Autorin und Malerin Ceija Stojka gestorben

  • Ceija Stojka ist 79-jährig in Wien gestorben.
    foto: standard/robert newald

    Ceija Stojka ist 79-jährig in Wien gestorben.

Die KZ-Überlebende brachte mit ihren Erinnerungsbüchern und Bildern das Schicksal der Roma in der Zeit des Nationalsozialismus an die Öffentlichkeit

Wien - Mit ihren Büchern und Bildern trug sie maßgeblich dazu bei, das Schicksal der Roma zu Zeiten des Nationalsozialismus an die Öffentlichkeit zu bringen. Am Montagnachmittag ist die gebürtige Steirerin und Romni Ceija Stojka im Alter von 79 Jahren in einem Wiener Spital verstorben. "Ich habe zum Stift gegriffen, weil ich mich öffnen musste, schreien", erklärte die Malerin, Sängerin und Autorin 2004 bei einer Ausstellung im Jüdischen Museum ihren Antrieb.

Drei Konzentrationslager überlebt

Geboren wurde die Künstlerin am 23. Mai 1933 in der Steiermark als Kind von fahrenden Rom-Lowara aus dem Burgenland. In der Zeit von 1941 bis 1945 war Stojka in den Konzentrationslagern Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen interniert, die sie mit ihrer Mutter und vier Geschwistern als einzigen Mitgliedern einer 200 Personen zählenden Großfamilie überlebte. Ihre Erlebnisse brachte Stojka erstmals für den 1988 veröffentlichten Erinnerungsband "Wir leben im Verborgenen" zu Papier, 1992 folgte die Fortsetzung "Reisende auf dieser Welt".

Aber nicht nur in Worten, auch in ihren Bildern drückte Stojka die Gräuel des Nationalsozialismus aus, immer wieder wird der Betrachter von "Die Finsternis von Bergen-Belsen" und anderen Werken mit Szenen aus dem Leben im KZ konfrontiert. Vor der Internierung in den Lagern fuhr Stojka mit ihren Eltern durch das Land, zu einer Zeit, bevor die "braune Soß'" Europa überschwemmte, wie sie im nach ihr benannten filmischen Porträt von Karin Berger (2001) erzählt. Auch die Zeit nach dem Krieg ist hier Thema, als sie sich etwa die Haare blond färbte, um bessere Jobaussichten zu haben. "Man hat so große Angst gehabt vor dunklen Menschen."

2005 gab es erneut eine Zusammenarbeit mit Berger, die auch als Herausgeberin ihrer Bücher fungierte. Die Doku "Unter den Brettern hellgrünes Gras" (2005) befasst sich in kompakter Weise, beinahe gänzlich auf das gesprochene Wort setzend, neuerlich mit der Lebensgeschichte von Ceija Stojka und wurde 2006 mit dem Fernsehpreis der Erwachsenenbildung bedacht.

Mehrfach ausgezeichnet

Stojka wurde im Laufe ihres Lebens mit etlichen Auszeichnungen bedacht, so erhielt sie den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1993), den Josef-Felder-Preis für Gemeinwohl und Zivilcourage der bayrischen SPD (2000), das Goldene Verdienstkreuz des Landes Wien (2001), die Humanitätsmedaille der Stadt Linz (2004), das Goldene Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich (2005) und den Fernsehpreis der Erwachsenenbildung (2006). 2009 wurde sie von Kulturministerin Claudia Schmied mit dem Berufstitel Professorin bedacht.

Für Schmied leistete Stojka "Unschätzbares" für die österreichischen Roma, ihr Zeugnis gebe "Mut und Hoffnung, dass der Schwur 'Nie wieder' mehr als ein historisches Versprechen ist und sein wird". Auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) würdigte Stojka als "große Persönlichkeit und Künstlerin, die wesentlich zum Selbstbewusstsein der Roma, Sinti und Lowara beitrug". Sie sei die Erste gewesen, die mit ihren Lebenserinnerungen auf deren Diskriminierung und deren Schicksal in den NS-Vernichtungslagern aufmerksam gemacht habe. "Wir haben ihr viel zu verdanken", so der Stadtrat.

Anlässlich des 80. Geburtstags, den die Künstlerin im Mai gefeiert hätte, erscheinen im Wiener Picus Verlag "Aufzeichnungen einer Romni zwischen den Welten", wie der Untertitel zur Neuauflage ihrer beiden Erinnerungsbücher lautet, die erstmals in einem Band erhältlich sind. "Dieses Buch wirkte wie ein Initialfunke in einer gesellschaftlichen Situation, in der sich ein Teil der österreichischen Bevölkerung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus zu konfrontieren begann", schreibt Berger im Vorwort. "Ihre Worte und ihre Persönlichkeit haben bei vielen Menschen Sichtweisen verändert, haben einen Anstoß gegeben, neues Wissen aufzunehmen und Vorurteile abzubauen." (APA/red, derStandard.at, 29.1.2013)

Newalds Photoblog

In Erinnerung an Ceija Stojka

Nachlese

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1943 ist sie deportiert worden, nicht 1941. 1941 wurde ihr vater wakar ins kz gebracht u ermordet. Ist nur kleine, unwichtige korrektur. ihre erzaehlungen, gedichte, bilder ... dank dank dank

Liebe Seelenschwester

Wir haben zusammen gelacht und geweint du hast mir deine Geschichte erzählt und ich dir meine. Wir haben uns gegenseitig beschenkt und miteinander geredet und gegessen. Ich habe dir meine Kinder vorgestellt und erst vor wenigen Wochen schrieb ich dir einen Brief und wollte dir meinen Jüngsten vorstellen. Und heute erfahre ich, dass du nicht mehr unter uns bist. Ich bin so unsagbar traurig und hätte dich so gerne noch einmal umarmt. Du hast so viel für mich getan. Dein Erbe werden alle jene weiter in die Welt hinaus tragen, die du berührt hast mit deinem leuchtenden Herzen.
Hab dich lieb, Seelenschwester.
Wo auch immer du jetzt bist, bestimmt triffst du jetzt deine Lieben wieder. Sie werden dich empfangen.
Herzgruß aus dem Ybbstal, Sonja R

Friede ihrer Asche!

