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Mark Zuckerberg bei der Präsentation des "Graph Search"
vergrößern 800x731"Arbeitgeber von Menschen, die Rassismus mögen"
Vor zwei Wochen präsentierte Facebook bei einer Pressekonferenz sein neuestes Feature: Der sogenannte "Graph Search" soll die Suche nach anderen Usern, deren Verbindungen und Gemeinsamkeiten erleichtern und sich den aufgebauten Social Graph zu Nutze machen.
Diese Suche soll Antworten auf spezielle Fragen liefern. So kann man nach Fotos seiner Freunde aus einem bestimmten Jahr suchen oder nach den meistkommentierten Bildern. Gemeinsamkeiten wie Lieblingsserien, Arbeitsplatz oder andere persönliche Informationen sind dadurch für den User besser durchsuchbar.
Der Social-Network-Riese hat eigenen Angaben zufolge seit Mai letzten Jahres an der Funktion gearbeitet. Im Moment ist sie als Betaversion für eine begrenzte Anzahl an Usern verfügbar. Wie bei allen Produkten von Facebook, ist auch hier die Beziehung zwischen einzelnen Personen und deren Beziehung zu Unternehmensseiten der treibende Motor. Auch, wenn Google das Web indiziert und dort nach wie vor das beliebteste Produkt liefert, hat Facebook den sozialen Graphen für sich entdeckt: Wer macht was mit wem, wann und warum? Facebook will verstehen, wem die Menschen vertrauen, wo sie nach Informationen suchen und wer ihnen am nächsten steht.
Die New York Times hat einen Blick hinter die Kulissen des Search-Teams bei Facebook geworfen und sich angeschaut, wer und was hinter der neuen Suchfunktion beim blauen Riesen steht. Dieses Team besteht aus zwei Sprachwissenschaftlerinnen, einem Psychologie-Ph.D., einem Statistiker und einigen Programmierern. Besonders die Sprachwissenschaftler spielten bei der Entstehung des "Graph Search" eine wesentliche Rolle: Die 25-jährige Kathryn Hymes und ihre Kollegin Amy Campbell wissen, dass es ihre Aufgabe ist, die Suche in eine natürliche und intuitive Sprache zu verwandeln.
Die "Robosprache", die Facebook bisher kannte, musste also in eine Sprache umgewandelt werden, in der Menschen kommunizieren. Der Code musste völlig umstrukturiert werden. Wo früher die Formulierung der Suchanfragen vom Computer vorgegeben war, ist es heute der User, der den Ton angibt, so der Facebook-Mitarbeiter Loren Cheng.
Zunächst analysierte das Team das Verhalten der User und deren Eingaben beim Suchen. Hinter einer Glaswand saß das Team und schaute sich Nutzerverhalten nicht nur digital, sondern physisch an. Wörterbücher, Zeitungen und parlamentarische Prozesse wurden analysiert, um herauszufinden, wie Menschen Fragen formulieren. Der Algorithmus musste also lernen, was diese Fragen konkret für ihn bedeuten. Dieser erste Algorithmus wurde ebenfalls von Usern getestet, um zu sehen, wie diese damit klarkommen und reagieren. Wie die New York Times hervorhebt, zeigt dieser Weg deutlich, wie Facebook bei der Entwicklung neuer Produkte vorgeht: Es studiert menschliches Verhalten. Facebook will nicht Face-to-Face-Kommunikation eins zu eins ins Web bringen, sondern eine idealisierte Form davon. Davon ist auch der Kommunikations-Spezialist und Standford-Professor Clifford I. Nass überzeugt.
"Die Psychologie dahinter ist keine, die auf der Psychologie menschlicher Kommunikation aufbaut", so Nass. "Es ist Psychologie, die dazu führt, dass Menschen auf der Seite bleiben und in weiterer Folge die Werbung anklicken"
Der riesige Datenberg, auf dem Facebook sitzt, soll schließlich genutzt werden: In der ersten Version der neuen Suche werden Informationen, Fotos und Like-Angaben durchforstet, um sie dem User wieder auf den Bildschirm zu präsentieren. Statusupdates und andere Aktivitäten, die auf der Seite stattfinden, sind der nächste Schritt.
Zusätzlich will Facebook die User "umerziehen". Alles, was sie in ihrer bisherigen an Erfahrung mit gewöhnlichen Suchmaschinen gesammelt haben, wird bei "Graph Search" über Bord geworfen. Dazu gehört auch das Verständnis von Synonymen. Als Beispiel gibt die New York Times das Wort "Student" an. Allein dafür gibt es 25 Synonyme in Facebooks neuer Suche.
