I Stangl: Watschen für Banker und Jodel-Dodeln

29. Jänner 2013, 17:14
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Der Kabarettist kommt in "Unter Geiern" nach einer zähen ersten Hälfte doch noch in die Gänge. Mit bäriger Stronach-Parodie

Wien - Erschreckende Nachrichten von der Kleinkunstfront: Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch im Kabarettbetrieb ihre Spuren. Und zwar in einer Form, die weit über das Erwartbare hinausgeht. Wie I Stangl zu Beginn seines neuen Programms Unter Geiern im Kabarett Niedermair erklärt, muss er nicht nur auf die ursprünglich vorgesehenen Showgirls und Videowalls verzichten sowie sich selbst über einen Finanzkonsulenten an eine Investorengruppe verleasen lassen - zur Finanzierung der Bühnenbeleuchtung war gar ein Sponsorenvertrag notwendig.

Die Helligkeit regelt der Unterhaltungsveteran in der Folge durch die euphorische Nennung eines mit Kultursponsoring erfahrenen Glücksspielkonzerns.

Diese putzige Idee ist leider schon das Beste einer nur mäßig spannenden ersten Programmhälfte. Stangl gibt darin einen faktenorientierten Überblick über das internationale Finanzwesen, rechnet die zirkulierenden Geldsummen in mehr oder weniger anschauliche Beispiele wie Münzstapel und Sportwagen um und legt dar, wie es um die Verteilungsgerechtigkeit bestellt ist.

Das macht er natürlich mit bösem Witz und der Zustimmung des Publikums, letztendlich ist es aber nicht mehr als eine weitestgehend unpersönliche Faktenhuberei ohne wirklich neue Schmähs oder Erkenntnisse.

Nach der Pause trifft Stangl eine gute Entscheidung und verlässt die Welt der Zahlen. Von dieser leichten Richtungsänderung profitiert der Abend spürbar. In zweierlei Hinsicht kann der Kabarettist jetzt persönlich werden.

Er berichtet von seiner eigenen Freude an der Post-Privatisierung - endlich kann man in deren Filialen Gurkenschäler kaufen - und geht auch mit den dankbaren Feindbildern aus Politik und Unterhaltung hart ins Gericht. Höhepunkte sind eine bärige Stronach-Parodie und ein Rundumschlag gegen Borg, Berg und andere Nivellierer der öffentlich-rechtlichen Hauptabendunterhaltung.

Das in Stangl schlummernde Rampenteuferl pocht nun auch stärker auf sein Recht, sodass der Abend doch noch kurzweilig ausklingt. Allein für Graf Ali, Strasser, Grasser und Konsorten gibt es kein versöhnliches Ende. Sie werden vom unerbittlichen Richter Stangl zu drakonischen Strafen verdonnert. Geht so in Ordnung. (Dorian Waller, DER STANDARD, 30.1.2013)

  • Bis 29. April immer montags, 19.30 Uhr, im Kabarett Niedermair: I Stangl 
und sein neues Programm "Unter Geiern".
    foto: niedermair

    Bis 29. April immer montags, 19.30 Uhr, im Kabarett Niedermair: I Stangl und sein neues Programm "Unter Geiern".

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