Koalitionszwist um "Legebatterie"-Verordnung für Schulen

Heinisch-Hosek vermutet Vorwahltaktik der ÖVP - Schmied: "Da sind keinerlei Befürchtungen notwendig"

Wien - Eigentlich hätte am Dienstag eine Änderung der Bundes-Arbeitsstätten-Verordnung den Ministerrat passieren sollen, die künftig auch an Schulen vorgegeben würde, wie viel Platz Lehrern und Schülern zusteht. Die ÖVP lehnte die Novelle allerdings kurzfristig ab.

Die Volkspartei habe sich mit den vorgesehenen fünf Quadratmetern pro Lehrer und eineinhalb Quadratmetern für jede weitere Person im Raum an eine "Legebatterie-Haltung" erinnert gefühlt, berichteten mehrere Tageszeitungen. Beim Koalitionspartner SPÖ sorgte dieses Vorgehen für Unverständnis.

Heinisch-Hosek: War mit ÖVP und Gewerkschaft akkordiert

Bei Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sorgte das Argument für Verärgerung, dass Schüler damit nicht mehr Platz zugeteilt bekämen als Schafe oder Beutelmäuse in der Tierhaltung. Es handle sich um eine rein technische Norm, die bereits mit der ÖVP und der Gewerkschaft akkordiert gewesen sei.

"Da bin ich wirklich sauer", sagte Heinisch-Hosek vor dem Ministerrat. Sie vermutet eine Vorwahltaktik des Koalitionspartners hinter dem Vorgehen. Kein Kind verbringe seine Zeit in der Schule tatsächlich auf so wenig Platz, tatsächlich stünden pro Schüler zehn bis 15 Quadratmeter zur Verfügung. Bei der Verordnung gehe es um technische Fragen wie das CO2-Volumen und den Abstand zur Tafel in der Klasse.

Auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) versuchte am Rande einer Pressekonferenz zu beruhigen: Derzeit hätten bei Neubauten Klassen 65 bis 70 Quadratmeter. An AHS stünden pro Schüler 10,4 und an HTLs sogar 18 Quadratmeter zur Verfügung. "Wir haben da genügend Spielraum." Die Flächen pro Schüler würden durch die Begrenzung auf 25 Schüler pro Klasse sogar eher größer. "Da sind keinerlei Befürchtungen notwendig." Sie gehe davon aus, dass die Novelle nun überarbeitet wird. (APA, 29.1.2013)

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16 Postings
Es wäre sehr begrüßenswert wenn die SchülerInnen mehr Platz zugestanden bekämen

Es ist wirklich erschütternd auf welchen engen Raum sie sich täglich Stunden aufhalten müssen.

Wenn wir eine Weiterentwicklung in unserem Bildungssystem haben wollen, mit Kurssystemen, Wahlmöglichkeiten, menschliche Behandlung, auch die Möglichkeit für Ganztagsschulen, Förderung einzelner, etc... und sich die Schüler dann auch so lange wie jetzt oder manchmal sogar noch länger aufhalten, sollen sie sich wohl fühlen und eben nicht wie in einem Gefängnis vorkommen.

In keinem anderen Bereich wäre denkbar auf so engen Raum zu arbeiten, geschweige denn genau so zu arbeiten wie vor 50 Jahren oder eigenltich noch länger. Keine Weiterentwicklulng, einfach nur Stillstand.

Die "Begrenzung auf 25" wird in der Praxis der höheren Schulen nicht eingehalten.

Das wäre auch mal einen Artikel wert. Ich kenne BHS, wo 32 Schülerinnen und Schüler in der Klasse sitzen.

.. ach ja, und da geht es doch eigentlich um Architektur-Normen:

Unglaublich, dass da schwarz&rot daraus politisches Kleingeld münzen wollen.

"Die ÖVP lehnte die Novelle allerdings kurzfristig ab."

"Familienpartei" ÖVP.

Rechenkompetenz

65m² bis 70m² pro Klasse ergeben pro Schüler 10m² bis 18m²?

Kleiner Tipp:

Schüler sind im allgemeinen nicht ganztägig in der Klasse angenagelt...

Kindische ÖAAB/GÖDler!

Was soll die, vorgetäuschte, Angst von zu geringen Platzverhältnissen in den Schulen?

Die Schulklassen bestehen ja aus immer weniger Schülern und die Größen der Klassenzimmer blieben in weiten Bereichen seit vielen Jahren gleich. Der Platz für die Klassen, das Kernarbeitszimmer der Lehrpersonen, musste also in den letzten Jahren wesentlich größer geworden sein, bei pro Kopf Betrachtung.

Das Problem ist doch eher, dass in den Klassenzimmer kaum ein Lehrer auftaucht, sehr selten wie die OECD festgestellt hat.

Die Jahresunterrichtszeiten der Ö Lehrpersonen:
Volksschulen:......779 Stunden
Sekundarstufe I:..607 Stunden
Sekundarstufe II:.589 Stunden

Die Klassen sind doch zu <70% ohnehin leer, ganz, ganz leer!

Keiner da, nur weg!

sagen wir mal, die lehrer würden tatsächlich nochmal 30% ihrer lehrzeit zusätzlich

in die allseits so oft bemühte vor- und nacharbeit investieren, komme ich bei sekundarstufe II auf 765,7h p.a.. Bei Volksschulen auf 1012,7 h p.a.

Ein "normaler" angestellter arbeitet in Ö exkl. urlaub und durschnittl. abwesenheiten durch krank, behördenwege u.a. im schnitt 1.580 h p.a.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stun... hnungssatz

ein unterschied von einem drittel, nicht schlecht! da versteht doch jeder, warum die GÖD so auf ihren privilegien beharrt: die haben echt was zu verlieren!

net bös sein

Ich weiß zufällig.... das sind Legebatterien und es ist zu wenig Platz. Und ganz sicher nicht dem Jahr 2012 angemessen.

Die meiste Zeit sind ja die Schüler im Klassenzimmer, 45 Minuten Unterricht, 5 Minuten Pause ...

Eine Unterrichtsstunde dauert 50 Minuten.

"tatsächlich stünden pro Schüler zehn bis 15 Quadratmeter zur Verfügung."

Dieser Satz tut direkt weh und ist eine Beleidung für jegliche irgendwo vorhandene Intelligenz.

Da kann sie gleich behaupten, jedem Österreicher steht ein Hektar zur Verfügung, was ja ungefähr hinkommt, wenn man Die Gesamtfläche Österreichs durch die Anzahl der Einwohner dividiert.

erwarten sie von den beiden zerstörerInnen

des schulsystems nicht allzuviel...

Wenn Politiker mit...

... dem arithmetischen Durchschnitt argumentieren, ist höchste Skepsis angebracht.

In einem Dorf gibt es vier Bauern, drei haben jeweils eine Kuh, der vierte hat 997 Kühe. Der Durchschnittsbauer hat also 250 Kühe - trifft aber auf keinen einzigen auch nur halbwegs zu. So ist das mit einer schiefen Verteilung.

Also, was ist der Median (Quadratmeter/Schüler)?

lol

erinnert mich an das argument der övp von österreichs ach so "kleinstrukturierter landwirtschaft"

Unterschiedliche Ansichten

müssen nicht gleich zu einem "Koalitionszwist" hochgespielt werden. Ich würde eher von einem Meinungsbildungsprozess sprechen.

Klingt aber eher nach "Meine Meinung ist gebildet - belästigen Sie mich nicht mit Fakten".

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