Schokobier

Kolumne5. Februar 2013, 16:41
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Kakao ist nicht süß, er ist bitter - und passt daher ins Bier, findet Conrad Seidl

In der Brauwirtschaft wird oft, gerne und mit wenig greifbaren Ergebnissen diskutiert, wie wohl ein speziell für Frauen gebrautes Bier schmecken könnte. Am ehesten besteht Konsens darüber, dass Frauen den "typischen" Biergeschmack, die Kombination von Malzsüße, (Kohlen-)Säure und Hopfenbittere nicht so mögen. Und man hat vorsorglich viele Biere schlanker, milder, fader gemacht. Aber wer meint, dass man Biere bloß schlanker machen müsste, um sie besser an Frauen verkaufen zu können, hat nicht mehr viel Spielraum.

Man muss sich vielmehr fragen, was denn Männern schmecken soll, wenn die meisten Biere so gefällig geworden sind, dass sie austauschbar wirken. Richtige Männer, so darf man vermuten, wollen richtige Biere. Biere mit Charakter; ob dieser Charakter nun vom Hopfen, vom Malz, von der Hefe, vom höheren Alkoholgehalt oder sonstigen Variationsmöglichkeiten stammt, bleibt dem Brauer überlassen. Inzwischen versuchen sich ja mehrere Brauereien mit stärker gehopften "männlich" positionierten Bieren.

Schokolade = süß = nix für richtige Männer

Es geht aber noch extremer. Nämlich mit Kakao. Die ersten Brauversuche vor 20 Jahren lösten Skepsis aus: Im Kopf steckte die Gleichung Schokolade = süß = nix für richtige Männer. Man vergisst, dass Kakao eigentlich bitter ist und wir nur durch die gängigen, stark gesüßten "Milch"-Schokoladen andere Erwartungen haben. Aber auch diese Erwartungshaltung ändert sich, je mehr bittere Schokoladen mit hohem Kakaoanteil (und meist hohem Preis) auf den Markt kommen. Tatsächlich war auch das erste von einem Hobbybrauer gebraute Schokoladenbier angenehm herb.

Inzwischen gibt es etliche Brauereien, die Schokobiere brauen - einige unter Verwendung von Kakao, andere reinheitsgebotskonform mit sogenanntem Chocolate Malt, Karamell-, Rauch- und Röstmalz. Young's in London hat schon in den 1990er-Jahren mit dem Double Chocolate Stout begonnen.

Das jüngste Produkt heißt passenderweise "Männerschokolade" und kommt aus der Salzburger Stiegl-Brauerei. Sehr dunkles Braun, intensiver Kakaogeruch, frischer, herber Antrunk mit einer von Anfang an ausgeprägten Bittere. Gerade vollmundig und von intensiven Rösttönen begleitet, vermittelt es tatsächlich den Eindruck von Schokolade, ohne merklich süß zu wirken. Im Nachtrunk dominiert die Bittere.

Ein Bier, das sicher nicht nur Männern schmeckt. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 1.2.2013)

  • Das jüngste Produkt in der Reihe der Schokobiere heißt passenderweise "Männerschokolade" und kommt aus der Salzburger Stiegl-Brauerei.
    foto: hersteller

    Das jüngste Produkt in der Reihe der Schokobiere heißt passenderweise "Männerschokolade" und kommt aus der Salzburger Stiegl-Brauerei.

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