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Ceija Stojka ist 79-jährig in Wien gestorben.
Wien - Mit ihren Büchern und Bildern trug sie maßgeblich dazu bei, das Schicksal der Roma zu Zeiten des Nationalsozialismus an die Öffentlichkeit zu bringen. Am Montagnachmittag ist die gebürtige Steirerin und Romni Ceija Stojka im Alter von 79 Jahren in einem Wiener Spital verstorben. "Ich habe zum Stift gegriffen, weil ich mich öffnen musste, schreien", erklärte die Malerin, Sängerin und Autorin 2004 bei einer Ausstellung im Jüdischen Museum ihren Antrieb.
Geboren wurde die Künstlerin am 23. Mai 1933 in der Steiermark als Kind von fahrenden Rom-Lowara aus dem Burgenland. In der Zeit von 1941 bis 1945 war Stojka in den Konzentrationslagern Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen interniert, die sie mit ihrer Mutter und vier Geschwistern als einzigen Mitgliedern einer 200 Personen zählenden Großfamilie überlebte. Ihre Erlebnisse brachte Stojka erstmals für den 1988 veröffentlichten Erinnerungsband "Wir leben im Verborgenen" zu Papier, 1992 folgte die Fortsetzung "Reisende auf dieser Welt".
Aber nicht nur in Worten, auch in ihren Bildern drückte Stojka die Gräuel des Nationalsozialismus aus, immer wieder wird der Betrachter von "Die Finsternis von Bergen-Belsen" und anderen Werken mit Szenen aus dem Leben im KZ konfrontiert. Vor der Internierung in den Lagern fuhr Stojka mit ihren Eltern durch das Land, zu einer Zeit, bevor die "braune Soß'" Europa überschwemmte, wie sie im nach ihr benannten filmischen Porträt von Karin Berger (2001) erzählt. Auch die Zeit nach dem Krieg ist hier Thema, als sie sich etwa die Haare blond färbte, um bessere Jobaussichten zu haben. "Man hat so große Angst gehabt vor dunklen Menschen."
2005 gab es erneut eine Zusammenarbeit mit Berger, die auch als Herausgeberin ihrer Bücher fungierte. Die Doku "Unter den Brettern hellgrünes Gras" (2005) befasst sich in kompakter Weise, beinahe gänzlich auf das gesprochene Wort setzend, neuerlich mit der Lebensgeschichte von Ceija Stojka und wurde 2006 mit dem Fernsehpreis der Erwachsenenbildung bedacht.
Stojka wurde im Laufe ihres Lebens mit etlichen Auszeichnungen bedacht, so erhielt sie den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1993), den Josef-Felder-Preis für Gemeinwohl und Zivilcourage der bayrischen SPD (2000), das Goldene Verdienstkreuz des Landes Wien (2001), die Humanitätsmedaille der Stadt Linz (2004), das Goldene Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich (2005) und den Fernsehpreis der Erwachsenenbildung (2006). 2009 wurde sie von Kulturministerin Claudia Schmied mit dem Berufstitel Professorin bedacht.
Für Schmied leistete Stojka "Unschätzbares" für die österreichischen Roma, ihr Zeugnis gebe "Mut und Hoffnung, dass der Schwur 'Nie wieder' mehr als ein historisches Versprechen ist und sein wird". Auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) würdigte Stojka als "große Persönlichkeit und Künstlerin, die wesentlich zum Selbstbewusstsein der Roma, Sinti und Lowara beitrug". Sie sei die Erste gewesen, die mit ihren Lebenserinnerungen auf deren Diskriminierung und deren Schicksal in den NS-Vernichtungslagern aufmerksam gemacht habe. "Wir haben ihr viel zu verdanken", so der Stadtrat.
Anlässlich des 80. Geburtstags, den die Künstlerin im Mai gefeiert hätte, erscheinen im Wiener Picus Verlag "Aufzeichnungen einer Romni zwischen den Welten", wie der Untertitel zur Neuauflage ihrer beiden Erinnerungsbücher lautet, die erstmals in einem Band erhältlich sind. "Dieses Buch wirkte wie ein Initialfunke in einer gesellschaftlichen Situation, in der sich ein Teil der österreichischen Bevölkerung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zu konfrontieren begann", schreibt Berger im Vorwort. "Ihre Worte und ihre Persönlichkeit haben bei vielen Menschen Sichtweisen verändert, haben einen Anstoß gegeben, neues Wissen aufzunehmen und Vorurteile abzubauen." (APA/red, derStandard.at, 29.1.2013)
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Wir haben zusammen gelacht und geweint du hast mir deine Geschichte erzählt und ich dir meine. Wir haben uns gegenseitig beschenkt und miteinander geredet und gegessen. Ich habe dir meine Kinder vorgestellt und erst vor wenigen Wochen schrieb ich dir einen Brief und wollte dir meinen Jüngsten vorstellen. Und heute erfahre ich, dass du nicht mehr unter uns bist. Ich bin so unsagbar traurig und hätte dich so gerne noch einmal umarmt. Du hast so viel für mich getan. Dein Erbe werden alle jene weiter in die Welt hinaus tragen, die du berührt hast mit deinem leuchtenden Herzen.
Hab dich lieb, Seelenschwester.
Wo auch immer du jetzt bist, bestimmt triffst du jetzt deine Lieben wieder. Sie werden dich empfangen.
Herzgruß aus dem Ybbstal, Sonja R
Ceija Stojka war eine Leitfigur, eine Aufklärerin, eine Kämpferin. Sie hat es geschafft das Unaussprechliche in Worte zu fassen. Sie hat das jahrzehntelange Schweigen in der Roma Community über den Holocaust gebrochen.
Sie erzählte ihre furchtbare Geschichte mit Würde, mit Güte und Liebe. Aber immer ohne einen Vorwurf.
Dann für sie war klar was wichtig ist: Nicht schuld - sondern Verantwortung. Ihr Leben und Werk ist ein ständiger Aufruf gegen das Vergessen...
Wir danken dir Ceija Stojka !
Gilda-Nancy Horvath
ORF Volksgruppen
Ich hatte das Glück, Ceija Stojka vor 18 Jahren kennenzulernen, als sie zum erstenmal anläßlich der 50-jährigen Befreiungsfeier in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zurückkehrte, das ein Teil ihres Leidensweges in der Nazi-Zeit war. Beim Empfang beim damaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg sagte sie zuerst, dass sie nicht singen könne an diesem Abend, weil die Erinnerungen sie traurig machten, aber dann sang sie doch für ihre Leidensgenossinen. Es war ein großartiges Erlebnis für alle, die dabei waren. Am Ende des Abends nahm sie alle Blumen von den Tischen mit - nicht für sich, sondern für all die Frauen die Ravensbrück nicht überlebt hatten. Am nächsten Morgen schwammen sie im Schwedtsee als Zeichen der Erinnerung.
..einen guten Nachruf: heute im Ö1-Mittagsjournal (letzter Beitrag, sieben Tage online)
http://oe1.orf.at/programm/327073
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