Textänderungen im Kinderbuch: Kinder und Ku-Klux-Klan

Kommentar | Michael Möseneder
28. Jänner 2013, 17:04

Macht der "Neger-König" in der Abenteuergeschichte aus einem kleinen Kind automatisch einen Rassisten?

Neger, Zigeuner, Eskimos, Hottentotten. Die Liste an Begriffen, die von vielen als diskriminierend empfunden werden, ist lang. Und die, die so empfinden, wollen sie getilgt sehen - nun auch aus Kinderbüchern.

Nur: warum eigentlich? Macht der "Neger-König" in der Abenteuergeschichte aus einem kleinen Kind automatisch einen Rassisten? Oder, nebenbei bemerkt, aus der "Hexe" einen Sexisten? Wohl eher nicht. Genauso wenig, wie es umgekehrt funktionieren wird. Ein Ku-Klux-Klan-Mitglied wird seinen Sprössling höchstwahrscheinlich zum Menschenhass erziehen. Gleich, ob er von "dunkelhäutigen US-Bürgern", "Afroamerikanern" oder "Niggern" spricht.

Was nicht heißt, dass sich über Sprache nicht eine Sensibilisierung erreichen lässt. Doch es kommt immer auf den Kontext an, in dem die Wörter erwähnt werden. Und auf die Zeit, in der sie niedergeschrieben wurden.

Wenn der Autor oder die Autorin selbst ex post etwas verändern wollen, ist das eine feine, begrüßenswerte Sache. Beginnt man allerdings ungefragt oder nach deren Tod in ihren Werken herumzubasteln, wird es heikel. Schließlich sind diese auch historische Dokumente - und können genau deshalb auch Gelegenheit zu Gesprächen geben.

Denn entscheidend muss doch schlicht sein, Kindern beizubringen, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind. Und dabei kann auch ein spannendes Kinderbuch helfen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 29.1.2013)

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Die feine Ironie an der ganzen Geschichte:

Es sind ja in der Regel gar nicht die vermeintlich Diskriminierten, die sich aufregen, sondern weiße Deutsche, die glauben, dazu berufen zu sein, arme hilflose Minderheiten vor Kinderbüchern schützen zu müssen.

Ist das vielleicht nicht auch ein Form von Rassismus?

Interessanterweise

sind es üblicherweise auch keine arme Menschen, die Sozialgesetze beschließen. Vielleicht hätte man es lassen sollen?

Beginnt man allerdings ungefragt oder nach deren Tod in ihren Werken herumzubasteln, wird es heikel.

Ungefragt ist es einfach urheberrechtlich verboten.

Nach ihrem Tod ist es uU urheberrechtlich erlaubt.

Was Änderungen an Kinderbüchern angeht, soll man die Kirche evtl. im Dorf lassen. Vielfach werden bei ihrer Entstehung im Trialog zwischen Verlag, AutorIn und IllustratorIn ganz erhebliche Änderungen gemacht. Siehe zB die Entwicklung des Grüffelos: http://www.guardian.co.uk/books/vid... -scheffler

Seit jeher werden Kinderbücher durch starke Kürzung und Umschreibung von Originalen hergestellt, die keineswegs für Kinder gedacht waren (zB Robinson Crusoe).

Auch bei Übersetzungen kann man davon ausgehen, dass vieles anders ist als im Original, und da werden AutorInnen offenbar selten im Detail eingebunden.

Flaschste Übersetzung eines Kinderbuchs, die ich kenne:

Der Schluss von Frederick/Federico:

auf Deutsch:
Du bist ein Dichter! ... Ich weiss es, ihr lieben Mäusegesichter.

Original:

Tu sei un poeta! ... Non merito alloro ... ognuno, in fondo, fa il proprio lavoro.

Im Deutschen fehlt also die ganze Pointe von der Geschichte!

Radikal kreative Übersetzungen sind allen zB bei Asterix und Obelix bekannt.

So ist der normale Umgang mit Texten von Kinderbüchern, und gegen diesen Hintergrund sich wegen ein paar kleiner Änderungen aufzuregen, kommt mir übertrieben vor.

Hauptsache ist, Änderungen sollten gut begründet sein und einen Text hinterlassen, der so gut funktioniert wie zuvor. Dazu muss man die Arbeit an Leute delegieren, die wirklich schreiben können, und nicht nur an irgendwen im Verlag.

"Flachste"

hätte das heißen sollen. Flasche war der/die LektorIn, der/die diese Version durchgelassen hat.

