Prügelattacke bei WKR-Ball 2012: Fall ungelöst, Ermittlungen laufen

29. Jänner 2013, 14:11
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"Ich wurde nie befragt", kritisiert Gewaltopfer Albrecht Konecny

Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen einen unbekannten, etwa 30-jährigen Täter, der den ehemaligen SPÖ-Fraktionsvorsitzenden im Bundesrat, Albrecht Konecny, am Rand der Demonstration gegen den WKR-Ball 2012 mit einem Schlagring im Gesicht attackiert und niedergeschlagen hat. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Wien auf Anfrage von derStandard.at am Dienstag. 

Im Juni 2012 gab es diesbezüglich Razzien in Deutschland, da auf der deutschen Neonazi-Homepage thiazi.net Postings entdeckt worden waren, die die Attacke auf den 70-Jährigen guthießen. Ein User namens "Prinz Eugen" hatte den User "Eispickel" demnach im Forum gefragt: "Hast du dich an der alten roten Sau vergriffen?" Eispickel darauf: "Nein, ich war's diesmal nicht, aber weiß, wer's war. Du kennst ihn auch. Bekommst PN (Privatnachricht, Anm.). Gut getroffen hat er." Beide gaben im Forum auch an, den Ball des Wiener Korporationsrings am 27. Jänner 2012 besucht zu haben.

Man habe den Usern nachgeforscht, die Ermittlungen seien bislang jedoch ergebnislos geblieben, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Es gebe "noch keinen konkreten Verdächtigen", so Behördensprecherin Nina Bussek.

Verdächtige Postings

Im kürzlich zu Ende gegangenen Küssel-Prozess wurde der Username "Prinz Eugen" dem zweitangeklagten Wiener Felix B. zugeordnet. Felix B. sei zur Causa Konecny jedoch nie befragt worden, sagt seine Verteidigerin Katrin Ehrbar gegenüber derStandard.at. Zwar wird immer noch gegen mehrere andere Männer ermittelt, die ebenfalls verdächtigt werden, als "Prinz Eugen" gepostet zu haben - doch B. wurde am 10. Jänner unter anderem wegen seiner Urheberschaft für "Prinz Eugen"-Postings zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. 

Opfer nicht einvernommen

Albrecht Konecny selbst gibt an, von der Staatsanwaltschaft bis zum heutigen Tag nicht befragt worden zu sein. "Niemand hat Sehnsucht gehabt, mit mir zu sprechen", meint der 70-Jährige, "das Erkenntnisinteresse der Staatsanwaltschaft hält sich wohl in Grenzen." Er habe jedoch die Ermittler auf einen Menschen aufmerksam gemacht, der ihm "bei Gelegenheit über den Weg gelaufen" sei und den er als Täter identifiziert habe, erzählt Konecny im derStandard.at-Gespräch. Die Ermittlungen gegen diesen Verdächtigen seien jedoch eingestellt worden, bedauert der Ex-Politiker - der Mann habe für die Tatzeit ein Alibi vorweisen können.

Der Täter sei jedenfalls bei einer Gegenüberstellung unschwer zu identifizieren, glaubt Konecny, es handle sich um einen circa 30-jährigen Mann mit einem massiven Doppelkinn. Dass es sich um einen Deutschen handeln könnte, schließt das Gewaltopfer jedenfalls aus: Der Täter habe "Geh scheißen, du Oasch!" gerufen - "Wienerischer geht's nimmer", meint Konecny.

Ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen zwei Polizisten, die bei der Attacke untätig zugesehen hatten (derStandard.at berichtete), wurde jedenfalls eingestellt. Eingeschüchtert zeigt sich Konecny nach der Schlagring-Attacke aber nicht: Er werde auch heuer wieder an der Demonstration gegen den Burschenschafterball teilnehmen. (Maria Sterkl, derStandard.at, 29.1.2013)

Nachlese

Interview mit Abrecht Konecny: "Die Polizisten machten keine Anstalten, mir zu helfen"

  • Zieht den Ehrgeiz der Ermittlungsbehörden in Zweifel: Albrecht Konecny.
    foto: derstandard.at/rasch

    Zieht den Ehrgeiz der Ermittlungsbehörden in Zweifel: Albrecht Konecny.

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