Kritiker haben nicht lange gewartet, um die Funktion auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Blog "Actual Facebook Graph Search" soll aufzeigen, wie gefährlich die Suche sein kann: So kann man beispielsweise nach Männern suchen, die Prostituierte mögen oder nach Arbeitgebern, deren Mitarbeiter Rassisten sind.
Da sich das Produkt in der Betaphase befindet und noch nicht alles einwandfrei funktioniert, bleibt abzuwarten, inwiefern Facebooks Graph Search von den Usern angenommen werden wird und welchen Einfluss das Produkt in Zukunft haben wird. Dies ist wesentlich für die Frage, wie Facebook mit dieser Art der Suche Geld verdienen will. (red, derStandard.at, 29.1.2013)
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den völlig gläsernen Menschen in Kauf nimmt, in der Hand eines einzigen globalen US- Unternehmens geht mir immer noch nicht ein.
Na hoffentlich hat facebook eine gewisse Unternehmensethik.
Bin ich paranoid, oder kommt nicht nur mir das Gruseln bei der Vorstellung.
"eine gewisse Ethik" haben die schon... es stellt sich die Frage ob es eine Form der Ethik ist die Sie -und ich zB,impliziere ich mal- als positiv, als akzeptabel empfinden. Ich denke nein.
Was ich schon sehe ist die Umdeutung verschiedener Begriffe á la "1984" -mit voller Absicht- bei zunehmender Verarmung an Ausdrücken die Nuancen spezifizieren. "like - dislike" und nix dazwischen.Ins Extreme gedacht verlieren wir die Kritik"fähigkeit".
Das ist genau das, was ich aber nicht will. Ich habe kein Problem damit, meinen Mitmenschen zu sagen, was meine Lieblingsserie ist und welche Musik ich mag. Ich will nur nicht, dass diese Daten von FB verarbeitet werden und dazu verwendet wird, um mir Werbung noch rafinierter und subtiler unter zu jubeln.
naja, interessant (bzw. gefährlich) ist das "nur", hätten sie Zugriff auf alle (privaten) Daten. Mein zukünftiger Chef ist aber weder mit mir "befreundet" und selbst wenn, würde er nichts mehr sehen als wäre er nicht. Mehr als sie erlauben (müssen) sehen andere nicht, nur weil die Inhalte durchsuchbar sind.
Grundlegend wäre so eine Suche auch von Dritten implementierbar. Facebook stellt den Graph ja auch über eine API bereit. Trotzdem bedarf es der entsprechenden Berechtigungen.
Lustig ist das nur, hätte man einen access all areas pass. Gibt's sowas? Muss mal bei der nsa anrufen...
;-)
kommt immer darauf an, welche angaben der user auf "öffentlich" gestellt hat. welche musik, filme, bücher ich mag, kann beispielsweise jeder einsehen - egal ob freund oder nicht -, da sie von mir auf "public" gestellt sind. ergo lässt sich auch mein profil über graph search finden, wenn jemand als suchparameter "likes 'Less Than Zero'" eingibt.
dasselbe gilt allerdings nicht für meine religiöse/politische einstellung, meine schullaufbahn oder meinen arbeitgeber, da diese informationen auf "friends only" gestellt sind. also eigentlich eh alles wie gehabt, nur dass das graph-zeug die suche (nach öffentlichen informationen) erleichtert.
" Facebook will verstehen, wem die Menschen vertrauen, wo sie nach Informationen suchen und wer ihnen am nächsten steht."
Aber ich will gar nicht das mich Facebook versteht?! Schon gar nicht, wem ich vertraue oder wo ich nach meinen Informationen suche oder wer mir am nächsten steht. Geht's noch? Auf keinen Fall! Dann kann ich ja gleich in den Fernsehcontainer...
Es ist wirklich lustig, ich gehe jede Wette ein, würde diese Suche von Google kommen, dann würden alle Poster hier schreiben wie toll das doch ist und wie innovativ. Macht dasselbe FB dann wird es nur kritisiert. Der Werbspruch Don´t be evil hat sich offenbar wirklich schon in die Köpfe der Poster hineingebrannt. Mir ist es auf alle Fälle schleierhaft warum FB um so viel böser ist als google. Ich persönlich finde google um nichts weniger gefährlich als fb, zum Glück weiß google nicht viel darüber mit wem ich befreundet bin und FB nicht viel was ich bei google suche.
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