Der Herr Möseneder will es einfach nicht verstehen...

bitte, Herr Möseneder, fragen sie doch mal bei ihren Kollegen und Kolleginnen von daStandard oder die* nach. Sie werden Ihnen sicherlich erklären, worum Sexismus (ebenso wie Rassismus) eben kein individuelles Problem kauziger Randgruppen, ModernisierungsverliererInnen usw. ist sondern eben gerade durch z.B. die Benutzung in Kinderbüchern "normal" wird. Dass es das nicht sein sollte, merkt man spätestens durch Betroffene. Und die sind sich wohl sehr einig. Ich kann mir nicht vorstellen dass schwarze Menschen in Österreich es super finden, dass Kinderbücher den Begriff "Neger" normal verwenden.
Niemand verlangt von Ihnen und Ihresgleichen es von selbst zu verstehen. Aber Antirassismus ist wohl nicht zu viel verlangt.

Dürfen wir den schrecklichen, durch jahrhundertelange Sklaverei in Österreich vorbelasteteten Begriff Neger

durch das unbelastete Nigger ersetzen?

DAS war und ist das Schimpfwort!

Das andere leitet sich von Negro = Schwarz ab.
Eine mehr oder weniger zutreffende Beschreibung und kein Rassismus.

Na und?

So könnte man auch argumentieren, "Schlampe" wäre eine Bezeichnung für eine Frau, die gerne Spaß hat. Von wo sich das nun etymologisch ableitet ist doch für den tatsächlich stattfindenden sprachlichen Gebrauch vollkommen irrelevant.
Sollte eine Freundin von mir sich darüber beschweren, dass ich sie nach einer Erzählung der Geschehnisse des letzten Wochenendes als Schlampe bezeichnet habe wird mir wohl kein etymologisches Blabla aus der Situation helfen (und wenn doch sollte ich mir einen anderen Freundeskreis suchen).

Bemerkenswert ist jedenfalls, dass

die political correctness ihre ersten Opfer in den eigenen Reihen fordert.
Es geht nicht mehr um völlig zu Recht diskreditierte Machwerke wie "Die Protokolle der Weisen von Zion", auch nicht um Hitlers antisemitische Pamphlete, auch nicht um die zweifelhaften Schöpfungen des Klu-kluxClan, nein, es geht um durchwegs antirassistisch eingestellte Literaten, wie Mark Twain, Ottfried Preußler, Astrid Lindgren und auch Ch. Nöstlinger, die nichts anderes getan haben, als harmlose Kinderbücher verfasst zu haben, oder wie im Falle von M. Twain, dessen "Abenteuer des Huckelberry Finn" ein Manifest des Antirassismus sind.

Die Revolution frisst die eigenen Kinder.

PC zum Lachen

Wer mal wirklich über übertriebene PC und Interpretationswut lachen möchte, sollte "Wer hat Dornröschen wachgeküßt?" von Iring Fetscher lesen!
Köstlich!

herr möseneder kommt also zu zwei schlüssen:

1. wörter und sprache haben keine bedeutung (weil die welt ja eigentlich angeblich neutral ist).

2. wenn sich diskriminierte diskriminiert fühlen, ist das deren problem (siehe punkt 1) und nicht etwa ein thema der nicht-betroffenen, von denen das i.d.r. ausgeht.

naja, jeder wie er/sie glaubt.

wenn hr. m zu diesen schlüsen kommt,

dann muß das wohl woanders gewesen sein

hier hab ich nichts dergleichen gelesen

wörter habe natürlich eine bedeutung:
niger (neger) bedeutet zum beispiel schwarz ;)

niger/nigra/nigrum bedeutet schwarz, dunkel. ihr in klammer gesetztes wort kann ich in keinen lateinischen schriften vorfinden. liegt wohl daran, dass der begriff erst mit kolonialismus, sklaverei und rassentrennung eingang in die deutsche sprache gefunden hat.

