Geschätzte 1.280 Todesfälle durch "Clostridium difficile"

29. Jänner 2013, 17:04
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AGES, Hygieneexperten und Mediziner schlagen Alarm: Seitens der Spitäler bestehe Handlungsbedarf

2.180 Erkrankungen und 159 Todesfälle durch die Infektion mit Clostridium difficile (CDI), das sind die ICD-Daten (International Classification of Diseases) aus dem Jahr 2011 für Österreich. "Hierbei handelt es sich aber leider nicht um die realen Zahlen", sagte Franz Allerberger von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), anlässlich einer kürzlich von Biomedica, AGES und der ÖGHMP initiierten Veranstaltung zum Thema "Clostridium difficile" im Europahaus Wien.

Laut einer im vergangenen Jahr durchgeführten Studie im Kaiser Franz Josef Spital sei der hoch gerechnete Wert für Österreich um ein Mehrfaches höher: Es geht um 1.279 Todesfälle. "Eine alarmierende Zahl, die auf ein gravierendes Problem hinweist, dem in den Medien viel zu wenig Beachtung geschenkt wird", appelliert Allerberger.

Handlungsbedarf seitens der Spitäler

Der Hauptgrund dafür liege vor allem in der Tatsache, dass hauptsächlich ältere und multimorbide Patienten in der Altersgruppe 65 plus von den schwerwiegenden Auswirkungen des Erregers betroffen seien. Doch die Infektion macht auch vor jungen Patienten nicht halt. Die Einnahme von Antibiotika führt in den meisten Fällen zur Schwächung des Darmsystems. Diese Patienten sind, unabhängig vom Alter, anfälliger für Clostridium difficile Erreger.

Clostridium difficile tritt mehr als doppelt so häufig auf wie der gefährliche nosokomiale Erreger MRSA. Nicht zuletzt deshalb bestehe laut Allerberger Handlungsbedarf seitens der Spitäler: "Mehr Fokus auf die Diagnostik, ein restriktiverer Einsatz von Antibiotika und die Umsetzung von entsprechenden Hygienemaßnahmen sind essentiell, um Übertragungen des Erregers und Ausbrüche zu reduzieren."

Diesen Forderungen kann sich Judith Wenisch, hygienebeauftragte Ärztin im Wilhelminenspital und mehrfache Studienautorin im Zusammenhang mit Clostridium difficile, anschließen. "Hinzu kommt die gesetzliche Regelung, dass nur schwer verlaufende Clostridium difficile-Infektionen der Meldepflicht nach dem Epidemiegesetz unterliegen."

Nicht ins System integriert

Um das Ausmaß der Situation in Österreich aber wirklich erfassen zu können, werden Informationen über sämtliche Infektionen benötigt, die durch den Erreger ausgelöst werden. Vergleiche mit anderen Ländern - etwa über KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance System) - sind nicht in ausreichendem Maße durchführbar, da nicht alle Krankenhäuser in Österreich in das System integriert sind.

Eben diese Vergleichbarkeit sei aber im Umgang mit Clostridium difficile von entscheidender Bedeutung. Dazu Wenisch: "Die Aussagekraft von Zahlen und die Wirksamkeit von Maßnahmen kann erheblich erhöht werden, wenn die eigenen Daten zu Infektionshäufigkeiten verglichen werden können. Erst im Kontext mit den Daten anderer Abteilungen oder Stationen ist das Niveau der eigenen Infektionshäufigkeit beurteilbar." (red, derStandard.at, 29.1.2013)

  • Um das Ausmaß der Situation in Österreich wirklich erfassen zu 
können, werden Informationen über sämtliche Infektionen benötigt, die 
durch den Erreger ausgelöst werden.

    Um das Ausmaß der Situation in Österreich wirklich erfassen zu können, werden Informationen über sämtliche Infektionen benötigt, die durch den Erreger ausgelöst werden.

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