Steuerpakt mit Liechtenstein - ein Déjà-vu

29. Jänner 2013, 18:30
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Eine Amnestie wird nicht in allen Fällen möglich sein

Wie bereits im Vorfeld durch Finanzministerin Fekter angekündigt, ist am Dienstag das Steuerabkommen zwischen Österreich und Liechtenstein unterfertigt worden. Dabei entspricht das Abkommen in weiten Teilen jenem mit der Schweiz, wobei sich die maßgeblichen Stichtage jeweils um ein Jahr nach hinten verschoben haben. Maßgebliche Basis für den pauschalen Steuerabzug ist somit grundsätzlich der höhere Wert an den beiden Stichtagen 31.12.2011 und 31.12.2013.

Die Steuersätze für die mögliche pauschale bzw. anonyme Abgeltung entsprechen mit 15-38 Prozent exakt den Werten aus dem Schweizer Abkommen. Die unterschiedliche Höhe versucht auch hier unter Heranziehung einer Formel zu berücksichtigen, ob sich das Vermögen in den letzten zehn Jahren (also dem Verjährungszeitraum) vorwiegend durch Kapitalerträge erhöht hat oder innerhalb dieses Zeitraums zusätzlich Einzahlungen erfolgt sind. In letzterem Fall geht die Finanz davon aus, dass auch die Einzahlungen selbst aus unversteuertem Einkommen stammen, wofür bekanntlich bis zu 50 Prozent Steuer fällig gewesen wären.

In den meisten Fällen, d.h.: bei konstanter oder nur leicht steigender Vermögensentwicklung wird der pauschale Steuersatz jedoch bei 15 Prozent liegen. Abweichend vom Schweizer Vorbild sind vom Liechtenstein Abkommen jedoch nicht nur Konten bzw. Depots bei Banken in Liechtenstein umfasst, sondern - sofern die Veranlagung über eine Stiftung erfolgte - auch Vermögenswerte, die unter Umständen weltweit bei anderen Banken geparkt sind.

Wenn man davon ausgeht, dass sich das durchschnittliche in einer Liechtensteinischen Stiftung geparkte Vermögen über der typischen Größe eines Schweizer Depots bewegt, wird für die meisten Liechtenstein Fälle eine Regel umso mehr gelten: Sofern die ursprüngliche Herkunft der Gelder entweder sauber oder verjährt ist, wird eine nachträgliche Offenlegung, also die Selbstanzeige, so gut wie immer zu einem günstigeren Ergebnis führen, als den Pauschalabzug in Anspruch zu nehmen.

Offenlegung nicht nachteilig

In keinem der bislang (von unserem Haus) betreuten Vielzahl von Fällen hat sich bisher die Offenlegung für die Anleger als nachteilig herausgestellt. Ganz im Gegenteil, die Ersparnis war besonders für größere Vermögen zum Teil ganz erheblich. Auch müssen Betroffene im Falle der Offenlegung nicht fürchten, persönlich mit der Finanz in Berührung zu kommen. In der Regel wird das gesamte Verfahren von einem auf derartige Fälle spezialisierten Steuerexperten abgewickelt und selbst die Steuernachzahlung kann aus dem vorhandenen Auslandsvermögen beglichen werden.

Den in die seinerzeitige Gründung sowie die laufende Gebarung der Stiftung eingebundenen Treuhändern kommt im aktuellen Abkommen eine ganz besondere Rolle zu, da sie analog zu den betroffenen Banken ebenfalls die diversen Steuern einzubehalten und abzuführen haben. Eine Besonderheit ist dabei die Einhebung einer Eingangssteuer, die künftig bei Zuwendungen an intransparente Stiftungen erfolgen soll, wodurch eine Veranlagung im Inland gefördert werden soll. Intransparente, also einer österreichischen Privatstiftung nachgebildete Stiftungen, kommen am Bankplatz Liechtenstein zwar auch immer wieder vor, die Mehrheit wird jedoch als transparent behandelt werden, wodurch es zu einer direkten Zurechnung der Einkünfte zu den wirtschaftlich berechtigten Personen kommt womit im Ergebnis kaum ein Unterschied zu einem reinen Wertpapierdepot besteht.

Post für die Betroffenen

In den nächsten Wochen und Monaten werden die Betroffenen vermutlich von ihren Banken bzw. Treuhändern angeschrieben werden, wobei sie um eine Entscheidung ersucht werden, ob sie den Weg der pauschalen Abgeltung im Ausmaß von mindestens 15 Prozent ihres Vermögens oder nicht doch lieber den der Offenlegung gehen wollen.

Leider umfasst jedoch das Abkommen nur depotfähiges Finanzvermögen, obwohl in Liechtensteinischen Stiftungen oft auch Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und andere Vermögensgegenstände gehalten werden. Die Krux dabei ist, dass im Falle einer Offenlegung jedenfalls auch die Nicht-Finanzwerte bzw. allfällige Einkünfte daraus deklariert werden müssen und bei Inanspruchnahme des Abkommens sieht es für die Betroffenen auch nicht besser aus. Die Pauschalsteuer gilt nämlich nur die vom Abkommen umfassten Kapitalerträge ab, nicht jedoch allfällige Erträge aus anderen Vermögenswerten. Eine Amnestie wird daher nicht in allen Fällen möglich sein. (Thomas Wilhelm, derStandard,at, 29.1.2013)

Mag. Thomas Wilhelm ist Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereichs Asset Management Tax.

  • Das Abkommen umfasst nur depotfähiges Finanzvermögen.
    foto: ernst & young

    Das Abkommen umfasst nur depotfähiges Finanzvermögen.

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