Yahoo macht Fortschritte unter Marissa Mayer

Die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat dem kriselnden Internetpionier frisches Leben eingehaucht. Sie will den Google-Konkurrenten dauerhaft wieder in die Erfolgsspur zu bringen

Sunnyvale - Nach langem Stillstand kommt unter der neuen Chefin Marissa Mayer langsam Bewegung in Yahoo. Das Geschäft wuchs im Schlussquartal wieder leicht. Zugleich lasteten aber hohe Kosten für den angestoßenen Firmenumbau auf dem Internet-Urgestein. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber wir sehen erste positive Trends", sagte Mayer.

Der Quartalsumsatz stieg um 2 Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar (1 Mrd. Euro). Grund waren höhere Einnahmen aus der Suchmaschine und den sonstigen Geschäftsfeldern; dagegen schrumpften die Erlöse aus grafischen Werbeanzeigen leicht. Der Gewinn sank wegen des geschäftlichen Rückzugs aus Südkorea um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf unterm Strich 272 Millionen Dollar.

Yahoo legt beim Umsatz zu

Sie sei stolz auf das Erreichte, erklärte Mayer am Firmensitz im kalifornischen Sunnyvale. Aufs Gesamtjahr gesehen sei es das erste Mal seit vier Jahren, dass Yahoo beim Umsatz zugelegt habe. Im Rahmen eines Sparprogramm musste jedoch etwa jeder sechste Mitarbeiter gehen. Ende Dezember arbeiteten noch 11.500 Menschen bei Yahoo nach 14.100 vor einem Jahr.

Yahoo hat schwierige Zeiten hinter sich: Einst stand das Unternehmen als Synonym für das Internet, doch dann kamen neue starke Rivale wie Google oder Facebook. Viele Nutzer wandten sich ab, Gleiches galt für die Werbekunden. Erschwerend kamen interne Querelen mit Chefwechseln in rascher Folge hinzu.

Der Verwaltungsrat hatte Mitte 2012 die Vorzeigemanagerin Mayer vom Rivalen Google abgeworben. Sie will Yahoo wieder zu einer der ersten Adressen im Internetgeschäft machen. Dazu scharrte sie ein neues Führungsteam um sich, schloss unrentable Bereiche wie in Südkorea und will mit neuen Diensten und Inhalten die Nutzer wieder an Yahoo binden.

Ihr Ziel ist zudem, Yahoo stärker international ausrichten, wie sie in der Telefonkonferenz ausführte. Momentan kommen drei Viertel der Einnahmen vom amerikanischen Kontinent; aus der Region Europa, Naher Osten und Afrika waren es nur ein Zehntel.

Erwartungen der Analysten übertroffen

Mit den jetzigen Geschäftszahlen übertraf das Interneturgestein die Erwartungen der Analysten. Nachbörslich stieg die Aktie um mehr als 4 Prozent, doch eine in den Augen der Anleger zu vorsichtige Prognose ließ das Plus auf 1 Prozent zusammenschmelzen. Yahoo geht im laufenden Jahr von einem Umsatzrückgang aus.

Zu den Aushängeschildern gehören Yahoo Mail und die Fotoplattform Flickr. Beide Dienste sind erst im Dezember überarbeitet worden mit besonderem Augenmerk auf die Handhabung auf Smartphones. Die Nutzer würden die Dienste nun deutlich häufiger ansteuern, erklärte Mayer.

Haupteinnahmequelle von Yahoo ist die Werbung. Das sind zum einen bezahlte Links bei der Suchmaschine. Hier arbeitet Yahoo mit Microsoft zusammen und nutzt die Technik von deren Suchmaschine Bing. Langsam scheinen sich Erfolge zu zeigen in höheren Werbeeinnahmen. Das traditionell wichtigere Standbein ist jedoch die sogenannte Display-Werbung mit grafischen Anzeigen. Google und Facebook wildern jedoch in diesem Revier.

Yahoo konnte im Gesamtjahr seinen Umsatz minimal auf knapp 5,0 Milliarden Dollar steigern und behielt unterm Strich mehr als 3,9 Milliarden Dollar übrig - fast vier Mal soviel wie im Jahr 2011. Dieser gewaltige Gewinnsprung kam durch den Verkauf von Anteilen am chinesischen Internetkonzern Alibaba zustande. Für dieses Jahr geht das Management von einem Gesamtumsatz zwischen 4,75 und 4,88 Milliarden Dollar aus.

Wie ein Damoklesschwert hängt eine richterliche Entscheidung in Mexiko über Yahoo: Das Konzern ist in einem Streit mit einem Geschäftspartner um ein Branchenverzeichnis zur Zahlung von 2,7 Milliarden US-Dollar verdonnert worden. Yahoo geht gegen die Entscheidung vor. "Wir sind sicher, dass wir erfolgreich sein werden", sagte Finanzchef Ken Goldman. Deshalb sei er auch keine Rückstellung gebildet worden. (APA, 29.1.2013)

 

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