Wir danken dir Ceija Stojka!

Ceija Stojka war eine Leitfigur, eine Aufklärerin, eine Kämpferin. Sie hat es geschafft das Unaussprechliche in Worte zu fassen. Sie hat das jahrzehntelange Schweigen in der Roma Community über den Holocaust gebrochen.

Sie erzählte ihre furchtbare Geschichte mit Würde, mit Güte und Liebe. Aber immer ohne einen Vorwurf.
Dann für sie war klar was wichtig ist: Nicht schuld - sondern Verantwortung. Ihr Leben und Werk ist ein ständiger Aufruf gegen das Vergessen...

Wir danken dir Ceija Stojka !

Gilda-Nancy Horvath
ORF Volksgruppen

Eine großartige und ganz liebe Frau

Ich hatte das Glück, Ceija Stojka vor 18 Jahren kennenzulernen, als sie zum erstenmal anläßlich der 50-jährigen Befreiungsfeier in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zurückkehrte, das ein Teil ihres Leidensweges in der Nazi-Zeit war. Beim Empfang beim damaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg sagte sie zuerst, dass sie nicht singen könne an diesem Abend, weil die Erinnerungen sie traurig machten, aber dann sang sie doch für ihre Leidensgenossinen. Es war ein großartiges Erlebnis für alle, die dabei waren. Am Ende des Abends nahm sie alle Blumen von den Tischen mit - nicht für sich, sondern für all die Frauen die Ravensbrück nicht überlebt hatten. Am nächsten Morgen schwammen sie im Schwedtsee als Zeichen der Erinnerung.

Eine großartige Frau/2

In den Schwedtsee hagtten die Nazis die Asche der von ihnen ermordeten Frauen geschüttet.

Ergreifende Schilderungen! Danke, dass Sie sie mit uns teilen!
Auf Anhieb fällt mir keine größere Geste von ähnlicher Empfindsamkeit ein wie das von Ihnen erwähnte Schwimmen im Schwedtsee!

Que a terra lhe seja leve!
Das nächste Land möge ihr leicht sein!

PS: wer unter dem Nachruf an Ceija Stojka rote Striche verteilt, der ist wirklich jenseits. Sorry, das gehört sich nicht und das ist nicht gerechtfertigt.

zu ihrem P.S.:

kann ihnen nur zustimmen. evtl. koennte man aus diesen kondolenzthreads die bewertungen herausnehmen?

Community
02
30.1.2013, 18:04

Danke für den Hinweis. Derzeit haben wir dazu keine technische Möglichkeit, also keinen "Schalter" (Bewertungen sind immer möglich). Wir besprechen das aber gerne intern.

danke auch....evtl. kann das ja umgesetzt werden. das ist wirklich aergerlich,wenn kondolenzkommentare durch die bank trollartig rotgestrichelt werden.

ja, das sollte man wirklich machen; dies wäre auch meine bitte, werte standard-forums-aufsicht!

Nicht weinen sollt ihr, weil ihr mich verloren.

Sondern dankbar, dass ihr mich gehabt.

eine bewundernswerte frau. R.I.P.

Sie haben recht,

und dennoch: diese Deklaration gibt uns die Chance, zu erkennen, welch wertvollen Beitrag Roma in unserer Gesellschaft leisten...und das ist leider nötig.

Eine Gute.

Nur etwas. Solange jemand als "Roma-Künstlerin" bezeichnet wird, stimmt irgendwas nicht. War, sagen wir, Marcel Proust ein Franzosen-Dichter? Schönberg ein Juden-Musiker?

Die löbl. Red. liest mit.
Schön.

Eine tolle Frau

Sie war eine tolle Frau und eine tolle Künstlerin!

Wen es interessiert, hier können Bilder von ihr angesehen werden:
http://bcis.pacificu.edu/roma/flashShow.html

Stimmt das?

Ich habe nicht so richtig hingehört, aber in der ZiB zu Mittag wurde - glaube ich eben nur - gesagt, dass der Ratzer Karl auch aus der Stojka-Dynastie stammt.

ja, das stimmt...

Danke für die Antworten,

wozu die roten Stricherln gut sein sollen?

Schauen Sie sich doch um, da geht wer mit seinen Maulwürfen rum & strichelt einfach alles rot, was hier geäußert wird. Irgendein Faschovollpfosten wird's schon sein... Gar ned ignoriern...!! =)

stimmt. karl ratzer ist cousin von hary stojka.

Nachhören..

..einen guten Nachruf: heute im Ö1-Mittagsjournal (letzter Beitrag, sieben Tage online)

http://oe1.orf.at/programm/327073

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