer aufrecht

Wien - Der Salzburger Plagiatsexperte Stefan Weber hält seine Vorwürfe gegen Martin Geyer, den nunmehr dritten Gutachter in der Causa Meinl, den die Meinl Bank unbedingt loswerden will, aufrecht. "In seiner Diplomarbeit finden sich Plagiatsfragmente. Das ist anhand der Methodenliteratur zu 100 Prozent zu beweisen", sagte Weber am Mittwoch. Der Magistertitel wird ihm aber deswegen wohl nicht aberkannt werden müssen.

Auftraggeber unbekannt

"Wenn es bei diesen Funden bleibt und weil es eine Diplomarbeit und keine Doktorarbeit ist, müsste ihm der Titel nicht aberkannt werden", so Weber. Trotzdem sei es verifizierbar, dass Geyer plagiiert habe. Ob es sich dabei um "Täuschungsabsicht oder Schlamperei" handle, vermöge er nicht zu sagen.

Seinen Auftraggeber wollte Weber nicht nennen. Die Meinl Bank stellte auf Anfrage in Abrede, den bekannten Plagiatsjäger engagiert zu haben. "Die Bank hat es nicht in Auftrag gegeben", sagte ein Banksprecher am Mittwoch.

Dirty-Campaigning

Gestern ist bekanntgeworden, dass die Meinl Bank eine Art "Dirty-Campaigning"-Papier gegen Geyer verfasst hat. Laut "Kommunikationsplan" wollte das Geldhaus die Story an die Öffentlichkeit bringen, dass Geyer die Berufsvoraussetzung zum Sachverständigen fehle, da er bei seiner Abschlussarbeit an der Fachhochschule Wiener Neustadt abgeschrieben habe.

Die FH selbst hat Geyer mittlerweile bescheinigt, dass seine Diplomarbeit "sauber" ist. Nach dem Bekanntwerden der Weber'schen Vorwürfe hat die Fachhochschule zwei interne und - angesichts des "öffentlichen Interesses" - noch ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Die Prüfer kamen allesamt zum Schluss, dass Geyer nicht plagiiert hat.

Weber schlägt weitere Prüfung vor

Für Weber aber sind die zwei internen Gutachten "wertlos, weil sie nicht auf die Methodenliteratur eingehen". Das erste Gutachten sei vom Betreuer Geyers verfasst worden und habe einen Umfang von nur zwei Seiten. Das zweite ähnle dem ersten im Wortlaut und stamme ebenfalls von einem FH-Wiener-Neustadt-Professor; Umfang: eine Seite. Das dritte externe Gutachten kennt Weber nicht, wie er sagte.

Im Normalfall, so der Plagiatsexperte, sei die Sache "juristisch erledigt, wenn die Uni sagt, dass es kein Plagiat ist." Da es bei Geyer aber mehrere Gutachten gibt - dem Vernehmen nach ist sogar noch ein fünftes in Umlauf - könnte die Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) damit befasst werden, schlägt Weber vor.

Geyer selbst hatte gestern gesagt, dass die Sache für ihn erledigt sei.

Kein Glück mit Gutachtern

Die Meinl Bank zieht seit geraumer Zeit gegen den Gutachter - wie generell gegen die Justiz respektive die ermittelnde Wiener Staatsanwaltschaft - medial und juristisch zu Felde. Geyer ist nun schon der dritte Sachverständige in dem Fall. Der erste, Thomas Havranek, war wegen Befangenheit abberufen worden und wurde auch von Banker Julius Meinl wegen Übler Nachrede verklagt. Damit ist Meinl aber im Dezember 2012 abgeblitzt.

Der zweite, Fritz Kleiner, hat nach kurzer Zeit von sich aus das Handtuch geworfen, nun ist Geyer am Werk. In der Causa Meinl European Land (MEL) wird seit fünf Jahren wegen Betrugs und Untreue im Zusammenhang mit Rückkäufen von MEL-Zertifikaten gegen zahlreiche (ehemalige) Manager ermittelt. Im Visier der Justiz stehen unter anderem Julius Meinl und Meinl-Bank-Chef Peter Weinzierl. Sie haben die Vorwürfe stets vehement dementiert, es gilt die Unschuldsvermutung. (APA, 30.1.2013)

  • Stefan Weber lässt an Gutachter Geyer kein gutes Haar. Wer ihn mit der Plagiatsprüfung beauftragt hat, will er nicht sagen. Die Meinl Bank sagt, sie wäre es nicht gewesen.
    foto: anne kaiser

    Stefan Weber lässt an Gutachter Geyer kein gutes Haar. Wer ihn mit der Plagiatsprüfung beauftragt hat, will er nicht sagen. Die Meinl Bank sagt, sie wäre es nicht gewesen.

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