natürlich hat der begriff "neger"

zeitgleich mit "kolonialismus, sklaverei und rassentrennung" einzug in die deutsche sprche gefunden, weil halt grad in der zeit, als das weitgehend üblich war, überhaupt erst die existenz solcher dunkelhäutigen menschen breiten schichten bekannt wurde

was aber nchts daran ändert, daß sich die bedeutung im deutschen sprachgebrauch erst in der zweiten hälfte des letzten jhdts ins pejorative wendete

man muss nicht immer alles gleich wörtich nehmen, natürlich ist niger nur der wortstamm von neger. ich verwende den ausdruck auch nicht, das ist nur mein üblicher kleiner scherz gegenüber politisch allzu korrekten mitmenschen. das geht dann noch weiter: wenn neger nicht korrekt ist, dann kann es schwarzer auch nicht sein, schwarzafrikaner auch nicht, zentralafrikaner kann auch ein bürger von zentralafrika sein, afrikaner ist zungenau, bleibt nur noch afroafrikaner.
wie gesagt, ist eine kleine stichelei und hat mit rassismus nichts zu tun. im übrigen bin ich der meinung, man sollte die (kinder)bücher nicht ändern.

wollte ihnen damit überhaupt nichts unterstellen und gegen eine diskussion ob man etwas ändert oder nicht gibt es auch nichts einzuwenden. sie nennen es übertriebene politische korrektheit, davon halte ich im grunde auch nichts. vielleicht ärgern sich manche, die mittelbar davon betroffen sind, aber einfach über die ignoranz. von vielen seiten wird die diskussion an sich schon verurteilt und die kann man wohl aushalten, insbesondere wenn man davon nicht betroffen ist.

Nun, dann lassen Sie uns da gleich nachhaken: Haben Sie jemals einen Menschen gesehen, der schwarz ist? Ich nicht. Ich habe auch noch nie einen weißen Menschen gesehen. Genausowenig wie gelbe Menschen oder "Rothäute" (außer bei Sonnnenbrand, verwirrenderweise aber dann wieder bei "Weißen")

Wenn Sie darauf bestehen, dass Begriffe in keinster Weise wertend besetzt sind, sondern nur Tatsachen beschreiben, dann müssen Sie auch eingestehen, dass "Neger" nicht einmal als Tatsachenbeschreibung besonders gut geeignet ist.

Es gibt braune und es gibt schwarze Pigmentierung

Die optische Erscheinung hängt dann wiederum von der Pigmentdichte ab.

2 Kollegen haben mir das mal gezeigt. Innenseite der Unterarme nebeneinander gelegt.
Die Kollegin hatte braune Pigmente (davon aber sehr viele) und der Kollege schwarze (aber weniger).

Im Endeffekt hat die "braune" Kollegin dünkler ausgesehen als der "schwarze" Kollege.

Es gibt als schwarze "Schwarze" - in den verschiedensten Schatierungen ;)

Und da Neger auch nichts anderes bedeutet als Schwarz, ändert sich nichts an der Bezeichnung und sie ist sogar korrekt.

a bisserl kleinlich sind sie aber schon. hat sich halt so eingebürgert. afroafrikaner könnte vielleicht korrekt sein -finde ich dann aber auch nicht so gut ;).

ein schlüssiger Kommentar!

Wer Möseneder heißt, der muss sich schließlich einreden, dass Worte nur im Kontext anzüglich wirken, für sich alleine genommen aber völlig neutral sind.

Schauderhaft finde ich, dass wir einen Wahnsinningen brauchen um uns unseren Wahnsinn aufzuzeigen:

Sie sind überempfindlich gegenüber Begriffen, die Minderheiten bezeichnen und gegenüber allen Äußerungen, die Minderheiten betreffen. Die Begriffe "negro" (Afrikaner), "oriental" (Asiat), "handicapped" (behindert), oder "chick" ("Hühnchen") für einen Afrikaner, einen Asiaten, einen Behinderten, eine Frau hatten ursprünglich keine abwertende Nebenbedeutung. "broad" und "chick" waren lediglich die weiblichen Formen zu "guy" (Kerl, Kumpel), "dude" (Geck) oder "fellow" (Kamerad, Bursche). Die negative Nebenbedeutung haben diese Aktivisten ihnen selbst beigelegt. Einige Tierschutzverteidiger gehen soweit, daß sie die Bezeichnung "pet" (zahmes Tier, Haustier) ablehnen und auf dem Ersatzbegriff "animal companion" (Tier-Gefährte) bestehen.

Ergänzung

Der Text stammt vom Unabomber Ted Kazcinsky

Dass es ursprünglich keine abwertende Nebenbedeutung hatte, Frauen als Hünchen zu bezeichnen, glauben Sie ja selber nicht.

ich glaube, das war vor ihrer zeit.

ich kenne das auch so. ohne negativen beigeschmack. schließlich war unser "weib" auch einmal hoffähig und kam sogar in alten gebeten vor (gebenedeit seist du unter den weibern... heißt jetzt auch frauen). so ist der wandel der zeit.

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