"Kreuz & quer": Irritierende Stimmungsbilder

  • Laut Volkszählung gibt es momentan ca. 24.000 Mitglieder bei den Zeugen Jehovas, sie sind damit die fünftgrößte Glaubensgemeinschaft in Österreich.
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    foto: orf/tausend rosen

    Laut Volkszählung gibt es momentan ca. 24.000 Mitglieder bei den Zeugen Jehovas, sie sind damit die fünftgrößte Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Ein verstörender Einblick in die Welt der fünftgrößten Glaubensgemeinschaft Österreichs

Das Traurigste kommt zum Schluss: Ein kleines Mädchen sagt, wer die Welt beherrscht - das Böse in Gestalt von Satan nämlich - und zitiert zum Beweis Bibelverse. Rund 20.000 Zeugen Jehovas bilden die seit 2009 offiziell anerkannte und fünftgrößte Religionsgemeinschaft Österreichs. Ja, man kennt sie, an Straßenecken Gott und das Zentralorgan "Wachturm" anpreisend. Aber: Kennt man sie wirklich?

"Von Haus zu Haus" (Regie: Krzysztof Kaczmarek) verspricht Einblicke in Struktur und Denkwelt der Zeugen Jehovas. Und zeigt - kommentarlos - ein interessantes, irritierendes und, ja, bedrückendes Stimmungsbild. Da memorieren auserwählte Zeugen Inwendiggelerntes über Mode, Musik und Freizeit, verteufeln Homosexualität und referieren über Hurerei. Da werden in Minidramen Szenen einer Ehe in Jehovas Sinne vorgespielt und bei "Hirtenbesuchen" daheim der rechte Jehova-Glauben gefestigt. Ein "Königreichsaal", trüb wie ein Vorstadtwirtshaus-Hinterzimmer, wird hergezeigt, inklusive Blick auf den drei Bücher umfassenden "kleinen Auszug aus unserer Bibliothek".

Laut Wikipedia haben 2011 weltweit mehr als sieben Millionen Zeugen Jehovas an 109.403 Versammlungen teilgenommen, an die 300.000 Gläubigentaufen finden jährlich statt. Eine davon filmte (wie immer brillant) Kameramann Attila Boa auf einem Bezirkskongress in der Olympiahalle in Innsbruck: Täuflinge in Badeanzügen und Boxershorts werden im mobilen Kleingartenpool unter Wasser getaucht. Applaus im Publikum.

Schön, könnte die Doku nun auch eine Diskussion über religiös motivierte schwarze Pädagogik und seelische Grausamkeit an Kindern auslösen. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 29.1.2013)

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