Überreste einer Nova in 3D

2. Februar 2013, 21:05
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Nova Persei 1901: Astronomen rekonstruieren Reise des Gases - Geschwindigkeit hat sich überraschenderweise kaum verringert

Vor mehr als 100.000 Jahren hat sich der Stern GK Persei von einem Roten Riesen zu einem Weißen Zwerg entwickelt. Dabei bildete sich durch das Abstoßen der äußeren Hülle ein planetarer Nebel um den Stern, eine riesige Gaswolke. Im Jahr 1901 konnte von der Erde aus eine Explosion im Sternbild Perseus beobachtet werden: Nova Persei 1901. An diesem Tag, am 19. Februar, beobachteten Astronomen, wie sich die Helligkeit des Weißen Zwergs in rund 1.300 Lichtjahren Entfernung plötzlich intensivierte - bis der Stern zu einem der hellsten am Himmel wurde. Nova Persei 1901 war durch eine starke thermonukleare Eruption auf der Oberfläche verursacht worden.

Nova rekonstruiert

Nun hat ein europäisches Astronomenteam mit Hilfe zweier Teleskope auf La Palma (Kanaren) die Reise des Gases der Nova rekonstruiert und festgestellt, dass es - entgegen der Vorhersagen - bis heute die Geschwindigkeit kaum verringert hat. Durch die Explosion waren Gasknoten entstanden, die 1916 auf der Erde sichtbar wurden. "Seither gleicht das visuelle Spektakel einem Feuerwerk in Zeitlupe", so Miguel Santander, Forscher am spanischen Nationalobservatorium und Koautor der Studie.


Ausdehnung der Nova Persei (Video: Liimets at al./ApJ.)

Bislang hatte man angenommen, dass das Gas der Explosion vom planetaren Nebel bzw. der Menge des Materials im Weg deutlich verlangsamt werden würde. Seine Geschwindigkeit blieb aber innerhalb der Bandbreite von 600 bis 1.000 Kilometer pro Sekunde. Das ist auch das Hauptergebnis der Studie: "Das Gas scheint sich in einer ballistischen bzw. freien Art und Weise wegzubewegen und kaum zu verlangsamen - konträr zu dem, was in früheren Untersuchungen angenommen worden war", so Studienleiterin Tiina Liimets vom Tartu-Observatorium in Estland.


Ausdehnung der Nova Persei in 3D (Video: Liimets at al./ApJ.)

Das Forscherteam konnte in geduldiger Arbeit die Bewegungen von mehr als 200 Gasknoten messen, die Dynamik der Nova analysieren und eine 3D-Karte von Nova Persei 1901 erstellen. "Diese Daten sind in der Astrophysik selten verfügbar, da sich die tatsächliche Ausdehnung in der Regel bei der Mehrheit der Objekte nicht beobachten lässt", so Romano Corradi vom Astrophysik-Institut der Kanarischen Inseln. (red, derStandard.at, 2.2.2013)

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