Guatemalas Ex-Diktator muss sich wegen Genozids verantworten

86-Jähriger Rios Montt soll Massaker an Maya angeordnet haben

Guatemala-Stadt - Guatemalas früherer Diktator Efrain Rios Montt wird der Prozess wegen eines Massakers an Ureinwohnern gemacht. Der 86-Jährige werde wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, sagte der Richter Miguel Galvez am Montag in Guatemala-Stadt. Es ist das erste Mal in Guatemala, dass ein Verantwortlicher für Verbrechen während des jahrezehntelangen Bürgerkriegs wegen Genozids vor Gericht gestellt wird.

Es gebe eine "ernstzunehmende Grundlage", um Rios Montt für die ihm zur Last gelegten Verbrechen anzuklagen, sagte Galvez in dem Gerichtssaal, der mit Angehörigen der Opfer und Aktivisten gefüllt war. Dem früheren General, der im März 1982 durch einen Putsch an die Macht gelangt war und Guatemala bis August 1983 mit harter Hand regierte, wird vorgeworfen, im Norden des Landes ein Massaker an 1.770 Angehörigen der Maya angeordnet zu haben.

Der Militärmachthaber hatte im Bürgerkrieg eine Strategie der "verbrannten Erde" verfolgt, um der linken Guerilla den Boden zu entziehen. Menschenrechtler zufolge waren die Opfer aber vielfach nicht Rebellen, sondern unbeteiligte Ureinwohner, die in den ländlichen Gebieten Guatemalas die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Insgesamt wurden im Bürgerkrieg von 1960 bis 1996 nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 200.000 Menschen getötet.

"Wichtiger Schritt vorwärts"

Bei seiner Ankunft im Gerichtssaal wurde Rios Montt am Montag von einer Reihe pensionierter Offiziere mit einem Salut begrüßt. Als der Richter die Anklage wegen Genozid verkündete, brach im Publikum Jubel aus. Vor dem Gericht zündeten Angehörige der Opfer Böller. Rios Montt war jahrelang durch seinen Status als Parlamentsabgeordneter vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt. Erst seit Anfang vergangenen Jahres genießt er keine Immunität mehr.

Die Aktivistin Iduvina Hernandez sprach von "Licht am Ende des Tunnels der Straflosigkeit". Human Rights Watch (HRW) sprach von einem "wichtigen Schritt Vorwärts" im Bemühen um die Verurteilung der Täter. "Dass ein Richter einen Prozess gegen einen früheren Staatschef anordnet, ist eine bemerkenswerte Entwicklung in einem Land, in dem Straflosigkeit für vergangene Gewalttaten lange die Norm war", erklärte der HRW-Amerikadirektor Jose Miguel Vivanco.

Neben Rios Montt wurde auch der pensionierte General Jose Rodriguez wegen Genozids angeklagt. Er hatte ebenfalls der Militärführung angehört. Während Rios Montt unter Hausarrest steht, befindet sich Rodriguez infolge eines Schlaganfalls im Dezember in einem Militärkrankenhaus zur Behandlung. Anwälte des früheren Diktators kündigten Berufung an. Sie betonten, der Machthaber habe von den Massakern der Armee keine Kenntnis gehabt. (APA, 29.1.2013)

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