Wirtschaftskrise setzt Medien unter Druck

30. Jänner 2013, 05:30
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Stagnation in Asien und einige Rückschritte in Europa zeigt die Rangliste 2012 zur Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen. Auch Österreich büßte gegenüber dem Vorjahr sieben Positionen ein

Wien - Weitgehend negative Töne schlägt die Organisation Reporter ohne Grenzen (Rog) im Bericht zu ihrer Rangliste der Pressefreiheit für das Jahr 2012 an. Wirtschaftlicher Druck führe in vielen westlichen Verlagen zu wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Österreich ist in der Rangliste im Vergleich zum Vorjahr um ganze sieben Positionen abgerutscht und liegt nun auf Rang zwölf. Grund ist laut Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen in Österreich, auch hier der gestiegene wirtschaftliche Druck.

Noch stärker schlagen die wirtschaftlichen Probleme in den Krisenländern Griechenland (Rang 84) und Spanien (36) durch. Deutlich verschlechtert habe sich die Situation auch in Ungarn (56). "Die Mediengesetze schränken die Redaktionen stark ein", Selbstzensur sei weitverbreitet.

In der Türkei saßen im vergangenen Jahr mindestens 42 Journalisten im Gefängnis, in den meisten Fällen in Verbindung mit der umstrittenen Antiterrorgesetzgebung. Wegen des Verbots mehrerer Zeitschriften wurde das Land am Montag vom Menschenrechtsgerichtshof gerügt.

Zensur, Gefängnis, Angriffe

Auch China, wo es Anfang des Jahres Proteste gegen Zensur bei der Zeitung Wochenende im Süden gegeben hatte, rangiert weiterhin am unteren Ende der Liste.

In Vietnam, das seine Medien, so wie China, streng kontrolliert, hebt der Bericht vor allem die Verfolgung von Internet-Aktivisten hervor. Zuletzt wurden etwa laut dem Vietnam Committee on Human Rights der prominente Blogger Le Anh Hung festgenommen, der über Korruption berichtet hatte.

Insgesamt starben laut dem International Press Insititute (Ipi) in Wien im vergangenen Jahr 139 Journalisten in Ausübung ihres Berufes - das ist die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen 1997. Ähnliche Zahlen nennt auch Reporter ohne Grenzen. Die gefährlichsten Staaten waren Syrien (Rang 176), Somalia (175) und Pakistan (159). Zahlreiche Journalisten wurden auch nach Berichten über den Drogenhandel in Mexiko (153) und Brasilien (108) ermordet.

Sowohl in Ägypten (158) als auch in Tunesien (138) wurden zwei Jahre nach den Revolutionen immer noch zahlreiche Angriffe auf Journalisten verzeichnet. Nach Meinung der internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wird in Ägypten sogar rigoroser gegen kritische Journalisten vorgegangen als unter Ex-Präsident Hosni Mubarak.

Indes wurde am Dienstag in der Ukraine, wo 2012 laut Rog die Gewalt gegen Journalisten deutlich zugenommen hat, der ehemalige Milizoffizier Alexej Pukatsch zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte gestanden, im Jahr 2000 den regierungskritischen Journalisten Georgi Gongadse bei einem Einschüchterungsversuch getötet zu haben. Pukatsch bestritt einen Tötungsvorsatz, das Gericht entschied aber auf Mord. (Manuel Escher, DER STANDARD, 30.1.2013)

  • Pressefreiheit 2012: Weltrangliste von Reporter ohne Grenzen.
    grafik: der standard

    Pressefreiheit 2012: Weltrangliste von Reporter ohne Grenzen.

  • Protest in Sri Lanka: Sandya Ekneligoda, die Frau des vermissten Journalisten Prageeth Ekneligoda.
    foto: ap/eranga jayawardena

    Protest in Sri Lanka: Sandya Ekneligoda, die Frau des vermissten Journalisten Prageeth Ekneligoda.

  • Demonstration gegen Zensur bei der chinesischen Zeitung "Wochenende im Süden". 
    foto: reuters / bobby yip

    Demonstration gegen Zensur bei der chinesischen Zeitung "Wochenende im Süden". 

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