Verbund wegen niedrigen Strompreises abgestraft

Günther Strobl
29. Jänner 2013, 21:53

Der Verbund, Österreichs größter Stromverkäufer, leidet, weil er nicht mehr so viel verdienen kann wie früher

Wien - Verbund-Aktionäre haben auch schon bessere Zeiten gesehen - als Finanzinvestoren wie auch als simple Strombezieher. Statt einer Wertsteigerung auf das eingesetztes Kapital steht beim Aktienkurs ein sattes Minus von 22 Prozent, wenn man den Schnitt der letzten 52 Wochen heranzieht.

Der Strompreis für Haushalts- und Gewerbekunden wurde im vorigen Sommer bis 2014 eingefroren. Damit wird es für die gut 250.000 Haushaltskunden des Verbund zwar nicht teurer, aber auch nicht billiger. Und das zu einer Zeit, wo Mitbewerber zum Teil günstigere Angebote haben.

Am Dienstag setzte die Schweizer UBS noch eins drauf. Deren Analysten gaben für das Verbund-Papier eine Verkaufsempfehlung; sie stuften die Aktien von "neutral" auf "sell" zurück und senkten das Kursziel von 17 auf 13 Euro. Als Begründung wurde der Verfall der Großhandelspreise an der für Österreich maßgeblichen Strombörse Leipzig genannt. Die Ertragsdecke des Verbund dürfte jedenfalls kürzer werden. Die UBS-Analysten erwarten für 2012 einen Gewinn je Aktie von 1,09 Euro, der in den Folgejahren auf 1,10 bzw. 0,89 Euro schrumpfen sollte. An der Börse brach die Verbund-Aktie am Dienstag um 2,5 Prozent auf 16,2 Euro ein.

Beim Verbund verweist man auf das "energiewirtschaftliche Umfeld", das sich massiv verschlechtert habe. "Die Situation ist nicht einfach", sagte eine Sprecherin. Tatsächlich hat sich der Strommarkt in Europa in den letzten Jahren total gedreht. Bis 2008, als mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers die Wirtschaft erschüttert, die Konjunktur gebremst und die Stromnachfrage gedrosselt wurde, zählte Verbund gemeinsam mit CEZ (Tschechien) und Fortum (Finnland) zu den profitabelsten Unternehmen der Branche. Niedrige Produktionskosten aufgrund großteils abgeschriebener Wasserkraftwerke und hohe Strompreise machten den Stromverkauf für Verbund zu einem äußerst lukrativen Geschäft.

Vom Höchststand 2008 ist der Großhandelspreis für Grundlaststrom um rund die Hälfte auf 20 bis 30 Euro je Megawattstunde (MWh) gefallen. Hauptgrund sind neben der schwächelnden Konjunktur die massiv in den Markt drängenden erneuerbaren Energien. "Das wird zunehmend ein Problem", sagte der Geschäftsführer der E-Control, Martin Graf, dem STANDARD. "Solar- und Windkraftwerke haben null Grenzkosten, sind nicht Teil des Marktes - weil subventioniert - und drängen andere Erzeugungsformen hinaus." Sein Resümee: "Ein neues Marktdesign muss her."

Das könnte so aussehen, dass man den unbedingten Vorrang für Strom aus Wind- oder Solaranlagen kippt und durch ein Modell ersetzt, bei dem auf den Marktpreis für Energie noch eine Prämie für Erneuerbare draufkommt. Dann würde jene Kraftwerksanlage den Strompreis bestimmen, die gerade noch ans Netz genommen werden muss. Das ist zwar jetzt auch der Fall, im Gegensatz zur jetzigen Situation wären dann aber auch Wind- und Solaranlagen diesem Spiel unterworfen und kämen gemäß ihrer Kosten zum Einsatz. Am Dienstag gab es wegen der Windsituation in Deutschland Rekord-Stromimporte nach Österreich.

Bis das neue Marktdesign steht, werden die Zeiten für Verbund & Co schwierig bleiben, meinen Marktbeobachter. In den nächsten zwei Jahren zeichnen sich keine Preiserhöhungen auf den Großhandelsmärkten ab. Das führt zu der Situation, dass es Energieunternehmen wie der RWE noch vergleichsweise gut geht, die viele Kohlekraftwerke in ihrem Bestand hat. Im Vergleich zu Gas ist Kohle nicht zuletzt wegen der niedrigen CO2-Preise derzeit nämlich konkurrenzlos günstig. (Günther Strobl, DER STANDARD, 30.1.2013)

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Kosten

Und vielleicht kann sich noch jemand erinnern... Hieß es nicht vor 1,2,3 Jahren: Erneuerbare werden Strom unleistbar machen, etc...

