Was kostet die Zeit

5. Februar 2013, 16:11
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Am exklusiven Genfer Uhrensalon trifft Haute Horlogerie auf Hautevolee - Markus Böhm hat sich die Meisterwerke der Uhrmacherkunst für die kommende Saison angesehen

Was für Autoliebhaber die Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt, ist für Uhrenaficionados der jährlich stattfindende Uhrensalon in Genf. Mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass der Eintritt zum Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) nur Gästen mit persönlicher Einladung vorbehalten ist. Außerdem: Auf der Ausstellungsfläche von 30.000 Quadratmetern in den Hallen der Palexpo haben nur 16 mit dem Richemont-Konzern verbundene Nobelmarken wie Cartier, Piaget oder Montblanc die Möglichkeit auszustellen. Eine exklusive Hausmesse quasi.

So tummelte sich an den fünf Tagen der 23. Auflage der SIHH (21. bis 25. Jänner 2013), die Hautevolee aller Kontinente, um Neuigkeiten und Preziosen der Uhrmacherkunst zu gustieren. Der Champagner floss ungehindert, die Stimmung war dementsprechend entspannt, und Geld sollte sowieso keine Rolle spielen.

Immerhin geht es hier um eine Branche, die Milliarden umsetzt. So war der Markt für Highend-Uhren 2012 rund 35 Milliarden Euro schwer. Getrieben wurde er in erster Linie durch die große Nachfrage aus Asien, allen voran China. Mit 1,1 Milliarden Euro ist Asien-Pazifik inzwischen die umsatzstärkste Region für Richemont, dem weltweit zweitgrößten Luxusgüterkonzern nach Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), gefolgt von Europa als zweitgrößter Markt.

Downsizing

Diesem Trend passen sich die Hersteller in ihrer Produktstrategie spürbar an. Denn statt riesiger Plätschn sind vielfach kleinere Chronografen zu sehen. Downsizing ist angesagt, von schlanken 38 bis 40 Millimeter Diagonale ist hier die Rede. So hat IWC Schaffhausen die einfacheren Ingenieur-Modelle auf 40 Millimeter Durchmesser reduziert. Auch sind die Uhren vielfach flacher, um zierlichen Handgelenken aus Fernost zu schmeicheln. So zeigt Jaeger-LeCoultre mit der nur 4,05 Millimeter dünnen Master Ultra Thin Jubilee zum 180. Firmenjubiläum die momentan flachste Handaufzugsuhr der Welt. Wenn es um Verflachung geht, führt kein Weg an Piaget vorbei.

Die Schweizer sind Vorreiter bei ultraflachen Uhrwerken und haben nun mit der vier Millimeter hohen Altiplano die dünnste Automatikuhr mit Datum in petto. Ebenso im Trend liegt der Blick zurück. Kaum eine Marke, die sich nicht auf ihre - mehr oder weniger lange - Tradition und ihr historisches Erbe beruft. So kommt etwa Baume & Merciers Clifton im Retrolook daher. Vorlage dafür war die Wirtschaftswunderzeit der 1950er-Jahre.

Kein Grund zur Panik

Von einem Wirtschaftswunder spricht 2013 zwar niemand, aber der Branche geht es vergleichsweise gut. Um bei Richemont zu bleiben: Konzernweit stiegen die Erlöse von Oktober bis November 2012 auf 2,86 Milliarden Euro, das bedeutet ein Plus von fünf Prozent. Aber auch Luxusuhrenfabrikanten haben (Luxus-)Probleme. So möchte die Swatch Group nicht mehr länger der "Supermarkt" für andere Marken sein. Denn von dem zu Swatch gehörenden Hersteller Eta beziehen viele Marken (auch, aber nicht nur zu Richemont gehörende) ihre mechanischen Rohuhrwerke. Damit soll jetzt Schluss sein. Mancher Hersteller hat bereits seine Schlüsse daraus gezogen und lässt die Bestandteile im eigenen Haus fertigen.

Gleich zu Beginn der SIHH schockierte Richemont mit schlechteren Geschäftszahlen als erwartet, was zur Folge hatte, dass der Aktienkurs merklich nachgab. Begründet wurde das mit der Zurückhaltung der Asiaten. Kein Grund zur Panik, sagen Insider, das gibt sich wieder. Spätestens zum chinesischen Neujahrsfest im Feber, an dem sich die Chinesen gerne beschenken, sollte es wieder aufwärtsgehen. (Markus Böhm, Rondo, DER STANDARD, 1.2.21013)

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    Schöne, teure und handwerklich meisterhaft produzierte Uhren stehen am Genfer Uhrensalon im Mittelpunkt.

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