Österreichischer Forscher reaktiviert Krebs-Wächter

5. Februar 2013, 11:26
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Mittels Computersimulationen und Laborversuchen Substanz gefunden, die defektes DNA-Wächter-Protein wieder funktionstüchtig macht

Wien - Der Eiweißstoff p53 wird von Forschern auch "Wächter des Erbguts" genannt. Er sorgt etwa dafür, dass sich Zellen mit beschädigtem Erbgut nicht unkontrolliert teilen und einen Tumor bilden. Er ist jedoch bei fast jedem zweiten menschlichen Tumor verändert (mutiert) und dadurch oft wirkungslos; mittlerweile hat man bereits Substanzen gefunden, die ihn wieder in Gang bringen. Der aus Österreich stammende Forscher Peter Kaiser von der Universität Kalifornien in Irvine hat nun herausgefunden, dass eine solche Substanz bei p53 wahrscheinlich in einer Art Tasche andockt. Sie haben daraufhin weitere Substanzen gesucht, die in diese Tasche passen. Eine davon namens Stictinsäure kann p53 in Krebszellen reaktivieren, berichteten sie in der Fachzeitschrift "Nature Communications".

Gemeinsam mit seinem Kollegen Richard Lathrop habe er sich schon längere Zeit an einem Computermodell versucht, mit dem man die Reaktivierung von defektem p53 vorhersagen kann, so Kaiser. Dabei hätten sie Veränderungen gefunden, die inaktives p53, wie es häufig in Tumorzellen zu finden ist, wieder aktivieren können. "Diese Reaktivierungsmutationen haben wir gehäuft in einer Region, die wir 'L1/S3 Tasche' nennen, gefunden", erklärte er.

Diese Tasche sei in der Kristallstruktur nicht zu sehen gewesen, daher hat Kaisers Kollegin Rommie Amaro am Computer ein dynamisches Modell von p53 simuliert. Es hätte gezeigt, dass die Tasche nur hie und da (etwa fünf Prozent der Zeit) geöffnet ist, so Kaiser. Außerdem habe Amaro gesehen, dass dort möglicherweise PRIMA-1 bindet, eine Substanz, die aktuell klinisch getestet wird, weil sie verändertes p53 reaktivieren kann. In Laborversuchen konnte man schließlich zeigen, dass die L1/S3 Tasche wahrscheinlich tatsächlich das Ziel von PRIMA-1 ist.

Stictinsäure passt in die Tasche, fällt aber aus

Seine beiden Kollegen hätten daraufhin mittels Computermodell nach anderen Substanzen gesucht, die in diese Tasche passen. So habe man Stictinsäure gefunden. Sie konnte in Laborversuchen die Aktivität von p53 teilweise wieder herstellen, berichten die Forscher.

"Stictinsäure fällt aber leider als potenzielles Krebsmedikament aus", so Kaiser, denn sie sei chemisch sehr schlecht zugänglich und könne nicht weiter optimiert werden. In der nun veröffentlichten Studie habe man aber nur etwa 2.500 Substanzen im Computer getestet, mittlerweile wären es schon über zwei Millionen. Derzeit würde man die Wirkung der besten davon in Zellen untersuchen. "Wir erhoffen uns wesentlich aktivere Moleküle, die wir dann in Mäusen testen werden", erklärte Kaiser.

Der gebürtige Österreicher hat in Salzburg und Innsbruck studiert, ging anschließend als Postdoc an das Scripps Research Institute nach Kalifornien (USA) und arbeitet seit 2001 an der Universität Kalifornien, wo er eine Forschungsgruppe leitet. (APA/red, derStandard.at, 5.2.2013)

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