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Heiratsfähig: Swintha Gersthofer und Anne Bennent (li.)
St. Pölten - Dass es die Komödien von William Shakespeare dann doch immer wieder zu einem Happy End schaffen, ist eine Höchstleistung. So viele Widersprüche und Interessenkonflikte tragen die von Liebe, Ruhm und Geld getriebenen Menschen aus. Man will den guten Enden misstrauen.
Auch in dem scharfzüngigen Heiratsdrama Viel Lärm um nichts - es hatte in der Regie von Roland Koch soeben am Landestheater Niederösterreich Premiere - setzt eine Hofgesellschaft in Messina nach dem Krieg ihre freundlichen Gesichter auf und macht sich an die Heiratsgeschäfte. Bei Shakespeare entstehen Komödien gern aus dem Schatten vorangegangener Unglücke (Der Sturm, Was ihr wollt, Komödie der Irrungen).
Nach der Schlacht also, die ohne Verluste erfolgreich geschlagen wurde, steht Lebensfreude auf dem Plan. Dass der Gouverneurspalast aber noch nicht ganz fit for fun ist, erzählt zuallererst Hugo Gretlers Bühne aus billigen Sperrholzbretterwänden, vor denen die Herzen sowohl der Tochter als auch der Nichte des Gouverneurs zufliegen. Erstere, Hero (Swintha Gersthofer), ist zwar willig, fällt aber einer Intrige zum Opfer, die ihr voreheliche Untreue unterstellt; ein Delikt, für das man sie vorgeblich mit dem Tod bestraft.
Und die andere, die hantige Gouverneursnichte Beatrice (Anne Bennent), versteht sich leider nicht auf romantisches Vokabular. Sie schickt stattdessen spitze Pfeile in Richtung ihres Zukünftigen Benedikt, dessen Verwirrung ob solcher Heiß-kalt-Wortbäder Tobias Voigt mit jeweils neu ondulierter Frisur zum Ausdruck bringt. Die Verunsicherung ist diesem gutherzigen Mann in seinen ausgestopften Hosen bis in die letzte in Stellung gebrachte Haarspitze anzumerken. Einmal setzt er sich in seiner Disparatheit eine Lautsprecherbox auf, das ist von Regisseur Roland Koch genial gedacht.
E-Gitarre und Sonette-Poesie
Auf die Figuren versteht sich Koch, selbst Schauspieler, am allermeisten. Sie wachsen aus ihren alle Länder und Sitten mitzitierenden Gewändern (Kostüme: Hannah Hamburger) formschön heraus, eigenständige Erfindungen wie die Kung-Fu-Beatrice der Anne Bennent, der Eroberer Claudio im Liebestöter-Soldatenhemd (Pascal Groß) oder Benno Ifland als netter Patron, der aber, wenn es um die Ehre seiner Tochter geht, allen noch einmal zeigt, was Expressionismus heißt.
Die Figuren allein aber tragen den Abend nicht. Er sackt schlussendlich ein. Aus vielen guten Ideen, zu denen auch die Integration einer Liveband gehört (musikalische Leitung und die Rolle des Borachio: Imre Lichtenberger Bozoki) wirken in der Realisierung holprig. Die E-Gitarre begleitet Sonette-Poesie, Balkan-Pop den Horror der Gefühle. So gut, überraschend und konzentriert die ersten paar Minuten sich ausdehnten, so ziehen sich später die weiteren. Koch überlädt sich und die Seinen, und so geht, was beim Publikum am schwersten wiegt, alsbald auch das Tempo verloren.
Schön ist das antikitschige Liebesgeständnis zwischen Beatrice und Benedikt. Es ist an Unterkühltheit und kleinstmöglicher Zuneigungsschance schwer zu übertreffen. Die beiden erwarten voneinander nichts und werden vielleicht gerade deshalb nicht enttäuscht. Hero und Claudio hingegen schon eher.
Der Intrigant Don John (Moritz Vierboom) wurde zwar überführt, doch sein Ganz-ruhig-am-Pranger-Stehen verheißt nichts Gutes. Ausgeschlossene werden wiederkehren. Sie sehen beim Glück nicht ohne Rachegefühle zu. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 29.1.2013)
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