IVD: Deutsche Mieten seit 1992 real sogar gesunken

29. Jänner 2013, 16:28
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Steigende Mieten der letzten Jahre "Nachholeffekte" - Absage an SPD-Pläne: "Mietenregulierung würde notwendige Investitionen vereiteln"

Die Mieten in Deutschland sind seit 1992 zwar nominell gestiegen, allerdings in weit geringerem Ausmaß als die Inflationsrate - und deshalb wurden sie real sogar günstiger. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) hat in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Center for Real Estate Studies (CRES) die IVD-Wohnpreisspiegel aus den vergangenen 20 Jahren analysiert und kam so zu diesem doch recht überraschenden Ergebnis.

Inflation bei 42 Prozent

Demnach ist die durchschnittliche deutsche Wohnungsmiete in den vergangenen 20 Jahren nur um 9,4 Prozent von 5,04 Euro auf 5,51 Euro pro Quadratmeter und Monat gestiegen. In den zehn größten Städten gab es in diesem Zeitraum einen nominalen Anstieg von 7,01 auf 7,96 Euro pro Quadratmeter, was einem prozentualen Anstieg von 13,6 Prozent seit 1992 entspricht.

Die Inflation sei im selben Zeitraum allerdings um 42 Prozent gestiegen, "deshalb liegen die realen Mieten 2012 deutlich unter dem Niveau von vor 20 Jahren", resümiert IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling in einer Aussendung. Gemessen am Nettohaushaltseinkommen sei der Wohnkostenanteil in den vergangenen Jahren sowohl bundesweit als auch in den Großstädten konstant bei rund 16 Prozent geblieben.

"Steigende Mieten erst seit drei bis vier Jahren"

Der moderate Mietenanstieg habe mit der Entspannung des Wohnungsmarkts in den 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends zu tun. "Die Mieten sanken und bewegten sich über Jahre hinweg auf einem konstanten Niveau. Wieder steigende Mieten als Nachholeffekt nach 15 Jahren zurückgehender bzw. stabiler Mietpreise beobachten wir erst seit drei bis vier Jahren, insbesondere in den Großstädten", sagt IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick.

Für das laufende Jahr und die folgenden Jahre erwartet Schick nur moderat anziehende Mieten. "Das Mietwachstum wird sich im Jahresverlauf 2013 allmählich verlangsamen. Derart starke Preis- und Mietsteigerungen, wie wir sie 2011 und 2012 in den besonders begehrten Wohnlagen vieler Großstädte und Ballungsräume erlebt haben, werden 2013 höchstwahrscheinlich nicht mehr auftreten", prognostiziert Schick.

Wohnkostenanteil gesunken

Zur Ermittlung des Wohnkostenanteils hat der IVD die Kosten für eine Drei-Zimmer-Wohnung mittleren Wohnwerts und einer Größe von 70 Quadratmetern verglichen. Für diese Durchschnittswohnung einer deutschen Großstadt mussten Mieter im Jahr 1993 laut IVD 20,13 Prozent ihres Nettohaushaltseinkommens ausgeben. Seit 2006 liegt dieser Anteil konstant bei nur noch 15 bis 16 Prozent.

Die höchsten Mieten deutschlandweit gibt es in München, und die bayrische Metropole verzeichnete auch den stärksten Anstieg seit 1992. Hier gab es laut IVD-Aussendung Zuwächse von rund 21 Prozent. Laut Bayerischem Rundfunk, der sich ebenfalls auf den IVD beruft, stieg das Mietpreisniveau in der Landeshauptstadt allerdings deutlich stärker als das verfügbare Einkommen, nämlich um 45 Prozent im Zeitraum von 1995 bis 2012.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sprach sich am Dienstag dafür aus, als Maßnahme gegen die steigenden Mieten vermehrt neue Wohnungen zu bauen. Außerdem kündigte er an, möglicherweise schon bald an der Schraube namens "Kappungsgrenze" zu drehen. Diese ist im deutschen Mietrecht verankert und schreibt vor, dass eine Miete innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 20 Prozent steigen darf. Seit der vor Weihnachten beschlossenen Mietrechts-Reform können die Länder aber für einzelne Städte oder Regionen autonom eine Obergrenze von maximal 15 Prozent festlegen.

Baugenehmigungen steigen

Die SPD fordert- wie berichtet - in ihrem "Strategiepapier für bezahlbares Wohnen" unter anderem, dass auch Neuvertragsmieten nur noch um zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen. Im IVD hat man dafür naturgemäß wenig Verständnis. "Gerade das nunmehr wieder steigende Mietniveau beziehungsweise die Aussicht auf Mietwachstum sind der entscheidende Anreiz für dringend benötigte Investitionen in den Wohnungsbau", erklärt Kießling. In den letzten 15 Jahren sei zu wenig gebaut worden, "da die Erträge für den Mietwohnungsneubau nicht erwirtschaftet werden konnten. Wenn die Politik die Mieten gesetzlich deckelt, werden Investoren ihr Kapital anderweitig investieren."

Danach sieht es zumindest derzeit aber nicht aus. Die Baugenehmigungen in Deutschland stiegen zuletzt laut aktuellen Daten nämlich wieder deutlich an. Laut einer Statistik des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung wurden im Jahr 2012 rund 245.000 Wohneinheiten baugenehmigt, um 7,4 Prozent mehr als 2011. Für erforderlich hielten die Experten mittelfristig einen jährlichen Neubaubedarf von 193.000 Wohnungen. Laut Bauminister Peter Ramsauer (CSU) sind angesichts der steigenden Mieten in Großstädten aber vor allem in den Ballungszentren mehr neue Wohnungen nötig.

Münchner Vermieter schaffen Fakten

Weil viele Münchner Vermieter die Festlegung einer niedrigeren Kappungsgrenze befürchten - was die Münchner CSU bereits einstimmig beschlossen haben soll -, sorgen sie laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" übrigens schon vor: Es komme derzeit zu einer "Welle von Mieterhöhungen", wird Beatrix Zurek, die Vorsitzende des Mietervereins, von der Zeitung zitiert.  (map, derStandard.at, 29.1.2013)

  • Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland stieg im Vorjahr um 7,4 Prozent.

    Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland stieg im Vorjahr um 7,4 Prozent.

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