Eine politische Monarchin ist müde geworden

  • Die Abdankung von Beatrix bewegt die Niederlande.
    foto: epa/koen suyk

    Die Abdankung von Beatrix bewegt die Niederlande.

  • Königin Beatrix im Krönungsmantel mit ihrem Gatten Prinz Claus an ihrer Seite 
vor der Nieuwe Kerk in Amsterdam während der 
Krönungsfeierlichkeiten am 30. April 1980.
    foto: dpa

    Königin Beatrix im Krönungsmantel mit ihrem Gatten Prinz Claus an ihrer Seite vor der Nieuwe Kerk in Amsterdam während der Krönungsfeierlichkeiten am 30. April 1980.

  • Das Königspaar mit Willem-Alexander im Juni 1968.
    foto: mario torrisi, file/ap/dapd

    Das Königspaar mit Willem-Alexander im Juni 1968.

  • Februar 1961.
    foto: epa/rijksvoorlichtingsdienst

    Februar 1961.

  • Beatrix, 1946.
    foto: epa/benelux press

    Beatrix, 1946.

Beatrix war äußerst beliebt - Sie spielte innerhalb der der verfassungsrechtlichen Grenzen in der niederländischen Politik eine wichtige Rolle

Den Haag - Jedes Jahr am 30. April hat sich Königin Beatrix von ihren Landsleuten feiern lassen. Der Königinnentag ist der Geburtstag ihrer Mutter Juliana und der Jahrestag ihrer Thronbesteigung. In diesem Jahr werden die Niederländer an dem Feiertag sicherlich auch Wehmut und Abschiedsschmerz empfinden. Denn am Montagabend, drei Tage vor ihrem 75. Geburtstag, kündigte Beatrix an, Ende April nach 33 Jahren auf dem Thron zugunsten ihres Sohnes Willem-Alexander abzudanken.

Als "Symbol der nationalen Einheit", wie sie der niederländische Schriftsteller und Adelsexperte Han van Bree einmal nannte, und moderne "Monarchie-Managerin" ist Beatrix bei ihren Landsleuten äußerst beliebt. Umfragen bescheinigten der Königin mit den adretten Kleidern und bisweilen exzentrischen Hüten regelmäßig hohe Sympathiewerte. Auch zu ihrem 30. Thron-Jubiläum im Jahr 2010 hatte sich eine überwältigende Mehrheit der Niederländer Beatrix weiter als Staatsoberhaupt gewünscht, zugleich aber 2013 als ein gutes Jahr für eine Amtsübergabe genannt.

Politische Monarchin

Anders als ihre Mutter verstand sich Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranien-Nassau und von Lippe-Biesterfeld von Beginn an als politische Monarchin. Sie ließ sich mit "Ihre Majestät" anreden, war sich der verfassungsrechtlichen Grenzen ihres Amtes aber bewusst. Ihr Amtsverständnis machte Beatrix deutlich, als Monarchiegegner gewalttätig gegen ihre Krönungszeremonie am 30. April 1980 protestierten. Nicht ein vererbter Machtanspruch, sondern "nur die Bereitschaft, der Gemeinschaft zu dienen", könne der Sinn moderner Monarchie sein, sagte sie.

In der niederländischen Politik spielt die Monarchin eine wichtige Rolle. Sie ernennt nicht nur den sogenannten Formateur, der nach Parlamentswahlen mögliche Koalitionen erörtert. Die Königin unterschreibt auch Gesetze und führt den Vorsitz im Staatsrat, der die Regierung bei der Gesetzgebung berät. Zugleich ist der Staatsrat das höchste Verwaltungsgericht.

Von Klestil ausgezeichnet

Nicht zuletzt der Einsatz der Niederlande für den EU-Beitritt Österreichs brachte Beatrix den Orden Großstern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik ein, der 1994 von Bundespräsident Thomas Klestil verliehen wurde. Sie hatte bereits 1961 das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande erhalten. Für Aufsehen sorgte während der EU-Sanktionen gegen die schwarz-blaue Bundesregierung im Jahr 2000 ihre Entscheidung, den österreichischen Botschafter von der Gästeliste ihres traditionellen Diners für das diplomatische Corps streichen zu lassen. Zuvor war sie in den Niederlanden kritisiert worden, weil sie trotz der Sanktionen zum Arlberg auf Urlaub fuhr.

Beatrix wurde am 31. Jänner 1938 als erstes Kind von Königin Juliana und Prinz Bernhard geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie wegen des Zweiten Weltkriegs größtenteils im britischen und kanadischen Exil. Nach ihrem Jurastudium an der Universität Leiden heiratete die Thronfolgerin 1966 den westdeutschen Diplomaten Claus von Amsberg und sorgte damit in ihrer Heimat für einen nationalen Skandal.

Die Erinnerungen an die deutsche Besatzung waren noch frisch, und viele Niederländer konnten sich damals nicht vorstellen, dass ein ehemaliges Mitglied der Hitlerjugend in den Königspalast einziehen könnte. Prinz Claus gewann mit seiner bockigen Einstellung zum steifen Hofzeremoniell aber bald die Herzen der Menschen. Nach seinem Tod 2002 trauerte das ganze Land mit Beatrix um ihren Mann.

Problematische Hochzeiten

Wie ihre eigene Hochzeit irritierten auch die Heiratspläne von zwei ihrer drei Söhne die Öffentlichkeit in der Poldermonarchie. Beatrix' ältester Sprössling, Kronprinz Willem-Alexander, heiratete 2002 die Argentinierin Maxima Zorreguieta, deren Vater während der Militärdiktatur in dem südamerikanischen Land (1976 bis 1983) Landwirtschaftsminister war. Der Thronfolger durfte Maxima nur heiraten, nachdem geklärt war, dass ihr Vater nicht zur Hochzeit kommt.

Anschließend sorgte die Heirat von Prinz Johan Friso mit Mabel Wisse Smit für Schlagzeilen, weil die bürgerliche Braut eine Beziehung mit dem niederländischen Drogenboss Klaas Bruinsma gehabt haben soll. Um Mabel trotzdem heiraten zu können, verzichtete Johan Friso 2004 auf seinen Thronanspruch.

In jüngerer Vergangenheit musste Beatrix mehrere Schicksalsschläge verkraften: Am Königinnentag 2009 versuchte ein Mann in der Stadt Apeldoorn mit einem Auto in die Königsfamilie zu rasen; sieben Menschen kamen dabei ums Leben.

Besonders schwer aber lastete auf ihr der Unfall ihres Sohnes Johan Friso, der im Februar vergangenen Jahres bei einem Lawinenunglück in Lech am Arlberg schwer verletzt wurde und ins Koma fiel - ein Schicksalsschlag, von dem sich die stets fröhlich auftretende Monarchin nicht wirklich erholte. (APA, 28.1.2013)

Share if you care
2 Postings

auch als überzeugter gegner von erbmonarchien verspüre ich große wertschätzung für beatrix - eine vorbildliche königin. schade auch irgendwie, daß nach über einem jahrhundert das matriarchat endet.

mal schauen, ob das der beginn einer reihe von generationswechseln in europas monarchien ist - denn die meisten europäischen monarchInnen sind ja in einem ähnlichen alter.

FEHLANZEIGE

bei der Queen wäre es cshon längst angesagt -irgendwei wirkt die nur noch lähmend.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.