US-Waffenbranche zielt auf Kinder und Jugendliche

1. Februar 2013, 10:59
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Millionen Dollar für Kampagnen, die unter 18-Jährigen den Schießsport schmackhaft machen sollen

Werbung für "leistbare" Halbautomatik-Waffen im Military-Style für "Junior Shooters", in pinkem Design für Mädchen. Reportagen von Jugend-Schießwettbewerben und Übungscamps für Jugendliche. Anzeigen, die dazu motivieren sollen, sich ein Halbautomatik-Gewehr Bushmaster AR-15 unter den Christbaum zu wünschen. Das Magazin "Junior Shooters", aus dem die New York Times diese Bonmots zitiert, bedient das Zielpublikum der jungen und jugendlichen Jagd- und Sportschieß-Fans. Glaubt man den Berichten des Magazins, das unter anderem vom österreichischen Waffenhersteller Glock gesponsert wird, trägt die Beschäftigung mit der Schusswaffe zur Charakterbildung bei.

Das Magazin ist dem NYT-Bericht zufolge nur eine Spielart eines branchenweiten Bemühens, sich die Kundschaft von morgen schon heute zu holen.  Alarmiert durch die rückläufigen Zahlen von Sportschützen in den USA, setzt die Waffenindustrie auf das Zielpublikum der Jugendlichen und Kinder. Millionen Dollar werden in breit angelegte Zukunftskampagnen gelegt. Ein wichtiger Faktor der Strategie: Jugendgruppen sollen mit Schusswaffen, Munition und Geld für Schießtrainings versorgt und zur Jagdleidenschaft motiviert werden. Die innovative Marktstrategie basiert auf zahlreichen Marktstudien, die für Kinder ab acht Jahren eine langsame Heranführung an das Thema empfehlen.

Man solle mit Paintball und Bogenschießen oder anderen "wenig einschüchternder" Aktivitäten beginnen, empfiehlt zum Beispiel eine Studie, durchgeführt für den National Shooting Sports Foundation und den Hunting Heritage Trust aus dem Jahr 2012. Am sinnvollsten sei es, das über Peer-Botschafter, also andere Jugendliche, zu machen, die ihre Alterskollegen für Waffen, Sportschießen und Jagd begeistern sollen. Dass Jugendliche auch in den USA keine Waffen kaufen dürfen, bezeichnen einschlägige Studien laut New York Times als "unvermeidliches Spannungsfeld, das es zu überwinden gilt".

Waffen ab 18 Jahren

Der Besitz einer Langwaffe ist in den USA erst ab 18 Jahren erlaubt, für den Kauf einer Handfeuerwaffe muss man 21 Jahre alt sein (mit Abweichungen wie zum Beispiel in Vermont, wo ein Mindestalter von 16 Jahren für den Kauf einer Waffe gilt). Um bei Schützenvereinen Mitglied zu werden, brauchen Jugendliche aber nur die Erlaubnis ihrer Eltern. Jugend-Psychiater wie Jess P. Shatkin von der New York University warnen vor dem zu frühen Umgang mit der Waffe. Kindergehirne seien auf Risiko ausgelegt, die Altersbeschränkungen sinnvoll und gut.

Eine der treibenden Kräfte hinter den Bemühungen, Kinder zu zukünftigen Kunden zu erziehen, ist die "National Shooting Sports Foundation", der nationale Fachverband für die Waffenindustrie, die 26 Millionen Dollar Jahresbudget des Verbands bestreitet die Branche. Sein Sitz befindet sich just in Newtown, der Stadt, in der Ende 2012 ein 20-Jähriger 26 Menschen, darunter 20 Kinder, tötete. Spätestens seit Newtown ist in den USA die Diskussionum eine Verschärfung des Waffengesetzes wieder voll entbrannt. Die dreht sich allerdings vor allem darum, halbautomatische Waffen zu verbieten und Waffenkäufe zu erschweren.

Die Argumente der Waffenbefürworter sind für jugendliche Waffennutzer ähnlich wie in der allgemeinen Diskussion. Mithilfe des Schießsports sei es möglich, Jugendlichen in positiver Art und Weise ein amerikanisches Kulturerbe näher zu bringen und Verantwortung zu lehren, meint zum Beispiel Steve Sanetti, Präsident der National Shooting Sports Foundation. Es gäbe keinerlei Gründe, warum Kinder nicht den sicheren Umgang mit einer AR-15 lernen sollten, meint auch Andy Fink, Chefredakteur von "Junior Shooters".  Schließlich seien zum Beispiel halbautomatische Gewehre erst in dem Moment Waffen, in dem sie bewusst gegen Personen eingesetzt würden.  Dass Adam Lanza, der Amokläufer von Newtown das Bushmaster AR-15 seiner Mutter benutzte, sei nur am Rande erwähnt. (mhe, 1.2.2013, derStandard.at)

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