Man kann nur hoffen das sich die Verbund,etc... & Gaskraftwerklobby (Russland (weil Gasexporteuer), etc...) nicht durchsetzt und sie weiterhin den Konsumenten die Kosten ihrer Fehlinvestitionen aufbürden können...

Also wenn man die Verflechtungen am österreichischen Strommarkt kennt, dann frag ich mich weshalb der Verbund zu 51% in Besitz der Republik ist?

Wenn man schon die freie Marktwirtschaft im Energiesektor propagiert, dann bitte richtig.

"Am Dienstag gab es wegen der Windsituation in Deutschland Rekord-Stromimporte nach Österreich." Nur stand die Geschichte gestern auf orf.at GENAU umgekehrt:

Im Norden Deutschlands gibt's eine Rekord-Windkrafternte, richtig. Nur fehlen die Leitungen diesen Strom nach Süddeutschland zu bringen. Da aber durch das hohe Windkraftangebot der deutsche Börsenpreis für Strom sehr niedrig ist wollen viele Kraftwerke mit hohen Grenzkosten nicht produzieren. -Resultat: über 1000MW aus der "Kaltreserve", Großteiles in Österreich, mussten angefordert werden damit das Deutsche Netz nicht zusammenbricht!(Dazu kommt, dass diese Kraftwerke alle im Teillastbetrieb fahren müssen um bei Bedarf/Windloch die Produktion auch noch schnell steigern zu können!
So ist das halt mit der Windkraft: Geht kein Wind braucht man viele "Ausgleichskraftwerke", geht aber Wind braucht man auch viele "Reservekraftwerke"! ;)

danke, ich hab den entsprechenden, etwas wirren, artikel hier im standard überhaupt nicht verstanden.

Daher musste die Kaltreserve ja auch letztes Jahr zweimal aktiviert werden, weil die bösen Windräder Engpässe bei der Gaslieferung verursacht haben dann auch noch ein Atomkraftwerk ausfallen haben lassen.
Die Kaltreserve hat übrigens im Normalfall weit höhere Grenzkosten als die Kraftwerke, die aus Marktgründen nicht produzieren wollen, d.h. es liegt am Markt und nicht an der Windkraft, dass so viele Reservekraftwerke benötigt werden.

".. d.h. es liegt am Markt..."

Ja, es liegt wohl am Markt, wenn Strom der ~3x teurer ist als der vom Markt zu Verfügung gestellt wird ohne Hirn und verstand über alles andere erhoben wurde!
Die EE-Betreiber tragen ja noch nicht mal eine Verantwortung dafür wo Sie ihren Zufallstrom einspeisen: Gibt es dort überhaupt Verbraucher oder eine (genügend starke) Überregionale Netzanbindung. -Gibt es PumpspeicherKW die überschüssigen Strom aufnehmen können?
Mal ein ganz einfacher Vorschlag: Vorrangige Einspeisung abschaffen und wenn die Ihren Strom trotzdem noch verkaufen wollen müssen eben die Windparkbetreiber/Besitzer auch noch die Leitungen und PumpspeicherKW bezahlen. -Bis auf den letzten ct!

Solar- und Windkraftwerke........sind nicht Teil des Marktes - weil subventioniert

Wer als im Energiesektor Tätiger solche Aussagen von sich gibt, ist entweder unfähig für den Job oder korrupt.

Atomkraft und fossile Energien schöpfen ein vielfaches dessen an Subventionen ab, als die Erneuerbaren erhalten.

Lediglich die Art der Subvention ist anders - besser versteckt! Das beginnt bei der Mitfinanzierung von Förderanlagen, Pipilines, etc, betrifft die Forschung und Entwicklung, die Übernahme zentraler Kosten (z.B. Atommüllentsorgung, militärische Ressourcensicherung,..) Stuerbefreiungen aller Art, Marktsubventionen a la Pendlerpauschale, Versicherungserleichterungen,...

Die E-control erweist sich immer klarer als ein Haufen sturer Momentpreisstarrer ohne Vision und Background für eine moderne Energieversorgung.

Vielleicht erklären Sie uns dann mal auf wo im Ausland

unsere Armee Förderanlagen und Pipelines schützt oder wieviel unser Staat zu der Nabucco Pipeline dazuzuahlt?! -Die Märchen die Sie erzählen werden halt auch immer Verzweifelter! ;)

Was an Subventionen in ein globales Geschäft fließt, verzerrt die Märkte, gleich wo genau die Subvention stattfindet.

