"Journalisten werden als militärische Ziele gesehen"

Interview |
  • Barbara Trionfi (li.) und Naomi Hunt (re.) vom IPI.
    fotos: ipi

    Barbara Trionfi (li.) und Naomi Hunt (re.) vom IPI.

Annähernd 140 Journalisten wurden 2012 getötet. Sorgen machen auch neue Übergriffe in Europa, sagten Barbara Trionfi und Naomi Hunt vom International Press Institute in Wien

STANDARD: Haben die jüngsten Geschehnisse rund um die zensierte Zeitung " Wochenende im Süden" Hoffnungen auf mehr Pressefreiheit in China gedämpft?

Trionfi: Es war sehr gut, dass die Welt darüber gesprochen hat. Ich sehe es aber nicht als eine Entwicklung, die Chinas Zukunft verändern wird. Die Pressefreiheit hat sich zuletzt langsam erweitert. Mikroblogs haben ein gewisses Bewusstsein geschaffen.

STANDARD: Ist der Online-Journalismus in China eine Chance zu mehr Freiheit?

Trionfi: Es gibt viele Leute, die im Internet Informationen verbreiten. Journalistisches, aber auch Meinungen. Da gibt es eine gewisse Öffnung - mit regelmäßigen Rückschritten.

STANDARD: 2012 starben laut Ihrem Institut 139 Journalisten, ein neuer Höchstwert. Was sind die Gründe?

Trionfi: Die Zahlen in Ländern wie Pakistan, Somalia, oder Mexiko sind gleich geblieben. Dazu kam Syrien, wo 39 Journalisten getötet wurden, fast ein Drittel der Gesamtzahl.

Hunt: Der Grund für die hohe Zahl in Syrien ist, dass Journalisten von beiden Seiten als militärische Ziele gesehen werden.

STANDARD: Gab es 2012 auch positive Entwicklungen?

Trionfi: Burma ist eine Erfolgsgeschichte. Das Ende der Vorzensur ist ein großer Schritt - auch wenn es weiter reguläre Zensur gibt.

STANDARD: Und die Staaten des Arabischen Frühlings?

Hunt: Es ist zu früh, um das zu sagen. Aber es gibt neue Stimmen, und sie sind erfolgreich. Etwa der "ägyptische Jon Stewart" (Bassem Youssef, Anm.), der eine sehr beliebte TV-Show hat. Er wurde allerdings auch verklagt. Und er ist nicht der einzige.

STANDARD: Hat die Krise in Europa Folgen für die Pressefreiheit?

Trionfi: In Griechenland und Spanien hat es bei Demonstrationen Angriffe auf Journalisten gegeben, das ist die eine Sache. Sorgen macht auch, dass Zeitungen Probleme haben und viele Journalisten entlassen wurden. (Manuel Escher, DER STANDARD, 30.1.2013)

Barbara Trionfi ist Abteilungsleiterin für Pressefreiheit im International Press Institute (IPI) in Wien und Expertin für Asien. Naomi Hunt ist Beraterin im IPI. Ihr Fokus liegt auf Afrika und Nahost.

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1 Posting
so so

waaaas die 3 sekundenreportage nach dem motto ich flog sah und fragte dumm wird weltweit nicht akzptiert und die flankierenden aufblasartikel vom dem lokalen altchef werden von den opfer zu recht als aggression gesehen und gelesen? und die forschung "weiss" es nicht, weil das schmiergeld dazu fehlt bzw die foerderung zur erkenntnis? ja wie viele kleine muenzen muss man bei einem reporter zb einwerfen, damit er versteht der unterschied zwaischen ueberwachungsdrohne und bombendrohne liegt nicht mehr in der traglast?

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