Das zu verstehen braucht es natürlich entweder Denkvermögen, oder einen idoeogisch freien Kopf.

Aber wer sich einzelne Argumente herausgreift, diese ohnehin nicht versteht/verstehen will und andere ignoriert (weils net passen) der setzt seinen Kopf offensichtlich nicht optimal in Betrieb.

Ok, dann fragen wir anders:

Welcher Staat zahlt denn überhaupt zu der Nabucco Pipeline was dazu?
oder
Wie viel hat der Bund zum Gaskraftwerk Mellach dazugezahlt?

10+ grüne Stricherl von mir...! :-)

"Vom Höchststand 2008 ist der Großhandelspreis für Grundlaststrom um rund die Hälfte auf 20 bis 30 Euro je Megawattstunde (MWh) gefallen"

na, zum glück halten wir konsumenten mit unseren überteuerten preisen den verbund am leben und verhelfen den aktionären zu [leider nicht jugendfrei]...

weil: konsument blecht derzeit -sagen wir - 7 cent netto (ohne ust) pro kwh, das sind 70 euro je megawattstunde. plus netzgebühren. plus steuern. plus ust.

lieber verbund: wieso ist unser strompreis um mehr als das dreifache oder 2,5fache höher als der grosshandelspreis???
ok, wienstrom legt drauf. 250-300%???

oder verbundstrom direkt an konsumenten: verbund legt drauf: 250-300%???

wucherei???

ich bitte um eine nachvollziehbare verständliche aufstellung, warum meine kwh strom 7 cent und nicht 4-4,5 cent kostet. danke.

anbieterwechsel ist so leicht wie nie. warum tun sies nicht, anstatt hier zu sudern?

ps die gewinne des verbunde kommen eh ihnen wieder zu gute. mehrheitsaktionär ist die republik mit 51%.

klar kommt das zugute, genauso wie die 22% kursverlust

Und was ist mit den Fehlinvestitionen

Der Verbund bekam von Pröll 500 Millionen Kapitalerhöhung zum Ausbau der Wasserkraft. Was ist passiert?
http://tinyurl.com/bllffoz
Mittlerweile wurden die Türkei mit Verlust verkauft. Warum steht davon nichts im Artikel?

weil die türkische enerjisa nicht mit verlust verkauft wurde

Da war der Standard anderer Meinung

http://derstandard.at/135320711... nerjisa-ab

die sache mit dem asset deal ist ziemlich komplex und die frage von gewinn/verlust hängt ziemlich stark von bewertungen der tauschgüter ab.

verbund wird intern jedenfalls einen relativ hohen gewinn verbuchen, wies bei e.on aussieht, kann ich nicht sagen

http://www.verbund.com/cc/de/new... alisierung
(PDF) http://www.verbund.com/~/media/8... D79C02.pdf

genaueres wird man erst anfang märz nach veröffentlichung des jahresabschlusses sagen können

die kalkulation vom standard stimmt aber ziemlich sicher nicht, weil die details damals noch nicht bekannt waren (zb rückerstattung der investitionen von 2012)

sometimes up, sometimes down... und?

up and down sind halt nicht antizyklisch, sondern prozyklisch und verschärfen

jetzt fällt mir gerade ein:

beim letzten/vorletzten gesudere des verbunds endete das mit einer preiserhöhung für den end-privat-kunden und einer feinen ausschüttung für die aktionäre...

Wenn man das so vergleicht

Großhandelspreis 20-30 € pro MWH. Als Privatkonsument kostet das beim Verbund als Bestandskunde ca. 260,- davon Energie 85,- Steuern 40,- Rest ist Netzkosten.

DAvon kann man leben und sich teure Manager leisten

IRgendwie wurde der Herr Graf vermutlich falsch zitiert...

Der Stromgroßhandelspreis für Grundlast im JAhr 2014 beträgt aktuell 44,61 Euro/MWh.

Fürs Wochenende kann schon um ca. 30 Euro bezogen werden - genauso kann es aber an bestimmten Tagen wieder sehr teuer werden...

eex link wollte ich noch ergänzen

zu meinem posting:

http://www.eex.com/de/

ein bisschen informieren, bevor man postet: der strompreis setzt sich ca. aus je einem drittel für das netz, energie sowie für steuern und abgaben zusammen.

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